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Zusammenhalt von „unten“ und „oben“

SN-Ortsspaziergang Zusammenhalt von „unten“ und „oben“

Wie gut kennen Sie Ihren Ortsteil? Oder den ihrer Freunde? Finden Sie‘s raus – unterwegs mit Sachkundigen beim SN-Ortsspaziergang. Dieses Mal nehmen wir Stadthagens Ortsteil Probsthagen unter die Lupe. Ein Rundgang mit Ortsvorsteherin Ursula Schweer.

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Im Garten von Probsthagens Ortsvorsteherin Ursula Schweer fühlen sich auch Meisen wohl – wie hier beim Abknabbern eines Meisenknödels.

Quelle: MAK

PROBSTHAGEN. Wilde Partys in der Disco Domino, Konzerte mit den Loving Hearts in der Dorfkneipe – an diese und andere Höhepunkte können sich wahrscheinlich noch viele alteingesessene Bewohner Probsthagens erinnern. Mittlerweile gibt es weder die Disco, noch die Kneipe, doch das hält die Probsthäger nicht davon ab, weiterhin Gemeinschaft zu zelebrieren und Kontakte zu pflegen.

„Wir sind ein schönes Hagenhufendorf, mitten im Grünen“, wirbt Ursula Schweer. Mit Genuss trinkt die Ortsvorsteherin des Ortes Probsthagen eine Tasse frisch aufgebrühten schwarzen Tee in ihrem Garten, der bereits einen Einblick auf das gibt, was die SN bei der Rundfahrt durch das Dorf mit der engagierten Probsthägerin erwartet. Ländliche Idylle, aber dennoch nicht weit entfernt vom Trubel der Stadt: Dass diese Kombination lebenswert ist, davon sind die 370 Einwohner des Dorfes fest überzeugt.

Ortsvorsteherin Ursula Schweer und SN-Redakteurin Martina Kramer beim Ortsspaziergang.

Das erste Mal erwähnt wurde Probsthagen unter dem Namen „Indagine Prepositi“ im Jahr 1243. Die Bezeichnung Hagenhufendorf kommt von der für diesen Begriff typischen Dorfstruktur. Die Höfe, aneinandergereiht entlang der Bornau, ergeben das auch heute noch bekannte längliche Dorfbild. Direkt vor und hinter den Höfen verwalten die Besitzer ihr Land. So ergab sich mit der Zeit auch die Einteilung in „unten“ und „oben“ für die Probsthäger. Schweer, übrigens seit 2001 Ortsvorsteherin, erläutert dazu: „Manchmal bekommen die, die ,unten‘ leben, gar nicht mit, was ,oben‘ so passiert und umgekehrt“. Das sei der länglichen Dorfstruktur geschuldet.

Vor allem aus diesem Grund wird Gemeinschaft im Hagenhufendorf großgeschrieben – „Unsere Probsthäger Kirchengemeinde (die Kirche besteht in diesem Jahr 777 Jahre, Anm. d. Red.) ist sehr aktiv, auch der Kyffhäuser Verein Probsthagen/Vornhagen/Habichhorst erfreut sich zahlreicher Mitglieder aus dem Ort“, zählt Schweer auf. Zum Ortsbild gehören außerdem eine Feuerwehr sowie die Bauerntagsgruppe, die momentan jedoch ruht.

Unter der Linde vor dem Dorfgemeinschaftshaus versammeln sich die Bürger zur „längsten Kaffeetafel der Welt“.

Und einmal im Jahr, das erste Mal 2012, werden am Dorfgemeinschaftshaus im Schatten einer großen Linde bewusst „oben“ und „unten“ zusammengeführt, um die Gemeinschaft weiterhin zu stärken. „Wir haben die längste Kuchentafel der Welt“, schwärmt die Ortsvorsteherin beim Vorbeifahren an dem besonders grünen Plätzchen. Die Idee der Kuchentafel geht auf eine Initiative des Arbeitskreises Dortentwicklung zurück, dessen Vorsitz Schweer innehat. „Wir hatten uns gefragt, was man tun kann, damit die Leute auch kommen“, erinnert sich die Ortsvorsteherin. Und scheinbar hat der Arbeitskreis damit genau den richtigen Riecher bewiesen, denn das Angebot wird Jahr für Jahr gerne sowohl von „oben“ als auch von „unten“ angenommen. Verkauft werden im Übrigen selbst gebackene Kuchen – der Erlös kommt dem Ort zugute, zum Beispiel wurde mit dem Geld die Sitzbank unter der Linde angeschafft, sagt Schweer.

Mit der Kuchentafel knüpft der Ort quasi an das Projekt Dorferneuerung an, welches Schweer als Ortsvorsteherin von 2003 bis 2013 komplett begleitete. „Was wir innerhalb dieser Zeit nicht realisieren konnten, versuchen wir nun mit gemeinsamen Aktionen, wie unserer langen Kuchentafel, weiter umzusetzen“, so die Probsthägerin.

Die Straße am Bahnbrink wurde im Rahmen der Dorferneuerung saniert.

Die Realisierung aller im Zuge der Dorferneuerung geplanten Maßnahmen erfolgte drei Jahre nach dem Auftakt, im Jahr 2006. Den ersten Punkt konnte der Arbeitskreis auch gleich im selben Jahr abschließen: Der frisch sanierte Wirtschaftsweg am südöstlichen Ortsrand schloss als Start-Maßnahme die Lücke für Radfahrer. Den ersten Spatenstich führte Schweer mit Stadthagens damaligem Bürgermeister Jürgen Hoffmann aus.

In den Jahren 2007/2008 wurden drei Brücken saniert – zum einen die Brücke in Richtung Vornhagen, zum anderen die Brücken Am Schäferhof und Am Bahnbrink. Die beiden Letztgenannten tragen im Übrigen auch die Handschrift von Schweer: „Ich habe die Brücken mit Blumenkästen verschönert, um die sich Freiwillige aus dem Ort regelmäßig kümmern.“

Im Wandel der Zeit veränderte sich das Dorfbild nicht nur anlässlich der zahlreichen baulichen Maßnahmen. „Früher hatten wir hier 13 landwirtschaftliche Betriebe, heute sind es nur noch zwei“, resümiert Schweer und ergänzt: „Das ist der Wandel der Zeit.“ Statt mehr landwirtschaftlicher Betriebe gibt es dafür mehr Bauland im Hagenhufendorf. Aktuell sind noch acht freie Bauplätze im Angebot. „Das Baugebiet gefällt mir sehr gut, weil es sich prima in den Ort integriert und einfach hier reinpasst“, lobt Schweer. Sie wünscht sich, dass sich vor allem junge Familien in Probsthagen niederlassen.

Das Neubaugebiet in Probsthagen bietet noch Platz für acht Familien.

Schließlich bietet das Dorf im Grünen mit seinen verkehrsberuhigten Bereichen und dem Spielplatz hinter dem Dorfgemeinschaftshaus ein perfektes Domizil für Familien mit Kindern. Und das Angebot soll in naher Zukunft sogar noch erweitert werden, wie Schweer verrät. „An der Bornau soll ein naturnaher Spielplatz entstehen. Die Pläne dafür gibt es bereits“, verrät Schweer. Der Arbeitskreis müsse lediglich noch Spenden sammeln, damit das Projekt umgesetzt werden könne, so die Ortsvorsteherin. mak

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