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150 Helfer verhindern Schlimmeres

Großbrand in Stadthagen 150 Helfer verhindern Schlimmeres

Großbrand in der Innenstadt: Dieses Schreckens-Szenario ist am späten Montagabend Realität geworden. 150 Einsatzkräfte haben versucht, einen Gebäudekomplex mit acht Wohnungen und Gewerberäumen an der Niedernstraße in Stadthagen zu retten und das Übergreifen der Flammen auf angrenzende Häuser verhindert.

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Von einer Drehleiter und zwei Hubrettungsbühnen aus haben in der Nacht die Feuerwehrleute die Flammen von der Niedernstraße aus bekämpft

Quelle: rg

Stadthagen. Von den 25 Hausbewohnern wurde niemand verletzt. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Ein Stadthäger Feuerwehrmann erlitt beim Einsatz einen Kreislaufzusammenbruch. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Nach Angaben eines Behördensprechers brach das Feuer im rückwärtigen Bereich des Hauses, einem Privatparkplatz, aus. Ein Müllcontainer wurde fahrlässig oder vorsätzlich in Brand gesteckt. Die Flammen breiteten sich auf die hölzerne Ummantelung der Mülltonnen aus. Von da griffen die Flammen auf einen Anbau des Mehrfamilienhauses über, bis sie dann bis zum Dachstuhl hoch schlugen. Nach Zeugenaussagen knallte es zwei Mal laut. Der Dachstuhl geriet rasch in Vollbrand. Die Einsatzkräfte wurden um 23.15 Uhr alarmiert. In der Zeit konnten sich die Bewohner bereits nach draußen retten. Vorsichtshalber löste die Rettungsleitstelle den sogenannten MANV (Massenanfall von Verletzten) aus, da noch nicht absehbar war, ob Personen verletzt wurden und wenn ja, wie viele. Da Feuer in der Innenstadt aufgrund der dichten Bebauung immer äußerst heikel sind (siehe Kasten), rief die Leitstelle eine Großschadenslage aus. 16 DRK-Rettungskräfte waren vor Ort. Mit einem Rettungswagen wurde ein kollabierter Feuerwehrmann ins Krankenhaus gebracht, das dieser in der gleichen Nacht noch wieder verlassen konnte.

Die Feuerwehr brachte zur Bekämpfung des Brandes die Hubrettungsbühnen aus Stadthagen und Lahde zum Einsatz sowie die Drehleiter aus Bückeburg. Die Helfer durchsuchten alle Räume unter Pressluftatmern nach weiteren möglichen Bewohnern. Insgesamt bekämpften 150 Kameraden aus Stadthagen, Enzen, Bückeburg und Lahde den Brand. Die Feuerwehr Wendthagen hielt sich für eventuelle andere Einsätze bereit, da alle Mitglieder der Ortswehr Stadthagen gebunden waren.


Der Löschangriff erfolgte laut Einsatzleiter Rainer Pflugradt gleichzeitig über die Niedernstraße und die Schulstraße. Nicht verhindern konnte die Feuerwehr, dass ein Zimmer im zweiten Obergeschoss ausbrannte. Bei Eintreffen der Wehren schossen die Flammen vom brennenden Holzverschlag in Folge eines Kamineffekts steil nach oben. Um das Feuer zu bekämpfen, konnte die Feuerwehr trotz „vorsichtiger Wasserabgabe“ einen Wasserschaden im gesamten Gebäude nicht vermeiden.

Acht Familien können derzeit ihre Wohnungen nicht nutzen. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind mindestens drei Wohnungen nicht mehr brauchbar. Ob der Gebäudekomplex in Gänze zu retten ist, sei derzeit noch unklar. Die Polizei spricht von entstandenem Schaden in Höhe von mindestens 200 000 Euro. Der Wert könne aber noch nach oben korrigiert werden. Am Nachbarhaus musste die Feuerwehr zur Sicherheit ein paar Ziegel abnehmen.

Am Dienstag untersuchten die Brandmittelexperten den Tatort. Zur möglichen Spurenlage wollten die Beamten mit Hinweis auf ermittlungstaktische Gründe nichts sagen. Hinweise auf Beobachtungen im Bereich des Brandortes nimmt die Polizei Stadthagen unter (0 57 21) 4 00 40 entgegen. sk, vin

 

Bewohner kommen bei Freunden und Verwandten unter

Nach dem Feuer in dem Gebäudekomplex an der Niedernstraße sind nun acht Familien vorübergehend obdachlos. Dennoch, so die gute Nachricht, sind die erst einmal bei Freunden und Verwandten untergekommen. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind mindestens drei Wohnungen zerstört. Die Schäden in den restlichen Arealen des Komplexes müssen erst noch begutachtet werden.
„Auch Nachbarn hatten angeboten, jemanden aufzunehmen“, erläutert Bürgermeister Oliver Theiß, der sich über die Hilfsbereitschaft freut. Er selbst war in der Nacht zum Brandort geeilt, nachdem er von der Leistelle über die Großschadenslage informiert worden war.

„Die Einsatzkräfte haben einen sehr guten Job gemacht“, lobt Theiß die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren. Immerhin hätten sie ein Übergreifen auf weitere Gebäude verhindert. Zwar wurde das Nachbarhaus leicht am Dach beschädigt, allerdings hätte dieser Brand auch viel schlimmer ausgehen können. „Sie haben die Stadt vor größerem Schaden bewahrt.“
Die Verwaltung hält für Notfälle dieser Art mehrere Wohnungen vor, in denen kurzfristig Hilfesuchende untergebracht werden können. Davon habe allerdings keiner der 25 Bewohner Gebrauch gemacht. Unter anderem gehören der Verwaltung Häuser an der Lauenhäger Straße, an der Gubener Straße sowie die beiden    Gebäude an der Herminenstraße, die als Obdachlosenunterkunft dienen.
Derweil wollen viele Stadthäger den betroffenen Familien helfen und spenden. Nach Angaben der Polizei ist es nämlich wahrscheinlich, dass einige Möbel, Textilien und Co. von den Flammen beziehungsweise dem Löschwasser und Qualm zerstört worden sind. Inwieweit die Opfer davon Gebrauch machen wollen, will die Stadtverwaltung erfragen.  vin

 

Anwohnerin bangt um Hab und Gut

Ich bete, dass es nicht auch noch bei mir brennt!“ Gülziar Karababa steht gegen 0.30 Uhr in der Nacht auf Dienstag an der Niedernstraße und beobachtet gemeinsam mit zahlreichen Anwohnern, wie die Feuerwehr den Brand in dem Gebäudekomplex bekämpft. Das Haus, in dem Karababa wohnt, liegt Mauer an Mauer mit dem Gebäude, in dessen Dachstuhl über einen brennenden Holzverschlag Flammen geschlagen sind.
Vom Balkon der Karababas ist auf der zur Schulstraße gelegenen Hausseite ein Holzverschlag vor dem Gebäudekomplex zu sehen, in dem Müll gelagert wird. Ihr 18-jähriger Sohn habe aus der Richtung zweimal kurz hintereinander einen Knall gehört und dann habe der Verschlag auch schon gebrannt, berichtet Gülziar Karababa in der Brandnacht. Sie selbst habe sich zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs im Wohnungsteil aufgehalten, der zur Niedernstraße gelegen ist. Von den Ereignissen habe sie darum zunächst nichts mitbekommen, bis ihr Sohn sie informiert habe. Sie habe dann sofort die Feuerwehr angerufen.  sk

 

Gefahrenzone Innenstadt

Wo hört ein Haus auf, wo fängt das andere an? In engen Bebauungslagen von historischen Innenstädten sind Häuser oft nur an den Giebeln oder Hausnummer als einzelne Gebäude zur erkennen. Das dichte Beieinander der Häuser erhöht die Gefahr erheblich, dass sich ein entstandener Brand ausbreitet – vor allem über nahe beieinanderstehende Dächer mit ihren Holzbalken und Sparren. „Die räumliche Enge der Innenstädte sind ein Problem“, sagt Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote. Die Situation verschärft sich, wenn die Feuerwehr ihr Gerät in schmalen Straßen oder zwischen Häusergruppen kaum in Stellung bringen kann.  sk

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