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27-jähriger Stadthäger nach Überfall verurteilt

Ein Jahr Freiheitsstrafe 27-jähriger Stadthäger nach Überfall verurteilt

Ein Jahr Freiheitsstrafe, für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung, dazu 150 Stunden gemeinnützige Arbeit – das ist die Quittung für den Überfall auf ein junges Paar in Bad Münder in der eigenen Wohnung.

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Quelle: Symbolfoto

Bad Münder/Stadthagen.  Vor dem Amtsgericht Hameln hatte sich ein 27-jähriger Stadthäger zu verantworten. Staatsanwalt Selim Mulolli warf dem Angeklagten mehrere Straftaten vor, unter anderem die Bedrohung mit einem Messer. Was genau sich am Abend des 5. November 2013 in dem Haus in Bad Münder ereignet hatte, erfuhr das Gericht von den beiden Opfern und Nebenklägern. Der Angeklagte äußerte sich mit keinem Wort.

David Kerkmann und seine Lebensgefährtin Katharina Licht schilderten den Überfall eindringlich. Demnach klingelten zwei Täter am späten Abend an der Haustür. Kerkmann öffnete die Tür einen Spalt weit – und wurde dann mit der Tür von den eindringenden Männern ins Haus geschoben. Dort schlugen sie auf ihn ein, ein größerer, muskulöser Mann und ein etwas kleinerer, der eine Mütze mit eingeschnittenen Sehschlitzen getragen habe.

Als Katarina Licht im Obergeschoss zu schreien begann, stürmte der kleinere Täter, jetzt unmaskiert, nach oben, warf sie zu Boden und fixierte sie. Als sie ihn biss, würgte er sie. „Ich hatte Todesangst“, schilderte sie.

Ähnlich Kerkmann: „Ich hatte keine Ahnung, was sie von uns wollten. Ich dachte, die bringen uns um.“ Der kampfsporterfahrene Kerkmann setzte sich zur Wehr. „Du weißt warum“ soll ihm sein Gegner zugeraunt haben, bevor er seinen Komplizen zum „Rückzug“ aufgefordert habe.

Als die Täter das Haus verließen, alarmierte Licht die Polizei. Kerkmann verfolgte die Männer. Vor der Tür sei er von dem größeren Täter mit einem Messer bedroht worden. Der kleinere Mann habe seine Maskierung gelüftet, bevor sie dann nach weiterer Verfolgung durch Kerkmann in einem schnell startenden dunklen Audi eine von ihm aus Mülltonnen errichtete Straßensperre durchbrachen und davonrasten.

Später, so Kerkmann, sei ihm klar geworden, woher er das Gesicht des ursprünglich maskierten Täters, den er als den Angeklagten identifizierte, kannte: Es habe sich um einen Ex-Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin gehandelt, mit dem er sich bereits zu einem Gespräch getroffen hatte.

Dieser Hinweis brachte die Polizei auf die Spur des Angeklagten. Dessen Anwalt Volkmar Wissgott hatte jedoch erhebliche Zweifel, dass die Zeugen tatsächlich seinen Mandanten gesehen hatten. Er konfrontierte Kerkmann mit dessen eigener erster Aussage bei der Polizei, bei der er einem Täter einen anderen Namen zugeordnet hatte. Auch habe er den auffälligen Kinnbart des Angeklagten nicht beschrieben.

Licht erinnerte sich ebenfalls nicht an den Kinnbart – der jedoch, so der Anwalt in einem Beweisantrag, auf einem zwei Tage nach der Tat aufgenommenen Bild deutlich zu sehen sei. Pikant dabei: Aufgenommen habe das Foto die ehemalige Lebensgefährtin Kerkmanns. Mit der streitet der Überfallene seit Jahren um das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind.

Eine weitere Zeugin berichtete von der Bitte des Angeklagten, ihm ein falsches Alibi zu geben. Ihr gegenüber habe er eingeräumt, bei einer Aktion dabei gewesen zu sein, in der es darum ging, „jemandem einen Denkzettel zu verpassen“. Tatzeitpunkt sei der 5. November gewesen.

Der Staatsanwalt sah den Täter durch die Zeugenaussagen eindeutig überführt. Er forderte zehn Monate ohne Bewährung. Als Vertreter der Nebenklage erschien Rechtsanwalt Volkmar Mirsch die beantragte Strafe „mehr als gnädig“.

„Zeugen können irren“, machte hingegen Verteidiger Wissgott deutlich. Für ihn seien die Zweifel am Erkennen des Angeklagten durch die Zeugen geblieben. Und der Versuch seines Mandanten, sich ein falsches Alibi zu beschaffen, sei kein Eingeständnis einer Schuld – es könne auch der Versuch gewesen sein, sich gegen ungerechtfertigte Anschuldigungen zu schützen. Er beantragte Freispruch.

Richterin Anna Steffner sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Taten begangen hat. Die Aussagen der Zeugen seien glaubhaft.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der 27-Jährige kann Berufung oder Revision einlegen. Schmerzensgeld muss der Angeklagte an beide Opfer zahlen – insgesamt 5500 Euro.   jhr

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