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Abbruch am Durchbruch

Stadthagen / Bronzekunst Abbruch am Durchbruch

Seit 23 Jahren „bewacht“ ein geflügeltes Bronze-Gebilde, eingearbeitet in einen Sandsteinsockel, die Brücke an der westlichen Wallanlage nahe dem Modehaus Hagemeyer. Fast ebenso lange reckt die Figur allerdings nur noch einen Flügel in die Luft.

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Der „Durchbruck der Gene“ reckt seit zwei Jahrzehnten nur eine Schwinge in die Luft. 

Quelle: sk

Stadthagen. Die rechte und längere Schwinge war früh nach Aufstellung der Skulptur abhanden gekommen. In absehbarer Zeit soll nun der Flügel ersetzt werden.

Die Skulptur „Durchbruch der Gene“ hat der Bildhauer Wolf E. Schultz 1991 beim Internationalen Bildhauersymposium in Obernkirchen geschaffen – aus einer Empörung heraus. Der bildende Künstler, geboren 1940 in Swindemünde, ärgerte es, dass die Menschen über Genmanipulation in die Natur eingreifen. „Die Natur ist vollkommen“, sagte Schultz im Juli im Gespräch mit dieser Zeitung. Schultz hält Eingriffe in das Erbgut für eine „unglaubliche Dummheit.“

Seinen Ärger und seine Anschauung gab er vor zwei Jahrzehnten in seiner Skulptur Ausdruck. Bezeichnet man diese als Fehlbildung, wird dies den Künstler nicht beleidigen.

Das dargestellte Fantasie-Ergebnis einer Genmanipulation sackt in eine Masse ein, in der es keinen Halt findet. Ein Fuß steckt tief in der „Butter“, beschreibt Schultz, die andere Klaue liegt oben. Schief hängt das groteske Gebilde im Sandstein. Der „Durchbruch der Gene“ findet keinen Weg zur Entfaltung, versucht flügelschlagend, sich aus dem Block zu befreien. Aber die Schwingen sind viel zu schmal für den schweren schildkrötenartigen Panzer. So verbleibt das bedauernswerte Geschöpf zwischen Wollen und Werden – seit einigen Jahren zudem ohne seinen rechten Flügel.

Wer die Schwinge „amputiert“ hat, ist nicht bekannt. Ob etwa Metalldiebe am Werk waren, lässt sich laut Bauamtsleiter Gerd Hegemann nicht mehr sagen. Jedoch soll die Skulptur im Zuge der Sanierung der Wallanlagen wieder hergestellt werden. Dass das wohl erst in zwei oder drei Jahren der Fall sein wird, ist Bildhauer Wolf E. Schultz nicht so unrecht. Er ist derzeit durch ein gebrochenes Bein in seiner Arbeit eingeschränkt.

Schultz lebt und arbeit in Hude zwischen Oldenburg und Bremen. Von seinen 1000 Werken, die vielfach im öffentlichen Raum stehen, ziert die Stadthäger Skulptur „Durchbruch der Gene“ den Wikipedia-Eintrag über Schultz. Das Foto zeigt die Skulptur bereits ohne rechten Flügel. Bei der 1991 nach Stadthagen gelieferten Figur handelt es sich um eine überarbeitete Version der in Obernkirchen geschaffenen Skulptur.

Von Vera Skamira

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