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Stadthagen Stadt „Aber ich liebe ihn doch trotzdem“
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Aber ich liebe ihn doch trotzdem“
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00:17 27.11.2016
Seit Jahren steigen die Zahlen von häuslicher Gewalt im Landkreis. Quelle: dpa
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Landkreis

Mit dem internationalen Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“ wird am Freitag auf dieses Thema, von dem auch im Landkreis Schaumburg hunderte Frauen betroffen sind, aufmerksam gemacht.

Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) hat in diesem Jahr bereits 230 Frauen zur Seite gestanden, die Gewalt in der Beziehung erlebt haben. „Wir haben stetig steigende Zahlen“, weiß die zuständige Ansprechpartnerin Janina Schmidt. Die Sozialpädagogin geht davon aus, dass die Zahl von 245 Fällen aus dem vergangenen Jahr wieder übertroffen wird.

Die polizeibekannten Fälle liegen noch einmal um 10 bis 15 Prozent höher. Hier haben sich die Frauen allerdings geweigert, ihre Daten an die Beratungsstelle weitergeben zu lassen. In allen anderen häuslichen Auseinandersetzungen, zu denen die Beamten gerufen werden, bekommt Schmidt die Angaben übermittelt, um sich direkt und kurzfristig an die Frauen wenden zu können. Denn nur ein Bruchteil der Betroffenen komme selbst auf sie zu, sagt die 34-Jährige. Auch die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt ist immens.

Projekt „Worte helfen Frauen“

Noch schwieriger gestaltet sich dieser „proaktive Ansatz“ Schmidts aufgrund der Sprachbarriere bei Migrantinnen. Dabei steigen auch in diesen Fällen, in denen zugewanderte Frauen zu Opfern werden, die Zahlen – 53 waren es in diesem Jahr (ein Plus von neun im Vergleich zu 2015). „Sobald alle Flüchtlinge dezentral untergebracht sind, wird das noch zunehmen“, so die Einschätzung Schmidts. Um die Beratungsstellen zu unterstützen, hat das Land das Projekt „Worte helfen Frauen“ ins Leben gerufen. „Darüber wird schnell und unbürokratisch ein Dolmetscher bezahlt“, erklärt Schmidt, die das Angebot schon häufiger in Anspruch genommen habe.

„Mit den steigenden Zahl betroffener Frauen gehen auch immer mehr betroffene Kinder einher – mit 195 im laufenden Jahr sei ein Höchstwert erreicht (2015: 150). Für Frauen, die in ihrem Zuhause nicht bleiben wollen oder können, gibt es im Kreis das Frauenhaus in Stadthagen, das Platz für acht Frauen und ihre Kinder bietet. „Es ist aber komplett überlastet“, weiß Schmidt, die selbst früher im Frauenhaus gearbeitet hat. „Man kann sich gar nicht vorstellen, unter was die Frauen alles zu leiden haben“, so Schmidt.

Einen Sicherheitsplan erarbeiten

Zur häuslichen Gewalt gehören Beleidigungen, den Kontakt zu anderen Menschen zu verhindern, die Finanzen kontrollieren, körperliche Misshandlungen, den Zwang zum Geschlechtsverkehr sowie Stalking. Statt Druck aufzubauen, indem sie die Frauen auffordere, sich sofort zu trennen, „erarbeite ich mit ihnen einen Sicherheitsplan“. Dazu gehöre etwa, einen Haustürschlüssel zu verstecken, falls der Mann sie einsperre, aber auch Geld an die Seite zu legen oder Ressourcen auszuloten, wie die Frauen auf sich allein gestellt über die Runden kommen können.

Seit 2002 regelt das Gewaltschutzgesetz die zivilrechtlichen Schutzmaßnahmen der Betroffenen von häuslicher Gewalt und stärkt deren Rechte gegen den gewalttätigen Lebenspartner. Damals wurde im Landkreis auch die Koordinierungsgruppe „Häusliche Gewalt“ gegründet. Neben den Gleichstellungsbeauftragten, einem Vertreter des Amtsgerichts und der BISS ist dort auch die Polizei vertreten.

34 Platzverweise in 2015

„Im Rahmen einer Fortbildung haben wir uns auch mit dem Thema ,Tötung in Paarbeziehungen‘‚ auseinandergesetzt“, sagt Polizeisprecher Axel Bergmann. Doch wie man an dem tragischen Fall aus Hameln sehe, könne man einem Täter nie in den Kopf schauen. Die Kollegen haben mit der Gefährdungsansprache bei dem Bad Münderaner ihre gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Möglich ist auch eine sogenannte Wegweisung, damit die Frauen und ihre Kinder nicht die Wohnung verlassen müssen. Während 2015 von der Polizei im Landkreis Schaumburg 34 Platzverweise für Täter ausgesprochen worden waren, waren es in den ersten zehn Monaten dieses Jahres schon 37.

Bergmann kennt aus seiner alltäglichen Praxis jedoch die Problematik: Eine Strafverfolgung gestalte sich in vielen Fällen schwierig weil die Frauen entweder keinen Strafantrag stellen wollten oder von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machten. Die Begründung per se, sei dabei: „Aber ich liebe ihn doch trotzdem.“ col

Netzwerk ProBeweis

Eine zeitnahe Untersuchung zur Dokumentation von Verletzungen und zur Spurensicherung ist für ein späteres Strafverfahren von großer Bedeutung. Viele Frauen brauchen jedoch Zeit, um sich zu orientieren, weiß Janina Schmidt von der BISS. In den Untersuchungsstellen des Netzwerkes ProBeweis wird Betroffenen von körperlicher oder sexueller Gewalt daher eine vertrauliche, kostenfreie und gerichtsverwertbare Untersuchung durch speziell geschulte Ärzte angeboten.

Bisher müssen Betroffene aus dem Landkreis Schaumburg jedoch zur Medizinischen Hochschule nach Hannover fahren. Dies soll sich mit dem neuen Klinikum in Vehlen ändern. Es sei eine große Erleichterung, dass die Betroffenen nicht erst nach Hannover fahren müssten, so Schmidt: „Das ist eine große Bereicherung für den Landkreis.“ col

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