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„Absonderliche Wünsche“

Stadthagen / Schützenfest „Absonderliche Wünsche“

Die Teilnahme von Frauen am Stadthäger Schützenfest wäre ein historisches Ereignis. In der schwelenden Diskussion gibt es nun eine Wortmeldung von jemandem, der sich ganz gut mit Geschichte auskennt: Stadtarchivar Adolf Tatje.

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Stadtarchivar Adolf Tatje möchte, dass das Schützenfest (so wie auf dem Bild) in Männerhand bleibt.

Quelle: Archivbild

Von Jan-Christoph Prüfer

Stadthagen. Er geht mit Simone Mensching und der Stadthäger Gleichstellungsbeauftragten Günes Tezcan hart ins Gericht.
Toleranz, erklärt Tatje in einer Stellungnahme, bedeute auch, „Bewährtes zu akzeptieren und nicht zu erwarten, dass sich einige hundert Männer den absonderlichen Wünschen einer Frau unterordnen“.

Eine Öffnung der Rotts für Frauen, ist Tatje überzeugt, „wird viele Rottbrüder von der Teilnahme abhalten“. Mit ihrer Forderung nach einem Frauenrott sei Simone Mensching „über das Ziel hinausgeschossen“. Sie habe nicht bedacht, dass man „Traditionen, die sich in über 600 Jahren bewährt haben, nicht so einfach über Bord werfen kann“. Menschings Argumente überzeugen Tatje nicht. Thema Schmierweiber: „Hat Frau Mensching noch nicht bemerkt, dass gerade diese Frauen ein wichtiger Stützpfeiler zum Bestehen unseres Schützenfestes sind und diese ebenso viel Spaß haben wie die feiernden Rottbrüder?“

Da zu befürchten sei, dass es Mensching nicht allein gelinge, „unser Schützenfest gegen die Wand zu fahren“, habe sie kompetente Hilfe von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt erhalten. Das Wort „kompetent“ setzt Tatje in Anführungszeichen. Günes Tezcan habe „wohl noch nie ein Rottlokal von innen gesehen“. Rhetorisch fragt Tatje, ob Tezcan keine anderen Aufgaben habe, „als Stadthäger Traditionen in Frage zu stellen“. Die Gleichstellungsbeauftragte hatte zur Sache unter anderem die Möglichkeit von Schmiermännern ins Gespräch gebracht.

Nach diesen Worten kommt das nächste Opfer auf Tatjes Liste etwas unerwartet: Der Archivar watscht auch das Festkomitee ab. Mit dem „unsinningen Vorschlag“, die Rottbrüder über die Zulassung eines Frauenrotts abstimmen zu lassen, habe man den kleinen Finger gereicht. „Nun ist die ganze Hand dran mit der Forderung, alle Bürger zur Abstimmung aufzurufen.“ Tatje: „Naiver geht es nicht mehr.“ Dem Komitee prophezeit Tatje, dass „ein Teil seines Vertrauens auf der Strecke bleibt“.

Auf Fürstin Juliane zu verweisen, die das Schützenfest im ausgehenden 18. Jahrhundert wieder eingeführt hat, und daraus zu schließen, das Schützenfest sei einer Frau zu verdanken, hält Tatje für „absurd“. Stattdessen, so der Stadtarchivar, solle alles getan werden, dass es nicht in Zukunft heißt: „Wenn man so will, ist es einer Frau zu verdanken, dass es kein Schützenfest mehr in Stadthagen mehr gibt.“

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