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Acht Nationen – Ein Ziel

Schule Am Schlosspark Acht Nationen – Ein Ziel

Der Gong ertönt, die Unruhe in der Klasse verfliegt. Alle 15 Schüler stehen. „Guten Morgen“ schallt es durch den Raum. Deutschlehrerin Anja Wischhöfer erwidert den Gruß und sagt langsam und auf die Betonung achtend: „Ihr kennt das Spiel, wer ein Wort richtig buchstabiert, darf sich setzen.“ Der erste Begriff lautet Zwölf.

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Rojen, Diyar und Fatima (von links) helfen sich beim Erkennen von Personalformen gegenseitig.

Quelle: js

Stadthagen. Rojen macht auf sich aufmerksam und darf beginnen. Ein kurzes Zögern, dann beginnt sie: „Z, W“ – Pause – „O zwei Punkt“, Wischhöfer unterbricht: „Du meinst Ö.“ Rojen lächelt. „Genau! Z, W, Ö, L, F“, buchstabiert sie letztlich sicher. Wischhöfer nickt zufrieden und die Schülerin darf sich setzen. Derartige Spiele gehören zu den beliebtesten Lernmethoden der Sprachlernklasse der Schule am Schlosspark. Alle Schüler wollen sich beweisen und möglichst schnell Platz nehmen. Doch wer jetzt an Konkurrenzverhalten denkt, liegt falsch. Nicht nur beim Buchstabieren helfen sich die Schüler gegenseitig – mal mehr, mal weniger toleriert von Wischhöfer – auch bei der folgenden Aufgabe, dem Erkennen von Personalformen von Verben, stehen die Kommunikation untereinander und gegenseitiges Helfen im Fokus.

Das ist bei der gebotenen Sprachvielfalt keine Selbstverständlichkeit. Die 15 Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahren kommen aus acht verschiedenen Nationen, unter anderem Polen, Griechenland, Thailand, Syrien und China. Wischhöfer, die erst kürzlich als Elternlotse für ihre Arbeit außerhalb des Klassenzimmers durch die niedersächsische Bildungsministerin gewürdigt wurde, achtet genau darauf, dass ausschließlich Deutsch gesprochen wird, unabhängig vom Kenntnisstand der Schüler. Denn das Sprachniveau innerhalb der Klasse ist unterschiedlich. „Gerade deswegen ist es wichtig, dass die Schüler sich gegenseitig in entspannter Atmosphäre helfen.“

Vor der Einführung der Sprachlernklasse im vergangenen Jahr war das nicht gegeben. „Schüler mit Migrationshintergrund wurden täglich für fünf Stunden aus dem Regelunterricht genommen und danach wieder in ihre Klassen geschickt“, erklärt die Deutschlehrerin. Mit der Sprachlernklasse sei eine eigene Klassengemeinschaft entstanden, die das gegenseitige Lernen fördere – mit dem Fokus darauf, möglichst schnell Deutsch zu lernen.

„Ziel ist es, dass die Kinder innerhalb eines oder zweier Jahre auf einem Niveau deutsch sprechen können, dass sie am Regelunterricht teilnehmen können“, erklärt Wischhöfer. In unregelmäßigen Abständen berät sich die Klassenlehrerin mit ihrem Team, der pädagogischen Hilfskraft Olga Graf, der Förderlehrerin Marike Wittig und den Kollegen der anderen Sprachlernklasse, die sich um ältere Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund kümmert, über die Entwicklungen der einzelnen Schüler. Sie entscheiden gemeinsam, wann ein Schüler die Sprachlernklasse verlässt.

Damit die Jungen und Mädchen dann nicht völlig unbefleckt in die Regelklasse kommen, gibt es schon in der Sprachlernklasse einen festen Stundenplan mit Englisch, Geografie und Mathe. „Natürlich auf einem angepassten Niveau“, erklärt Wischhöfer. Um den Einstieg zu erleichtern, bekommen Sprachlernschüler im ersten Jahr Regelunterricht keine Noten.

Genauso wenig wie während ihrer Zeit in der Sprachlernklasse. Dort werden ausschließlich gute Noten verteilt – aus Motivationsgründen. „Das ist für jedes Kind ein Erfolgserlebnis“, führt Wischhöfer aus. Und wenn es mal nicht so gut lief, muntert sie die Schüler mit einem „Beim nächsten Mal schaffst Du es!“ wieder auf. js

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