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Aleviten treten in den Hungerstreik

Protest gegen „staatsgelenkten Terror“ in Türkei Aleviten treten in den Hungerstreik

Der Vorstand der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) hat die rund 150 Stadthäger Mitglieder aufgerufen, in den Hungerstreik zu treten. Damit sollen die Anhänger der islamischen Glaubensrichtung gegen die Politik der türkischen Regierung protestieren.

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Stadthagen (ber). „In der Türkei sterben viele Menschen – auch Kinder – und Ministerpräsident Erdogan tut nichts dagegen“, kritisiert Gönul Kurc, Vorstandsmitglied der AAFB-Landesvertretung Nord, der unter anderem die Gemeinden Stadthagen, Hannover, Hamburg, Berlin und Bremen angehören. „Deshalb haben wir die Stadthäger Gemeinde dazu aufgerufen, von Freitag bis Sonntag in den Hungerstreik zu treten.“ Dabei sei es den Mitgliedern freigestellt, ob sie sich im Kulturzentrum an der Hermienstraße treffen oder zu Hause bleiben.
Der Aktion hätten sich bereits zahlreiche alevitische Gemeinden in Deutschland angeschlossen. Ziel sei es, den Druck auf die türkische Regierung zu erhöhen. „Außerdem wollen wir die deutsche Regierung dazu auffordern, mehr Einfluss auf Erdogan auszuüben“, erklärt Kurc. Aus seiner Sicht unternimmt der Staatschef zu wenig, um den Konflikt zwischen Türkei, Kurden und dem sogenannten Islamischen Staat im syrischen Grenzgebiet zu befrieden.
Noch deutlicher wird der AABF auf seiner Internetseite. Dort heißt es: „Unter dem Denkmantel der staatlichen Terrorbekämpfung durchlebt die kurdische Bevölkerung in der Türkei einen staatsgelenkten Terror.“ Mit einer beängstigenden Geschwindigkeit nehme der politische Islamismus den Lebensraum der Menschen in der Türkei ein. USA und EU seien aufgefordert, „der Kollektivhaftung der kurdischen Zivilbevölkerung schnellstmöglich ein Ende zu setzen“.
Die Aufforderung zum Hungerstreik stößt laut Kurc in der alevitischen Gemeinde Stadthagen auf Zustimmung. „Die Mitglieder sind zufrieden, dass wir etwas unternehmen. Wir Aleviten haben uns immer für Menschenrechte eingesetzt. Ich ärgere mich, dass wir nicht schon früher zu solchen Maßnahmen gegriffen haben.“

500 000 Mitglieder in Deutschland

Aleviten sind Mitglieder einer vorwiegend in der Türkei beheimateten islamischen Glaubensrichtung. Die Mehrheit der für Sunniten und Schiiten geltenden Verbote und Gebote aus dem Koran werden von ihnen nicht befolgt. Nach den seit 1924 gültigen Verfassungen der Türkei sind Sunniten und Aleviten gleichberechtigt. Allerdings geraten sie seit der Jahrtausendwende unter Druck der sunnitischen Mehrheitsgesellschaft. Die EU-Kommission hat die zunehmende Diskriminierung der rund 12,5 Millionen in der Türkei lebenden Aleviten im Rahmen der Beitrittsverhandlungen mehrfach kritisiert. Ein Beitritt der Türkei zur EU ohne Anerkennung der Aleviten als konfessionelle Minderheit ist aufgrund der alle EU-Staaten verpflichtenden Religionsfreiheit daher undenkbar. In Deutschland leben rund 500 000 Aleviten, die zu 95 Prozent aus der Türkei stammen. Mit einem Anteil von 13 Prozent stellen die Aleviten nach den Sunniten die zweitgrößte Gruppe der in Deutschland lebenden Muslime. Größte alevitische Dachorganisation ist die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) mit Hauptsitz in Köln, der bundesweit 125 lokale Vereine angehören, darunter auch die Gemeinde Stadthagen.

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