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Alkoholiker muss in Entziehungsanstalt

Verlobte schwer verletzt Alkoholiker muss in Entziehungsanstalt

Im Alkoholrausch hat ein 35-jähriger Stadthäger seiner Verlobten einen Schraubenzieher in den Hals gerammt. In zweiter Instanz hat eine Berufungskammer am Bückeburger Landgericht jetzt die Unterbringung des Alkoholikers in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

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Stadthagen/Bückeburg. Monatelang kommt ein Stadthäger ohne Alkohol aus. Dann stürzt er einen Schnaps hinunter und kann nicht mehr aufhören. „Wenn ich anfange, kann es passieren, dass ich mehrere Tage trinke“, erzählt der 35-Jährige.

Der Volksmund spricht in solchen Fällen von Quartalssäufern, Sachverständige von Epsilon-Trinkern. Bei dem Stadthäger kommt hinzu, dass er in diesem Zustand zu Gewaltausbrüchen neigt.

Nur durch Zufall hat seine Verlobte (44) einen solchen Ausraster überlebt. Im Januar 2013 hatte der Mann ihr im Streit auf dem Balkon einen Schraubenzieher in den Hals gerammt. Vorausgegangen war der Bluttat ein gemeinsames Zechgelage. Die Klinge drang zwischen Kehlkopf und Schlagader zwei Zentimeter tief ein. Mit dem Rettungshubschrauber wurde die Frau in die Medizinische Hochschule Hannover geflogen, von wo sie sich nach zwei Tagen selbst entließ.

In zweiter Instanz hat eine Berufungskammer am Bückeburger Landgericht jetzt die Unterbringung des Alkoholikers in einer Entziehungsanstalt angeordnet. „Sie haben die Chance, Ihre Erkrankung so in den Griff zu bekommen, dass Sie für andere Menschen keine Gefahr mehr sind“, sprach die Vorsitzende Richterin Eike Höcker den 35-Jährigen direkt an.

Zugleich verhängte die Kammer eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung, die der Langzeitarbeitslose nach abgeschlossener Therapie aber wahrscheinlich nicht mehr antreten muss, weil er auf Bewährung entlassen werden könnte. Die Unterbringung ist auf maximal zwei Jahre begrenzt.

Mit der Entscheidung, diese Maßregel anzuordnen, folgte das Gericht dem Antrag von Verteidiger Reiner Wötzel. „Sonst“, so Wötzel, „liegt irgendwann mal einer tot auf dem Teppich.“ Auch die Frau soll im Streit schon handgreiflich geworden sein.

Zur Tatzeit am Nachmittag hatte der Stadthäger 3,27 Promille Alkohol im Blut. „Das ist schon ganz ordentlich“, meint ein Psychiater, den die Justiz als Gutachter hinzugezogen hat. „Jemand ohne Alkohol-Gewöhnung schafft das nicht“, fügt der Sachverständige hinzu. Die Frau kam auf mehr als zwei Promille.

Auf das Konto des Angeklagten gehen diverse Vorstrafen ähnlicher Art, darunter zwei Haftaufenthalte. Sein Verhalten hat der Stadthäger danach nicht geändert. „Weil er krank ist, konnte er das auch nicht“, erklärt Richterin Eike Höcker. Dem Gutachten zufolge leidet der 35-Jährige an „schwerer phasenweiser Abhängigkeit“, einzuordnen als „Hang, Alkohol im Übermaß zu sich zu nehmen“.

In einem vorausgegangenen Prozess hatte das Amtsgericht in Stadthagen ebenfalls zweieinhalb Jahre Haft verhängt, von einer Unterbringung in der Entziehungsanstalt aber abgesehen. Zu Beginn des Verfahrens war der Angeklagte nicht bereit, sich begutachten zu lassen. Die Frau hatte anfangs behauptet, sich die Verletzung im Gerangel auf dem Balkon selbst beigebracht zu haben. Davon ist heute keine Rede mehr. ly

Erneut straffällig geworden

Er kann’s nicht lassen: Während die Berufungskammer das Urteil gesprochen hat und der 35-jährige Stadthäger so langsam geläutert sein sollte, hat er aktuell wieder zwei Straftaten mehr auf sein Konto bekommen. Wie die Polizei mitteilt, lebt das Paar mittlerweile getrennt. Obwohl ein Richter angeordnet hat, dass der Mann sich seiner Ex-Freundin nicht nähern darf, hat dieser gleich zweimal dagegen verstoßen. Montagabend und Dienstagabend suchte der Stadthäger seine Ex-Freundin auf. Die Polizei ermittelt also erneut gegen ihn. vin

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