Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Alte Polizei Stadthagen: Klaus Strempel geht in Ruhestand
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Alte Polizei Stadthagen: Klaus Strempel geht in Ruhestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 29.10.2018
Klaus Strempel ist am liebsten im Café der Alten Polizei. Auch in Zukunft werde er gerne auf einen Kaffee wiederkommen. Quelle: col
Stadthagen

Denn er wisse, dass er ein gutes Team mit einem aktiven Vorstand hinterlasse, sodass das Haus seiner aktiven Rolle in der Stadthäger Kulturszene gerecht werde. Und als „freischaffender Kulturakteur“ werde er der Alten Polizei erhalten bleiben.

Strempel ist froh, dass die Einrichtung durch die Förderung der Stiftung Niedersachsen die Möglichkeit hatte, seinem Nachfolger Feliks Oldewage eine dreimonatige Einarbeitungszeit zu ermöglichen: „Das ist Luxus.“ Der 36-Jährige werde sicherlich mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten viele neue Impulse setzen, gerade im musikalischen Bereich. „Dieser Generationswechsel ist wichtig.“

Der gebürtige Ostwestfale Strempel hat in Hannover und Berlin Geschichte, Politik und Germanistik auf Lehramt studiert. Pünktlich zu seinem Abschluss 1981 habe es einen bundesweiten Einstellungsstopp für Lehrer gegeben, sodass er sich wie viele Kommilitonen habe umorientieren müssen. „Wenn nicht Lehrer, was dann?“ Er habe dann noch ein Diplom in Jugend- und Erwachsenenbildung in Hannover gemacht und war Trainee im Kulturmanagement. Nur ein Jahr habe er als Lehrer gearbeitet, bei einem freien Träger für nachholenden Schulabschluss in Berlin. Lange habe er auch im Bereich Filmpädagogik Kurse gegeben.

Interkulturelle Akzente gesetzt

Fünf Jahre hat der Pädagoge und Kulturmanager dann im Kulturzentrum Pavillon in Hannover gearbeitet. Von dort habe er sich 2002 in der Alten Polizei beworben. „Damals hatte der Vorstand die Entscheidung getroffen, erstmals eine Geschäftsleitung einzusetzen.“ Die Entscheidung sei ihm damals nicht sonderlich schwergefallen: „Zwar ist die Stadt kleiner, aber das Angebot vielfältiger.“ So nutzten in der Alten Polizei rund 90 Gruppen die Räume regelmäßig, im Pavillon seien es vielleicht sechs. Dort habe er zu seiner Zeit Programme für gesellschaftlich-politische Bildung gemacht und interkulturelle Akzente gesetzt. „Das habe ich dann auch hier weitergeführt.“ Wichtig sei ihm auch die stärkere Vernetzung mit den Bürgern gewesen.

Sechs Jahre ist der Geschäftsführer von Hannover nach Stadthagen gependelt. „Das war natürlich angesichts der vielen Abendveranstaltungen nicht so praktisch, weil der letzte Zug zurück noch vor Mitternacht fährt“, lacht Strempel. Viel schöner sei es die vergangenen zehn Jahre gewesen, in denen er mit dem Fahrrad zur Arbeit habe fahren können.

Rückblickend fallen dem Kulturmanager zahlreiche Projekte ein, die seine Zeit in der Alten Polizei geprägt haben: die Etablierung der Interkulturellen Woche, das Anti-Atom-Bündnis, das Mehrgenerationenhaus, das vor Kurzem wie berichtet sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat, sowie die Flüchtlingsinitiative, mit der die Willkommenskultur in Stadthagen etabliert werden soll. „Das ist für dieses Haus ein wichtiger Punkt.“ Gemeinsam mit der Stadt sei dann auch der Empfang der Neuzugezogenen etabliert worden. Am Ende sei man aber noch lange nicht: „Die Stadtentwicklung hat uns in den letzten zwei Jahren stark bewegt. Kultur solle ein Schwerpunkt sein, hat aber noch keine starke Lobby.

Keine Langeweile im Ruhestand

Ein wichtiger Teil von Strempels Arbeit war die Bauplanung für das Gebäude an der Obernstraße. „Seit 1999 haben wir immer gebaut und uns weiterentwickelt.“ Insgesamt eine Million Euro seien dafür an Fördermitteln eingeholt worden. Damit sei nicht nur der Wert der Immobilie, die die Stadt dem Trägerverein mietfrei zur Verfügung stellt, erhöht worden, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet worden. „Wir fühlen uns verpflichtet, energetisch zu sanieren. Deswegen haben wir alte Fenster ausgetauscht, eine moderne Heizungstechnik installiert und die Fassade saniert.“

Während der Baumaßnahmen seien die Räume mit Durchbrüchen, beispielsweise im Eingangsbereich sowie im Jugendraum, luftiger gestaltet worden. „Und der meistfrequentierteste Raum, der Saal, ist ein richtiges Prunkstück geworden.“ Strempel gibt aber lächelnd zu, nicht all seine „Visionen“ umgesetzt zu haben: „Ich hätte gerne mit Nachbarn ein Blockheizkraftwerk umgesetzt oder Solartechnik an der Südfront, um ein Elektroauto zu finanzieren.“

Die Hände in den Schoß legen wird der 65-Jährige allerdings nicht: Aktuell arbeitet er schon wieder an der „Buchlust“, einer Bücherbörse mit unabhängigen, kleinen Verlagen, die am 17. und 18. November im Künstlerhaus in Hannover stattfindet. Außerdem werde er weiter im Arbeitskreis Leben mit Demenz angehören., „und auch bei anderen spannenden Themen in der Stadt bin ich gerne dabei“.

Von Mira Colic