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"Altersarmut spüren wir sehr"

Tafel "Altersarmut spüren wir sehr"

Die Nutzerzahl der DRK-Tafel ist im Vergleich zum vergangenen Jahr zwar leicht von etwa 1300 auf 1200 gesunken. Von einer Entspannung könne jedoch nicht die Rede sein, meint Heidi Niemeyer, Koordinatorin der DRK-Tafeln. Immer noch benötigen 1200 Menschen in Stadthagen die Unterstützung der Tafel.

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Georgis Angelis, Leonard Thier und Rolf Sohnemann (von links) laden den Lieferwagen der Tafel aus.

Quelle: jemi

Stadthagen. Das Mobiltelefon von Heidi Niemeyer steht tagsüber kaum still. Die Koordinatorin für die DRK-Tafeln in Schaumburg hat alle Hände voll zu tun. Immer wieder kommen Anfragen und Hilferufe der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen: An dem einen Standort fehlt Obst, an einem anderen wird das Brot knapp. „Wir sind an vielen Tagen in der Woche wirklich an der Belastungsgrenze“, sagt Niemeyer. Die Tafeln seien für viele Menschen in Stadthagen und Umgebung nicht mehr wegzudenken. „Sie werden einfach immer wichtiger.“

Nachdem die Nutzerzahl im vergangenen Jahr in Stadthagen deutlich auf 1300 gestiegen war, ist der Bedarf auch 2017 hoch: 1200 Menschen sind auf eine Unterstützung durch die Tafel angewiesen. Damit ist der Bedarf auf einem ähnlich hohen Niveau geblieben. Insgesamt 750 Erwachsene und 450 Kinder kommen laut Niemeyer zur Tafel an die Gubener Straße. Auch wenn die aktuellen Zahlen zumindest eine kleine Entspannung suggerieren, glaubt die DRK-Mitarbeiterin nicht an ruhigere Zeiten. Der Hauptgrund für die hohen Bedarfszahlen sind die zahlreichen Asylsuchenden in Stadthagen.

Auch wenn sich der Zustrom in den vergangenen Monaten gelegt hatte, geht Niemeyer davon aus, dass im kommenden Jahr der Familiennachzug zu spüren sein wird. Dadurch werde es auch in den Schaumburger DRK-Tafeln wieder mehr Kunden geben, ist sich Niemeyer sicher. „Da warten neue Aufgaben auf uns.“

Die DRK-Koordinatorin schätzt, dass gut die Hälfte der Tafelkunden Flüchtlinge sind. Stadthagen sei aber in Schaumburg auch der absolute Schwerpunkt in Bezug auf Asylbewerber, da die meisten von ihnen in der Kreisstadt wohnen.

Aber nicht nur Flüchtlinge sind in Stadthagen von Armut bedroht. Auch viele alte Menschen sind auf die Tafel angewiesen. „Die Altersarmut spüren wir sehr“, bedauert Niemeyer. Es gebe so viele Frauen und Männer, die mit ihrer kleinen Rente nicht zurechtkommen. Menschen, die eigentlich immer mitten im Leben standen, genug Geld zur Verfügung hatten. Ihnen sei die Scham meistens besonders im Gesicht anzusehen. „Es kann so schnell gehen, dass man hier sitzt“, so Niemeyer.

Logistik hält Niemyer auf Trab

Um die älteren Menschen vor langen Wartezeiten zu schützen, hat die DRK-Tafel in Stadthagen im August einen Rentnertag eingeführt. Auch Kranke und alleinerziehende Mütter oder Väter können diesen Tag nutzen. Es habe jedoch trotz der Aushänge einige Zeit gedauert, bis sich das Konzept durchgesetzt habe, jetzt funktioniere es gut.

Niemeyer hält vor allem die Logistik auf Trab. Das DRK habe schließlich vier Standorte zu versorgen: Stadthagen, Obernkirchen, Rinteln und Bad Nenndorf. Die Beschaffung der Lebensmittel sei dadurch nicht einfacher, zumal die Discounter weniger Ware als noch im vergangenen Jahr zur Verfügung stellen. Die Lebensmittel seien weniger geworden, die Bedürftigkeit aber nicht – im Gegenteil. „Die Kunden haben damals von dem Überfluss profitiert.“ Natürlich seien manche von ihnen manchmal missmutig. Aber Niemeyer betont, dass die Tafel keine Grundversorgung leisten könne, sondern nur ein Zubrot darstelle. Kontakt:

Ein intensiver Arbeitsfaktor für das Team der Tafel ist auch das Aussortieren von Lebensmitteln. An manchen Tagen seien die Transporter zwar voll beladen – bis zu eine Tonne passe hinein – aber viel müsse auf den Müll. Das sei für alle Beteiligten frustrierend. Niemeyer ist froh, dass sie auf alle Mitarbeiter zählen könne und auch die in den Ortsvereinen des DRK. „Ohne diese Menschen würde das ganze System nicht funktionieren“, lobt sie. Auch die Zusammenarbeit mit Tafeln aus der Umgebung, wie die in Wunstorf, seien erfreulich. Jetzt in der Weihnachtszeit hofft die Koordinatorin auf weitere Zuwendungen. „Im vergangenen Jahr hatten wir keinen Weihnachtsmann zu Weihnachten. Das war schade, schließlich wünscht man sich, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“Heidi Niemeyer freut sich über weitere Ehrenamtliche für die Essensausgabe oder alternativ auch für die Transporte der Tafel. Wer helfen möchte, meldet sich bei ihr unter der Telefonnummer (05724) 97260-21. jemi

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