Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Am Leben verzweifeln nicht nur seelisch Kranke

Vortrag im Marie-Anna-Stift Am Leben verzweifeln nicht nur seelisch Kranke

Stühle mussten nachgestellt werden: Der Vortrag von Professor Michael Eink im Marie-Anna-Stift über den Umgang mit suizidgefährdeten Personen interessierte 120 Zuhörer – 20-Jährige wie 80-Jährige, beruflich mit dem Thema befasste Betreuer, Therapeuten, Ärzte wie auch Privatpersonen.

Voriger Artikel
Reparaturen an der Nordost-Tangente
Nächster Artikel
Haus von 84-Jähriger durchwühlt
Quelle: pr.

Von Vera Skamira

Stadthagen. Eingeladen hatte der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises Schaumburg in der Reihe „Psychiatrie im Gespräch“. Eink hat vor seiner Lehrtätigkeit viele Jahre in psychiatrischen Einrichtungen gearbeitet und hat so nach eigener Aussage viel Erfahrung mit Menschen mit schweren seelischen Störungen. Aber längst nicht nur diese trügen sich bisweilen mit den Gedanken an eine Selbsttötung. Zwar sei Suizid bei Menschen mit seelischen Störungen, allen voran Depressionen, häufiger. Jedoch, so Eink: „Man muss nicht krank sein, um sich selbst zu töten.“ Verzweifelte Situationen oder eine „subjektive komplette Bankrotterklärung“ des eigenen Lebens beträfen zuweilen auch „Gesunde“.

Zumeist sei „das Drama eines Menschen komplex.“ Eink empfahl in jedem Fall, Menschen, die sich in irgendeiner Form mit einem Selbsttötungsgedanken offenbaren, nicht mit Aussagen zu konfrontieren, die den Betroffenen schlicht nicht erreichen: „Sie haben doch noch das ganze Leben vor sich.“ – „Nach Regen kommt Sonnenschein.“ – „Reiß Dich doch zusammen!“ Vielmehr müsse man sich in den Menschen hineinzudenken, ihn mit Worten da abholen, wo er steht, ihn „bescheiden und niedrigschwellig“ Richtung Leben locken. Eink zitierte dazu aus dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“: „Komm mit, sagte der Hahn, etwas besseres als den Tod können wir überall finden.“

Interessant fand der Referent eine Umfrage von Studenten in Hannover am Kröpcke. Demnach habe jeder Zweite bereits einmal über Selbsttötung nachgedacht. Auf die Frage, was diese denn am Suizid gehindert hätte, hörten die Frager oft: „Familie und Freunde“. Eink unterstrich: „Soziale Bindungen halten im Leben.“

Der Diplompädagoge zeigte außerdem auf, woran man eine ernsthafte Suizidgefährdung erkennt. Entgegen der Binsenweisheit „Hunde die bellen beißen nicht“, gelte: Die meisten Betroffenen reden darüber – und sei es in Andeutungen. Eink empfahl, in diesem Fall dringend nachzufragen: „Wie meinst Du das denn?“ Niemand müsse Angst haben, damit etwas falsch zu machen: „Kein Mensch tötet sich, weil jemand nachfragt.“

Wer selbst in einer schwierigen Gemütslage oder in einer problematischen Situation steckt oder sich jemanden gegenüber sieht, der Hilfe braucht, kann sich unter anderem an den Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises wenden. Dieser ist in Stadthagen unter der Telefonnummer (05721) 9748-0 zu erreichen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg