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Angeklagter stand dem „Paten“ nahe

Stadthagen / Prozess Angeklagter stand dem „Paten“ nahe

Ein mutmaßlicher Unterhändler des „Paten von Obernkirchen“ hat vor dem Amtsgericht Stadthagen gestanden. Für eine Verurteilung reichte es nicht, Richter Kai Oliver Stumpe beraumte eine weitere Sitzung mit Anhörung dreier zusätzlicher Zeugen für den 25. November an. Auch der „Pate“ selbst sagte aus – in Handschellen von Vollzugsbeamten in den Saal geführt. Einem Kronzeugen ließ die Anwesenheit des ehemaligen „Geschäftspartners“ den Schrecken in die Glieder fahren.

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Quelle: pr.

Von Jan-Christoph Prüfer

Stadthagen. Nachdem der Drogendealer, der derzeit sechs Jahre Haft absitzt, den Saal wieder verlassen hatte, sollte der 23-jährige Mann aussagen, der den „Paten“ in den Knast gebracht hatte. Er wurde ausgerufen – und ließ auf sich warten. Richter Stumpe griff zum Telefon. Dann bat er Anwalt und Staatsanwalt um einen Moment Geduld. Der Zeuge wolle „aus nachvollziehbaren Gründen“ nicht dem Komplizen von einst begegnen. Auch die beiden Begleiter des „Whistleblowers“ zeugten wohl von der Furcht, die der breitschultrige „Pate“ trotz Inhaftierung noch zu verbreiten vermag.

Im aktuellen „Paten“-Nachspiel ging es um einen 31-jährigen Fahrzeuglackierer aus Stadthagen. Der Kronzeuge hatte ihn mit einer Aussage, die er in der JA Hameln gegenüber der Bückeburger Polizei gemacht hatte, schwer belastet. Einmal im Monat soll der Beschuldigte 50 Gramm Marihuana für 350 Euro gekauft und dann gewinnbringend weiterverkauft haben.
Dem „Paten“ selbst, der seine Geschäfte vom Gefängnis aus weitergeführt hatte, kam das nicht bekannt vor. Sein einstiger Partner habe „alles Mögliche“ erzählt, wohl aus Angst vor der Haft. Der 23-Jährige hatte mit seinen Aussagen ein ganzes Netzwerk auffliegen lassen und war mit zwei Jahren auf Bewährung davongekommen. Sein Motiv, wie er es vor Richter Stumpe noch einmal zum Besten gab: „All die Leute, die da so viel Kohle mit gemacht haben, und wenn du einsitzt, schicken sie dir nicht mal Geld für ein Päckchen Tabak.“

In die Verhörzange nahm Anwalt Volkmar Wissgott den Zeugen. So lange, bis der sich nur noch an eine konkrete Übergabe von Marihuana an den angeklagten Stadthäger erinnern mochte. Eigentlich sei der ja dafür dagewesen, auf einen weiteren Unterhändler aufzupassen, der sich als unzuverlässig erwiesen habe. Der „Pate“ und der Stadthäger hätten sich „mentalitätsmäßig“ nahe gestanden. Wahrscheinlich, weil beide „russischstämmig“ seien, mutmaßte der Kronzeuge.
Für eine Verurteilung sah Anwalt Wissgott „keinerlei Grundlage“. Zu sehr wichen die vor dem Amtsgericht gemachten Aussagen von denen ab, die der 23-Jährige zuvor mit Bezug auf seinen Mandanten gemacht habe. Drei weitere Zeugen will das Gericht deshalb Ende November anhören: Einen Stadthäger Polizisten, der den Kronzeugen ebenfalls verhört hatte und an diesem Verhandlungstag aus Krankheitsgründen verhindert war, sowie zwei weitere Mitglieder des Drogennetzwerkes – darunter der Unterhändler, den der Stadthäger angeblich im Auge behalten sollte.

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