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Stadthagen Stadt Angreifer setzt Apfel ein
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Angreifer setzt Apfel ein
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00:25 01.03.2018
Quelle: dpa
STADTHAGEN

Vor dem Stadthäger Amtsgericht hatte die Sache am Freitag ein vierstündiges Nachspiel: Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte Richter Matthias Brügger drei Männer, einen Vater (52) und seine beiden Söhne, zu Freiheitsstrafen von jeweils sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Hinzu kommen Geldbußen von 200, 350 und 500 Euro. Rechtsanwalt Alexander Berndt, der das Opfer vertritt, warf den Angeklagten Selbstjustiz vor. „Es ging um pure Rache“, stellte er fest. Mehrfach seien zuvor Strafanzeigen eingestellt worden.

Alle drei Verurteilten gehören zur selben Familie. Dazu zählt auch eine Tochter, die früher mit dem Mann liiert war, der jetzt Prügel bezogen hat. Beide haben ein Kind zusammen. „Seit Jahren“, so Richter Brügger, „gab es einen Konflikt, der sich um die Frau drehte.“ Am Nachmittag des 13. November 2016 soll der Ex der Frau deren Vater mit einer Schusswaffe bedroht haben. Dies behauptete jedenfalls der Vater. ,,Er hat die Geschichte mit der Pistole erfunden‘‘, glaubt dagegen Rechtsanwalt Berndt. Als Polizisten daraufhin das Auto des jüngeren Mannes durchsuchten, fanden sie nämlich kein Schießeisen. Ein entsprechendes Strafverfahren wurde eingestellt.

Fest steht, dass der Vater und seine beiden Söhne später zum Wohnsitz des 27-Jährigen fuhren, den die Männer unter anderem als „Hundesohn“ beschimpften. „Ich bin sauer, weil er meine Schwester geschlagen hat“, behauptete einer der Brüder. Der Stadthäger kam vor die Haustür, ein Wort ergab das andere. Dann flog der Apfel.

An Schläfe getroffen

Das Opfer wurde an der Schläfe getroffen, war vermutlich benommen, wurde zu Boden gebracht und getreten. In den Streit griff schließlich auch die Mutter des 27-Jährigen ein. „Ich habe dem alten Mann eine Ohrfeige gegeben. Das gebe ich auch zu“, erklärte die Frau als Zeugin, ohne dass Richter Brügger danach gefragt hätte. Der Vater sei schuld, dass dessen Tochter und ihr Sohn nicht zusammen seien. „Alter Mann“? Dies hörte das Oberhaupt der anderen Familie gar nicht gern.

„Wir sind sauber“, versicherte er, während einer seiner Söhne einräumte, „kein Kind von Traurigkeit“ zu sein. Die drei Männer bestreiten jedoch, den 27-Jährigen geschlagen und getreten zu haben. Dieser soll zu Boden gegangen sein, nachdem der ältere Mann an ihm gezogen habe. Er sei „der größte Schauspieler von ganz Schaumburg“, erklärte einer der Brüder.

Den Wurf gab ein Angeklagter zu – allerdings mit einem weichen Softball, nicht mit einem Apfel. „Da sind mir die Gäule durchgegangen“, räumte er ein. Getroffen hat den Stadthäger nach Überzeugung des Gerichts ohnehin ein Apfel. Richter Brügger stuft diesen übrigens als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne des Gesetzes ein. ly