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Stadthagen Stadt Anklage gegen Trittbrettfahrer erhoben
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Anklage gegen Trittbrettfahrer erhoben
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17:10 26.10.2018
Stadthagen

Das Duo hatte Anfang März versucht, die Familie des Mordopfers Fadi S. aus Stadthagen zu erpressen, während diese öffentlich nach dem Familienvater gesucht hatte.

Der Tatvorwurf lautet nach Angaben von Staatsanwalt Christopher York auf versuchte räuberische Erpressung – ein Verbrechen. Das Strafmaß reicht im Falle einer Verurteilung von einem bis zu 15 Jahren Haft. Wann der Prozess eröffnet wird, ist noch unklar. Verhandelt wird vor dem Herforder Schöffengericht.

Wie berichtet, steht die Tat im Zusammenhang mit dem spektakulären Dreifachmord von Hille. Es ist quasi ein Handlungsstrang neben den Morden, für die sich derzeit Jörg W. und sein Ziehsohn Kevin R. vor dem Landgericht in Bielefeld verantworten müssen (wir berichteten).

Die 23-Jährigen hatten am 5. März den Vermisstenaufruf der Stadthäger Familie bei Facebook entdeckt und kurzerhand beschlossen, den verzweifelten Appell an die Öffentlichkeit zu ihren Gunsten zu nutzen. Quasi als Trittbrettfahrer wollten sie die Familie, die wie die beiden Angeklagten ebenfalls aus dem Libanon stammt, um 45000 Euro erpressen. Die jungen Männer riefen die angegebene Handynummer an und täuschten vor, den Aufenthalt von Fadi S. zu kennen. Der Stadthäger habe Schulden und sie seien lediglich die Mittelsmänner. Es kam zu einem Treffen im Werre-Park in Bad Oeynhausen.

Zeitweise stand das Duo unter Polizeischutz

Als die Familie ein Lebenszeichen ihres Angehörigen einforderten, brach der Kontakt ab. Daraufhin übte die Familie voller Verzweiflung Druck auf die beiden 23-Jährigen aus. Schließlich stellten sich die vorbestraften Bad Oeynhausener bei der Polizei in Minden und zeigten sich geständig.

Die Situation nach dem Vorfall war tagelang äußerst angespannt. Zeitweise stand das Duo unter Polizeischutz, da Verwandte des Familienvaters Rache angekündigt hatten. Daraufhin tauchten die Männer in den Libanon ab. In der Zwischenzeit sind sie wieder in Deutschland. Zum Aufenthaltsort macht York freilich keine Angaben. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass sie sich dem Prozess entziehen wollen.

Von Verena Gehring