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Anwalts Albtraum

Landgericht Bückeburg Anwalts Albtraum

Staatsanwalt, Verteidigerin, Gutachter, drei Richter – alle sind da. Wer nicht erscheint, ist der Angeklagte. Dabei geht es um seine Freiheit. Als sich nach einer Viertelstunde noch immer nichts getan hat, verwirft die 4. Kleine Strafkammer am Bückeburger Landgericht die Berufung des 53-Jährigen.

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Quelle: pr.

STADTHAGEN/BÜCKEBURG. Nun bleibt es bei zwei Jahren und neun Monaten Haft, die das Schöffengericht in Stadthagen gegen den Mann aus Porta Westfalica im Februar verhängt hatte.

Die Tat fällt aus dem Rahmen: Aus Ärger über einen verlorenen Prozess, in dem es um seinen Führerschein gegangen war, soll der enttäuschte Mandant im Juni 2015 das Auto seines Stadthäger Anwaltes auf dem Parkplatz der Kanzlei angezündet haben. Als Motiv gilt Rache.

Der Wagen, ein gebrauchter Mercedes im Wert von 22000 Euro war komplett ausgebrannt. Zudem hatten die Flammen auf einen benachbarten Hundezwinger übergegriffen. Gerade noch rechtzeitig konnte der Besitzer seine Tiere, zwei wertvolle Schäferhunde, in Sicherheit bringen. Der Sachschaden hätte deutlich höher ausfallen können. Einem anderen Anwalt war es jedoch gelungen, sein Fahrzeug vom Hof zu bekommen.

Vielleicht ist das letzte Wort vor Gericht doch noch nicht gesprochen. Wenn der Angeklagte im Prozess ohne eigenes Verschulden gefehlt hat, zum Beispiel wegen Krankheit, kann er einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand stellen. Außerdem besteht die Möglichkeit, gegen das Urteil Revision einzulegen. Dann wird die Entscheidung auf Rechtsfehler überprüft. Der Schuldspruch lautet auf Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung, weil der Hundebesitzer eine Rauchvergiftung erlitten hatte. Brandstiftung wird juristisch als Verbrechen eingestuft.

Angeklagter ein „notorischer Querulant"

Im ersten Prozess hatte der Stadthäger Richter Kai Oliver Stumpe den Angeklagten als „notorischen Querulanten“ bezeichnet, „der meint, sein Recht auch mit solchen Straftaten durchsetzen zu dürfen“. Er habe ein Rache-System aufgebaut. Getroffen hat es eine alteingesessene Stadthäger Kanzlei. Der Anwalt, dem der Benz gehörte, hatte den mutmaßlichen Täter identifiziert.

„Wie ein Fußballer beim Einwurf“, so Stumpe, habe der Portaner an jenem Nachmittag einen schweren Gegenstand durch die Heckscheibe des Autos geworfen. Anschließend flog ein Brandsatz. Als der Mann mit seinem Roller auf den Parkplatz gefahren war, hatte ihn eine Angestellte beobachtet, die hinter einer zugezogenen Jalousie stand. Beim Verlassen des Grundstücks ließ er seinen früheren Anwalt nach dessen Erinnerung wissen: „Das hast Du jetzt davon.“ Im Plädoyer sprach Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig von einer „Wahnsinnstat“ und fügte hinzu: „Da hätte wer weiß was passieren können.“

Für Löscharbeiten musste die Straße eine Stunde lang gesperrt werden. Bis zu zehn Meter hoch sollen die Flammen nach Schätzungen eines Nachbarn gewesen sein. Die Rauchentwicklung war so stark, dass in einem mehrere hundert Meter entfernten Gebäude die Fenster geschlossen werden mussten. ly

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