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Stadthagen Stadt „Apollon Musagète Quartett“ begeistert Festgesellschaft
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Apollon Musagète Quartett“ begeistert Festgesellschaft
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16:27 28.10.2018
Zum Jubiläum anspruchsvolle Kammermusik: das „Apollon Musagète Quartett“. Quelle: vhs
Stadthagen

Der erste Eindruck irritiert: Wie Zirkusmusiker kommen die vier jungen Männer in ihren karierten Anzügen herein. Doch dann wird es ernst. Und ganz still. Hochkonzentriert und mit intuitivem Gespür für ihr Zusammenspiel wird die Komposition „In te Domini speravi“ des Polen Waclaw z Szamotul zum Besten gegeben. Die ein wenig schwermütig wirkende Barockmusik ist kein Ständchen für die „Kultur Stadthagen“, eher ein Werk von Wehklagen, aber nicht ohne Hoffnung. Pawel Zalejski (Violine), Bartosz Zachlod (Violine), Piotr Szumiel (Viuola) und Piotr Skweres (Violoncello) vom polnischen „Apollon Musagète Quartett“ lassen sich ein auf diese Messe, sie lesen sie mit Leidenschaft.

„Memories of My Father“ trifft den Nerv

Was folgt, geht an Grenzen. Mehr geben die Streichinstrumente kaum her. Feinste Abstimmung ist verlangt, mit der Tonhöhe wächst die Empfindlichkeit. Roxanna Panufniks Komposition „Memories of My Father“ weckt zunächst quälende Klangbilder von Glas, von Metall unter Höchstspannung. Das trifft den Nerv, aber dabei bleibt es nicht. Die unterschiedlichsten Seiten im Seelenleben eines Menschen klingen an, schrill wie aus Angst und Schrecken, gedehnt zur Zeit der Erwartung, des Hoffens und Bangens, dann sehr vertraulich, intim, zärtlich, tröstend.

Der derart geehrte polnische Komponist Andrzej Panufnik, ihr Vater, der nach England emigrierte, konnte als kleiner Junge, erzählte Bernward Bock als Moderator des Abends vorab, einem Telegrafenmast vertrauliche kleine Botschaften ablauschen, wenn er sein Ohr daran legte. Eine Schulung des Gehörs weitab von Schule. Elektrisierende „Messages“ sind später im gleichnamigen Stück daraus geworden, als Komposition aufgefächert zu quirlig im lockeren Wechselspiel dargebotenen Nachrichten ohne Text.

Großer Kontrast zwischen Ausklang und Eröffnung

Weite Assoziationsräume öffnen sich. Am Ende ein gemeinsames stilles Atemholen, eine Besinnung auf das Vernommene. Das Auditorium nimmt sich die Zeit. Man nennt es Hörkultur, es beansprucht die Anwesenden und belohnt sie. Größer könnte der Kontrast zwischen Ausklang und Eröffnung kaum sein. Viel Nachdenklichkeit, aber auch Worte zum Anlass des Abends in der Pause.

Überschwänglich wurden die vier Künstler gefeiert, nachdem sie mit Antonín Dvoáks Komposition „Amerikanisches Quartett“ der großen Gesellschaft im Kaminsaal die eigentliche Festmusik abgeliefert hatten – beherzt, facettenreich und weniger introvertiert als zuvor. Geschickt arrangiert ging es durch die musikalische Landschaft. Zwei launige Walzer von Dvoák als Zugabe krönten diesen Kammermusikabend – dieses wunderbare Geschenkpaket aus Polen.

Die vier mehrfach preisgekrönten Künstler werden gewiss in ein paar Tagen auch die Elbphilharmonie für ihren Gott Apollon erwärmen, ganz im Sinne der von Bock zitierten Worte zum Selbstverständnis des Vereins: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“

Ein Chorsaal als Geburtsort

Im September 1978 trafen sich 44 interessierte Bürger im Chorsaal des Ratsgymnasiums, um einen Kulturverein zu gründen. Der Altphilologe Kurt Steinicke stand lange Zeit an der Spitze. Bernward Bock, seit 2008 als Vorsitzender der „Kultur Stadthagen“ unermüdlich im Amt, konnte anlässlich des 40. Geburtstags Mitglieder und Freunde zu einer Feierstunde begrüßen.

Helle Müller-Thiemens und Bernward Bock.

Bürgermeister Oliver Theiß übermittelte den Dank der Stadt für die geleistete Arbeit und seine Anerkennung für die hohe Qualität des Programms – trotz „schwieriger finanzieller Bedingungen“. Ohne die Mittel der Schaumburger Landschaft und die Unterstützung von Sponsoren, so Bock, wäre dieses Niveau nicht möglich gewesen. Wolfgang Westphal vom Kulturring Rinteln lobte den Mut der Stadthäger, immer wieder modernen Komponisten Raum zu geben.

Für ihr Engagement wurden die 2. Vorsitzende Helle Müller-Thiemens und Geschäftsführerin Babette Hattendorf gewürdigt. vhs