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Arztlos in Stadthagen

Patientenflut kaum zu stemmen Arztlos in Stadthagen

Wieder ein Hausarzt weniger in der Kreisstadt: Die Gemeinschaftspraxis Dr. Bernd Blohm, Dr. Ahmet Cetindere und Dr. Sibel Baz an der Obernstraße wird noch im März aufgelöst.

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Quelle: dpa

Stadthagen. Baz wechselt nach Hannover, Cetindere und Blohm arbeiten nur noch in der parallel geführten Praxis in Bad Eilsen weiter. Patienten haben das Nachsehen, denn die Kapazitäten der Allgemeinmediziner in Stadthagen sind erschöpft.

„Es ist eine ganz große Katastrophe“, sagt Heike Mack von der Praxis Dr. Gerrit Mack. Selbst die Wartelisten seien voll und sie rechnet nicht damit, dass sich die Lage verbessern wird.

Ähnlich dramatisch stellt sich die Situation in der Praxis von Dr. Frank Keller dar: „Es ist wirklich schwierig für Patienten, einen Hausarzt zu finden, aber ich kann nicht mehr als arbeiten.“

Jeder Arzt der geht, ist bei den Kollegen deutlich spürbar. Ein Großteil der Patienten wird nach Angaben von Cetindere, der auch Sprecher des Ärztevereins Schaumburg ist, zukünftig in die Praxis in Bad Eilsen kommen. Menschen, die weniger mobil sind, brauchen nun aber einen neuen Hausarzt in Stadthagen. „Wir haben vermehrt Anfragen“, sagt Heike Mack. In der Praxis von Dr. Frank Keller haben Patienten auf der Suche nach einem neuen Hausarzt ebenfalls schon ihr Glück versucht – vergeblich.

Die Zukunftsprognosen sind auch nicht rosiger: „Es wird noch schlimmer werden“, da ist sich Keller sicher. Und auch Cetindere sieht „die hausärztliche Versorgung vor allem im Bereich der Allgemeinmediziner gefährdet“. Längst sei der Ärztemangel nicht nur in den Dörfern, sondern auch in Mittelzentren wie Stadthagen, Rinteln und Bückeburg angekommen. „Es ist kaum möglich, einen Nachfolger zu finden“, sagt Cetindere. Die Kollegen seien oft überlastet: „Wir arbeiten acht bis zwölf Stunden täglich – irgendwann geht es eben nicht mehr, wir stoßen an unsere Grenzen.“

Laut Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) gibt es keine Unterversorgung in der Kreisstadt. Der Versorgungsgrad liegt bei 105,7 Prozent, auf einen Arzt kommen 1671 Einwohner. Zu dem Mittelbereich Stadthagen zählen jedoch auch Hagenburg, Lindhorst, Nienstädt, Wölpinghausen sowie Obernkirchen und Sachsenhagen. Das Problem ergibt sich auch bei der ärztlichen Versorgung aufgrund des demografischen Wandels, wie Uwe Köster, Pressesprecher der KVN erklärt.

Die gestiegene Zahl der Senioren sei ein Faktor für überfüllte Praxen. Ältere Menschen benötigen mehr medizinische Versorgung. Das trage dazu bei, dass „eine für Patienten fühlbare Lücke entsteht“, wenn ein Arzt aufhöre. „Aber wir sind an die Bedarfsplanung gebunden“, betont Köster. Eine Unterversorgung ist erst bei einer Versorgungsquote von 75 Prozent gegeben. Erst ab diesem Schwellenwert seien Fördermaßnahmen wie eine Umsatzgarantie oder Geldmittel für eine Modernisierung der Praxis möglich. tbh

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