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Stadthagen Stadt Auf dem Gleis nach Süden
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Auf dem Gleis nach Süden
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00:17 01.07.2017
Anstelle der Museumsbahn könnten wieder reguläre Züge vom Westbahnhof gen Rinteln fahren. Quelle: pr
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Stadthagen

Unter der Woche dienen die Schienen noch dem Güterverkehr der Firma Ahrens oder dem Holztransport. Der Förderverein Eisenbahn Rinteln-Stadthagen (FERSt) will das ändern und würde die Strecke gerne wieder für den regulären Personenverkehr im Einsatz sehen. Eine 35-minütige Busfahrt stellt bislang die einzige Direktverbindung von Kreis- und Weserstadt im ÖPNV dar.

Für eine zumindest stündlich getaktete Bahnlinie mit zügigem Anschluss an die Verbindung Minden-Hannover sieht der FERSt großes Potenzial, denn die Bahnfahrt in die Landeshauptstadt nimmt für Rintelner aktuell über eine Stunde in Anspruch und ist nur über die Umwege über Elze oder Bückeburg möglich.

„Wenn Rintelner ein Konzert in Hannover besuchen wollen, haben sie abends kaum eine Chance, mit der Bahn wieder zurückzukommen“, meint Vereinssprecher Burkhard Rohrsen. Die „Flügellösung“, sprich eine zweigeteilte Bahn, die von Stadthagen aus gen Minden und Hannover geschickt wird, favorisiert der Sprecher.

Kein politischer Wille für Wiederbelebung

Der Mehrwert einer Reaktivierung sei aber auch für die anderen Kommunen entlang der Strecke erheblich. „600 Arbeitsplätze hängen am Gesamtklinikum Vehlen. Eine Haltestelle in Obernkirchen wäre damit sowohl für die Belegschaft, als auch für Besucher- und Patientenverkehr sinnvoll“, so Rohrsen. Gleiches gelte unter anderem für Kurgäste in Bad Eilsen oder Besucher aus dem Norden, die die Rintelner Altstadt genießen wollen. Was der Wiederbelebung im Weg steht, sei vor allem der politische Wille.

Die aktuell von der Bückebergbahn Rinteln-Stadthagen GmbH gepachtete Trasse gehört mit einem Anteil von 50 Prozent dem Landkreis, zu 25 Prozent Rinteln, zu 9,5 Prozent Obernkirchen und zu 11,5 Prozent Stadthagen. „Wegen des Zustands der Strecke ist die Geschwindigkeit auf 30 Stunden/Kilometer begrenzt. Gleise und Brücken müssten saniert werden, Oberleitungen fehlen noch“, erklärt Rohrsen. Auch entsprechen zahlreiche Bahnübergänge für den Straßenverkehr nicht den Standards. Investitionen im zweistelligen Millionenbereich hält der Verein für nötig.

Im Fall des Ausbaus wären die Eigentümer aber nicht allein: „Die Kosten könnten zu 90 Prozent über Landes- und Bundesfördermittel gedeckt werden“, sagt der Sprecher. Bei einer Studie der Landesnahverkehrsgesellschaft über die mögliche Reaktivierung stillgelegter Strecken außerhalb des Bundesbahnnetzes landete die Trasse vor drei Jahren an sechster Stelle von 78.

Allzu optimistisch betrachtet Rohrsen die Aussichten dennoch nicht: „Im Gespräch mit lokalen Politikern ernten wir viel Wohlwollen, öffentlich wirksame Unterstützung gibt es aber nicht, weil jede Kommune die Aufwendungen für die Bahnhöfe und die Unterhaltung aus eigener Tasche zahlen müsste.“ geb

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