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Aufruf zur Sozialspionage

Hagen Rether im Ratsgymnasium Aufruf zur Sozialspionage

Hagen Rether hatte „Liebe“ versprochen, und rund 450 Kabarettfreunde haben sich davon am Sonnabend in die Alte Polizei locken lassen. Es war der erste Stadthagen-Besuch Rethers seit drei Jahren. Der Saal war ausverkauft.

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"Heute gehts nur noch um blanken Konsum": Hagen Rether vor ausverkauftem Haus in Stadthagen. fwi

Stadthagen. Wahrhaft schien der Kabarettist voller Liebe, voller Sorge um seine Zuhörer. So erkundigte er sich mehrfach und absolut zusammenhangsfrei, ob im Publikum denn auch schon alle Winterreifen hätten.

 Schnell ging es ans politisch Eingemachte. Thema Flüchtlingskrise: „Warum“, fragte Rether, „grassiert da eigentlich diese Grundaggression im Land, obwohl die Menschheit noch nie so sicher und satt war wie jetzt?“

 Und die Jugend erst: Arme Schweine, glaubt man Rether. Vor lauter Stress würden wohl irgendwann die Föten schon Nägel kauen. „Müssen unsere Kinder mit 17 schon Abitur haben?“ Und wenn sie dann ihr soziales Jahr machen, stelle sich doch die Frage, „was die Jahre davor gewesen sein sollen“.

 Weiter geht es zur Uni, in so zarten Jahren: „Die sind ja noch zu jung, um den Mietvertrag in der WG zu unterschreiben. Es gibt mittlerweile schon Erstsemester-Elternabende.“ Da überrascht es nicht, dass jeder Dritte „die Masterarbeit nur noch mit Aufputschmitteln schafft“.

 Warum wir den Kindern das antun? Könnte mit dem Kapitalismus zu tun haben, glaubt Rether. In einigen Ländern sei es nicht so, „da sind die Leute entspannter“. Der Pianist mit dem markanten Pferdeschwanz rief zur Sozialspionage auf – Industriespionage gebe es schließlich bereits.

 Immer mehr Druck werde uns ohnehin nicht weiterbringen. Rether: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche“.

 Aus lauter Angst vor druckloser Langeweile seien die Menschen zwischenzeitlich in ein Vakuum gerutscht. „Die Leute sind stumpf geworden“, stellte Rether fest. „Oder haben sie kein Gefühl mehr?“

 Früher habe es noch Briefgeheimnis und Achselhaare gegeben. „Heute geht’s nur noch um blanken Konsum.“ Die allgemeine Unrast bringe Helene Fischers Song „Atemlos“ ganz gut auf den Punkt

 „Nur noch Wutbürger und Nichtwähler, ein Volk von Kleinbürgern und Schnäppchenjägern“, analysierte Rether. „Eine Waschlappengesellschaft“, der die Grundwerte wegbröselten. jcp

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