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Aus Eifersucht auf die Ex losgegangen

Stadthagen / Obernkirchen Aus Eifersucht auf die Ex losgegangen

Grinsend hört sich der Angeklagte (23) das Plädoyer von Staatsanwalt Timo Goldmann an. „Sie sitzen da mit verschränkten Armen und denken: Das ist doch alles Killefit“, stellt Goldmann fest.

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Quelle: dpa

Stadthagen/Obernkirchen. „Genau das denke ich“, bestätigt der angeklagte Stadthäger. Von Einsicht keine Spur. In der Sprache des Ruhrgebiets bedeutet „Killefit“ so viel wie Unsinn oder dummes Zeug.

 Davon kann keine Rede sein: Aus Eifersucht hatte der 23-Jährige seine frühere Freundin (19), zugleich die Mutter eines gemeinsamen Kindes, im Streit durch deren Obernkirchener Wohnung geschleudert und verletzt. Die Hausfrau wollte ihrem Ex nicht ihr Handy zeigen, auf dem dieser Nachrichten eines anderen Mannes vermutete.

 Vor dem Amtsgericht in Bückeburg stellte der Arbeitslose die Situation völlig anders dar: „Ich habe sie weggeschubst, um aus der Wohnung zu kommen, bevor mehr passiert“, behauptete er. „Dann habe ich noch eine Beleidigung ausgesprochen und bin weg.“ Diese Geschichte glaubt Richter Dirk von Behren nicht. Das Urteil: 500 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung, umgerechnet 50 Tagessätze. „Beim nächsten Mal gibt es eine Freiheitsstrafe“, kündigte der Richter an.

 Wer nicht hören will, muss zahlen. Vor der Entscheidung hatte das Gericht dem Angeklagten eine goldene Brücke gebaut: Wäre dieser bereit gewesen, an einem Anti-Aggressionstraining teilzunehmen, hätte von Behren das Verfahren vorläufig eingestellt. Ein Geständnis hätte ebenfalls über die Lippen des 23-Jährigen kommen müssen. Doch davon wollte dieser nichts wissen.

 Zum ersten Mal ist der Stadthäger, einschlägig vorbestraft wegen gefährlicher Körperverletzung, an jenem Tag im vergangenen Dezember offenbar nicht auf seine Ex losgegangen. Er gibt selbst zu, die Frau in einem anderen Fall geohrfeigt zu haben. Wegen der Sache, um die es jetzt ging, hat die 19-Jährige kein Interesse mehr an Strafverfolgung, obwohl sie nach dem Übergriff zunächst Anzeige erstattet hatte.

 „Ich wollte ihn nur wachrütteln“, gab die Frau während der Hauptverhandlung zu Protokoll. „Die Zeugin“, so Staatsanwalt Goldmann, „will dem Angeklagten nichts Böses mehr.“ Umgekehrt vielleicht schon.

 Richter von Behren hat den unbeherrschten Mann während der Vernehmung des Opfers genau beobachtet. „Ich sehe doch, wie Ihnen der Kamm schwillt“, spricht er den 23-Jährigen direkt an. „Sie werden ganz rot im Gesicht.“ Von Behren vermutet: „Sie werden aggressiv, weil Sie die Trennung nicht verarbeitet haben.“ Schon einmal hatte der Angeklagte ein Anti-Aggressionstraining absolviert, dies allerdings nicht zu Ende gebracht. Bisher ist er nicht bereit, es noch einmal zu versuchen. ly

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