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Stadthagen Stadt Ausländer raus – und dann?
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Ausländer raus – und dann?
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00:16 30.09.2013
Reichlich schwarzer Humor: Der Satiriker Osman Engin liest und erzählt in der Stadtbücherei Stadthagen. Quelle: kil
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Stadthagen

Engin kam mit 12 Jahren nach Bremen. Seitdem verfasste er rund 14 Bücher, mehr als 1000 Kurzgeschichten sowie zahlreiche Hörfunkbeiträge – bittersüße Geschichten aus dem türkisch-deutschen Alltag, die häufig die Themen Rechtsextremismus und Integration aufgreifen, geschrieben aus der Ich-Perspektive. „Etwa 80 Prozent davon sind im Kern wahre Geschichten“, erzählt der nur auf den ersten Blick eher unscheinbar und schüchtern wirkende Autor. „So etwas könnte ich mir gar nicht ausdenken“, sagt er mit Blick auf besonders skurrile Geschichten, von denen er reichlich auf Lager hatte – von toten Skinheads in der Tiefkühltruhe, dem deutschen „Artikelwahnsinn“ und abstrusen Erlebnissen bei der Ausländerbehörde. Immer wieder schweifte Engin dabei ab. „Sie können mich nicht aus dem Konzept bringen, ich habe nämlich gar keins.“ Statt einer streng durchgeplanten Lesung gab es einen lockeren Lese- und Erzählabend, der augenscheinlich gut unterhielt.
Dafür, dass Engin die Rechtsextremen in seinen Büchern aufs Korn nimmt, habe Engin mehrfach Drohungen erhalten; eine Lesung in Bayern wurde von einem Schulleiter sogar verboten. Trotzdem geht es in seinem neuen Buch wieder um dieses Thema. Das fiktive Szenario: Aufgrund der miesen Wahlbeteiligung werden die Rechtsradikalen zweitstärkste Partei. Die Migranten verlassen daraufhin das Land. Nur Osmans Familie bleibt zurück, weil der linksradikale Sohn mal wieder verschwunden ist. Und dann kommt auch noch der türkische Onkel zu Besuch, der nichts von den neuen Verhältnissen mitbekommen soll. Heikle, schräge und schwarze Situationen sind programmiert.
Ins Türkische wurde bislang nur ein Buch des Satirikers übersetzt: „Dütschlünd, Dütschlünd übür üllüs“. „Die Deutschen sagen ja Ülü Ülü und meinen, sie hätten Türkisch gesprochen. Deshalb habe ich das ein bisschen getürkt“, sagt Engin über den Titel. Beim Übersetzen gehe ein Großteil der Ironie verloren, erklärt der Autor, der bis zum Ende die Ohren der Zuhörer für sich hatte. „Sollen wir Schluss machen?“, fragte er nach zwei Stunden? „Einen noch!“, forderten die Gäste.

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