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Ausraster auf dem Revier

Gerichtsverhandlung Ausraster auf dem Revier

Ein 35-jähriger Mann aus Stadthagen hat seine Aggressionen nicht im Griff. Bei seiner Festnahme waren gleich mehrere Polizisten nötig, weil er mehrfach ausratete und sogar einen Beamten verletzte. Sein Fall beschäftigte schon zwei Gerichte. Der Angeklagte hatte Berufung eingereicht.

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STADTHAGEN. Normalerweise werden Polizisten zu Einsätzen gerufen. In einem Fall aus Stadthagen, der zwei Gerichte beschäftigt hat, war der Einsatzort jedoch die eigene Wache. Ein renitenter Mann (35) hatte sich dort mit Schlägen und Tritten gegen seine Festnahme gewehrt, bevor er auf der Fahrt zur Justizvollzugsanstalt erneut ausrastete. Mehrere Beamte waren nötig, um den Stadthäger ruhigzustellen. Einer von ihnen wurde dabei verletzt.

Andreas Feldhaus, Richter am Amtsgericht Stadthagen, verhängte gegen den 35-Jährigen später sieben Monate Haft. Da war Einiges zusammengekommen: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzliche Körperverletzung, versuchte Körperverletzung und Bedrohung. Nach seiner Verurteilung hatte der Angeklagte Berufung eingelegt.

Darüber sollte jetzt, ein Jahr nach dem ersten Prozess, vor dem Landgericht in Bückeburg verhandelt werden. Wer nicht erschien, war der Angeklagte. Nach der üblichen Wartezeit von 15 Minuten verwarf Richter Thorsten Garbe, Vorsitzender der 7. Kleinen Strafkammer, die Berufung. Nun kann der Delinquent entweder durch einen Anwalt Revision einlegen lassen – oder einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand stellen, wenn er in der Sitzung nachweislich ohne eigenes Verschulden gefehlt hat.

Zu seiner Verteidigung hatte der Asylbewerber unter anderem erklärt, er gehöre zu einer ethnischen Minderheit, weshalb er in seinem Heimatland verfolgt werde. Deshalb habe er große Angst gehabt, abgeschoben zu werden. Geschlagen oder getreten haben will der Flüchtling die Beamten nicht.

Eigentlich sollte der vielfach vorbestrafte Mann auf dem Polizeikommissariat nur vorstellig werden, um eine entsprechende Meldeauflage aus einem früheren Verfahren zu erfüllen. Als ein Beamter ihm jedoch erklärte, dass ein Haftbefehl wieder in Vollzug gesetzt worden sei und er nun festgenommen werde, rastete der Stadthäger aus. Er schubste zwei Polizisten zur Seite, sprang über den Tresen auf die Fensterbank, um ein Fenster zu öffnen.

Mit einem Bein befand sich der 35-Jährige bereits in Freiheit, als es einem Beamten gelang, ihn festzuhalten. Um den Tobenden, der wild um sich trat, außer Gefecht zu setzen, waren drei weitere Beamte nötig. Einer von ihnen setzte Pfefferspray ein. Noch immer wehrte sich der Mann mit Schlägen und Tritten, bis ihm schließlich Hand- und Fußfesseln angelegt wurden. Ein Polizist erlitt Prellungen und Schürfwunden.

Noch am selben Tag verkündete ein Bückeburger Amtsrichter den Haftbefehl. Auf dem Transport zur JVA Sehnde gelang es dem Stadthäger kurz vorm Ziel, mit einem unentdeckten Kartenmesser seine Fußfesseln zu durchtrennen. Er versuchte, dem Fahrer einen Kopfstoß zu verpassen, wurde aber von einem zweiten Beamten im letzten Moment daran gehindert. Sinngemäß soll er daraufhin gedroht haben: „Dafür wirst Du sterben.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Sein Vorstrafenregister umfasst 15 Einträge, wiederholt Körperverletzungen.  ly

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