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BISS-Leiterin ist 100 Tage im Amt

Das Schweigen brechen BISS-Leiterin ist 100 Tage im Amt

Janina Schmidt leitet die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) der Awo seit 100 Tagen. Beim „Runden Tisch“ der BISS hat sie jüngst einen ihrer Fälle erläutert: Die Rede war von einer 28 Jahre alte Mutter zweier Kleinkinder, die von ihrem Ehemann misshandelt wurde.

Stadthagen. Die Situation eskalierte so weit, dass Nachbarn die Polizei alarmierten. Da sich die verängstigte Frau gegenüber den Beamten nicht äußern wollte, bekam sie Informationen über mögliche Hilfe. Hier tritt Janina Schmidt  auf den Plan. Nach vier Jahren der Betreuung des Frauenhauses ist die Sozialpädagogin seit August mit der Leitung der Beratungsstelle betraut.

Proaktive Kontaktaufnahme

„Jede Frau ist anders. Zunächst ist es wichtig, dass die Betroffene ihre Scham überwindet. Auch erwarte ich nicht gleich, dass sie sich von ihrem Mann trennt“, so Schmidt. Frauen zu stärken, handlungsfähiger und mit mehr Orientierung aus der Beratung gehen zu lassen, sei das Ziel. Faktoren wie soziale und finanzielle Abhängigkeit kämen aber oft erschwerend hinzu. Wie in dem exemplarischen Fall wählt Schmidt meist den Weg der „proaktiven Kontaktaufnahme“ und setzt sich mit den Betroffenen telefonisch in Verbindung, denn die Hemmschwelle, bei häuslicher Gewalt nach Hilfe zu suchen, sei bei vielen Frauen sehr hoch.

Die Polizei vermittelt in solchen Fällen – und nach Absprache mit den betroffenen Frauen – den Kontakt an die BISS. Denn eine vertrauensvolle Gesprächspartnerin haben viele Betroffene nötig. Schmidt lege ein besonderes Augenmerk auf die Situation der Kinder, denn auch weit verbreitete Phänomene, wie Cybermobbing und Stalking fallen in ihre Zuständigkeit.

Von den 210 Fällen, die die BISS in diesem Jahr behandelt hat, gehen nur 31 auf Selbstmeldungen Betroffener zurück, 179 vermittelte die Polizei, die 37 Platzverweise gegen die Gewalttäter aussprach. Mit 195 betroffenen Kindern ist gegenüber den Vorjahren ein Höchstwert erreicht. 53 Migrantinnen finden sich unter den Opfern.

Auch Kriegserlebnisse sind durch den Zuzug von Flüchtlingen wieder ein Thema geworden. Zwar haben die meisten Menschen eine gewisse Widerstandskraft bei traumatischen Erfahrungen, „aber irgendwann bricht jeder“, betonte die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte Colette-Christin Thiemann. Beispielsweise 97 Prozent der aus Afghanistan geflohenen Frauen seien traumatisiert.

"Kriegszitterer" ernten Geringschätzung

Anette Schediwy vom Jugendamt ist auch mit drastischen Fällen von Selbstverletzung konfrontiert. „Wir haben mit Flüchtlingen zu tun, die sich die Haut vom Körper ziehen“, schilderte Schediwy. Referent Marco Wrenger von der Burghof-Klinik aus Rinteln beleuchtete das Thema Trauma grundlegend und erläuterte die psychologischen Zusammenhänge. Trotz der Erfahrung zweier Weltkriege sei die Problematik hierzulande lange vernachlässigt worden. Die Opfer, sogenannte „Kriegszitterer“, ernteten Geringschätzung für ihr Leiden. „Bei 3,4 Prozent der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges treten noch heute posttraumatische Belastungsstörungen auf“, erklärte der Leiter der psychosomatischen Abteilung der Klinik.

Wrenger betonte auch, dass das subjektive Erleben von Gefahr und Gewalt viel ausschlaggebender für die psychischen Folgen als die tatsächliche Bedrohung sei. Allgemeingültige Vorhersagen darüber, wann eine Belastungsstörung ausgelöst wird oder wie sie sich auswirkt, kann man nicht treffen“, so Wrenger. geb

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