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Banker zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt

Kunden um 368 000 Euro geprellt Banker zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt

Ein Angestellter eines heimischen Geldinstituts hat Kunden um insgesamt rund 368 000 Euro geprellt. Ins Gefängnis muss der Familienvater (31) nicht. 

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Quelle: dpa

Stadthagen. Das Schöffengericht in Stadthagen hat ihn zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Für den Banker sprach vor allem, dass er das Geld komplett zurückgezahlt und im Prozess ein Geständnis ablegt hat. Dieses Geständnis sei allerdings „nicht von der Reue getragen gewesen, die wir uns gewünscht hätten“, so Richter Kai Oliver Stumpe an die Adresse des 31-Jährigen: „Uns fehlten ein paar Worte des Bedauerns für die Leute, deren Vertrauen Sie missbraucht haben.“

 Bevorzugt hatte sich der Betrüger in Stadthagen ältere Menschen ausgesucht. In einem von 32 Fällen verkaufte er Depots einer alten Dame im Wert von etwa 128 000 Euro und ließ die Erlöse auf sein eigenes Konto überweisen. Dann wieder nahm der Privatkundenberater elektronische Umbuchungen auf Scheinkonten vor, die er ohne das Wissen der Kunden eingerichtet hatte. Um an das Geld zu kommen, reichte er beispielsweise gefälschte Überweisungs- oder Auszahlungsbelege ein.

 Zweieinhalb Jahre lang blieb all dies unentdeckt. Dann kam ihm eine Kollegin auf die Schliche. Angesichts der „enormen Schadenshöhe“ treibt es sogar Verteidiger Holger Kleine-Tebbe „Tränen in die Augen“. Zunächst war die Sparkasse in Vorleistung getreten und hatte ihre geprellten Kunden entschädigt. Der Bankkaufmann unterzeichnete ein Schuldanerkenntnis über 368 000 Euro. Das Arbeitsverhältnis, das im Jahr 2000 mit einer Ausbildung begonnen hatte, endete per Aufhebungsvertrag.

 Unklar bleibt das Motiv des Bankers. „Er hat keinen auf dicke Hose gemacht“, betont Verteidiger Kleine-Tebbe. Vielmehr lag das Geld auf der hohen Kante. „Es gibt keinen Beweggrund“, versicherte der Angeklagte. Höchstens diesen: „Etwas haben, ohne es zu brauchen.“ Richter Stumpe glaubt das nicht: „Er wollte auf das Geld zurückgreifen können und hatte Pech, dass die Sache aufgeflogen ist.“ Stumpe könnte sich vorstellen, dass „der Thrill“ darin bestanden habe, „Zehntausende von A nach B zu schieben – und keiner merkt’s“.

 Vorausgegangen war der Entscheidung ein Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Ergebnis: Bewährung gegen Geständnis. Zu den Auflagen gehört eine Geldbuße von 8000 Euro. Elf Fälle hatte das Gericht eingestellt, weil eine Bestrafung kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre. Zwischenzeitlich hat der 31-Jährige einen neuen Job. Das nennt man günstige Sozialprognose.

 Opfer des Bankers reagierten unterschiedlich auf das Urteil. Ein älterer Herr, als Zeuge geladen, wünschte dem Angeklagten alles Gute. Verständnis zeigte Richter Stumpe für den Verwandten einer alten Dame, der erbost war, weil der Banker nicht ins Gefängnis muss.

 Zugunsten des Angeklagten wirkte sich auch die lange Verfahrensdauer aus. Außerdem ist er nicht vorbestraft. Gegen ihn sprachen vor allem die Höhe des Schadens sowie ein Vertrauensbruch, „bei dem der Ruf eines ganzen Institutes auf dem Spiel stand“, so Stumpe. ly

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