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Barrierefreiheit: Es hat sich einiges getan

Stadthagen Barrierefreiheit: Es hat sich einiges getan

Kopfsteinpflaster, Bordsteinkannten und Treppen können für Menschen, die auf eine Gehilfe angewiesen sind, zur unüberwindbaren Hürde werden. Die Schaumburger Nachrichten haben geschaut, wie es um die Barrierefreiheit in Stadthagen bestellt ist und wo noch Bedarf besteht.

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Das Alte Rathaus verfügt über eine Rampe am Eingang.

Quelle: rg

Stadthagen. Erst wenn man selbst nicht mehr gut zu Fuß ist, auf einen Rollator oder gar einen Rollstuhl angewiesen ist, wird einem bewusst, wie unüberwindbar ein Bordstein oder eine Stufe sein können. Aktuell wird im Amtsgericht ein Aufzug eingebaut, um den Zugang zu allen Verhandlungsräumen in der oberen Etage auch für Rollstuhlfahrer möglich zu machen. Wie ist Stadthagen in Sachen Barrierefreiheit also aufgestellt?

„Die meisten öffentlichen Gebäude sind barrierefrei erreichbar und haben eine behindertengerechte Toilette“, erklärt Stadtsprecherin Bettina Burger. Auch für die Planung bei Um- und Neubauten sei die Barrierefreiheit ein wichtiges Kriterium.

Allerdings sei bei „einigen wenigen Gebäuden“ eine barrierefreie Ausstattung aufgrund von engen Platzverhältnissen nicht möglich, darunter die beiden kleineren Kindergärten Herminenstift und in Obernwöhren, das Stadtarchiv und die Dorfgemeinschaftshäuser.

Welche Auswirkungen das haben kann, hat der Vorsitzende des städtischen Behindertenbeirats, Matthias Gläser, auch schon am eigenen Leib erfahren müssen. Während des Umbaus der Rathausdaches hat eine Sitzung des Bauausschusses im Dorfgemeinschaftshaus in Probsthagen stattgefunden. Ohne Hilfe war ein Hineinkommen für Gläser, der seit 28 Jahren im Rollstuhl sitzt, nicht möglich, da es mehrere Stufen bis zum Eingang zu überwinden gilt.

Dennoch sieht der Stadthäger deutliche Verbesserungen für Behinderte in der Stadt. Die Gesellschaft sei um einiges sensibler geworden für die Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen „und die Barrieren in den Köpfen wurden abgebaut“, so Gläser: „Gerade bei Neubauten finde ich es wichtig, dass an Barrierefreiheit gedacht wird, um sich hinterher teure Umbauten zu sparen.“
Genau richtig mache es die Stadt also aktuell beim Umbau des Schlossgarten-Cafés. Dies war im Bereich der Toiletten nicht barrierefrei. „Das soll sich ändern im Zuge des aktuellen Bauvorhabens“, erklärt Burger. Außerdem werde die Stufe vor dem Café durch eine Rampe ersetzt.

Wesentliche Bedeutung im Denkmalschutz

Auch in den vergangenen Jahren hat sich in Stadthagen viel getan – viel davon angeschoben durch den 2006 gegründeten Behindertenbeirat. Die letzte große städtische Baumaßnahme ist nach Angaben der Stadtsprecherin der Einbau eines Aufzuges in der Schule Am Stadtturm vor fünf Jahren im Rahmen des Umbaus für den Ganztagsschulbetrieb gewesen. 2010 habe die Stadt die nicht barrierefreie WC-Anlage im Kellergeschoss des damaligen Feinkosthauses Tietz durch eine barrierefreie Toilette in der Niedernstraße ersetzt. Eine weitere barrierefreie Toilette gibt es am Viehmarkt. 2015 wurde die Brücke am Westwall mit einer Rampe barrierefrei erneuert.

Auch im Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ habe die Barrierefreiheit wesentliche Bedeutung. „Zugangshindernisse zu Gebäuden können durch einen Umbau der Gebäude so beseitigt werden, dass sowohl der Barrierefreiheit als auch dem Denkmalschutz Rechnung getragen wird.“ Hier könnten Fördermittel entsprechend eingesetzt werden. „Auch die Planungen zur Umgestaltung der Fußgängerzone schließen das Thema Barrierefreiheit selbstverständlich mit ein“, so Burger.

Vor zwei Jahren ist am ZOB ein Haltepunkt für Rollstuhlfahrer eingerichtet worden, damit diese besser in die Busse kommen. Hierfür wurden neue Hochborde gesetzt. Eine Beschilderung weist auf die Barrierefreiheit hin. Erst im vergangenen Jahr wurden acht Buswartehäuschen barrierefrei umgebaut: drei in Obernwöhren, eins in Hörkamp-Langenbruch, zwei in Brandenburg und eins in Wendthagen-Ehlen. In diesem Jahr hat die Stadt die Behindertenparkplätze „Am Viehmarkt“ mittels Sperrstreifen optisch eingegrenzt.

Da sich seit der letzten Wahlperiode auch ein mobilitätseingeschränktes Mitglied des Behindertenbeirates im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung befindet, finden die Sitzungen dieses Ausschusses nicht mehr in den Feuerwehrgerätehäusern statt, sondern in den Sitzungsräumen des Rates, erklärt Burger.

Angestoßen durch den Behindertenbeirat sei auch die Drehtür am Rathaus durch eine Schiebetür ersetzt worden. Auch beim Wiederaufbau des Tropicana seien ein Aufzug und barrierefreie Duschen eingebaut worden. „Auch für den Straßennachausbau haben wir Standards entwickelt, die jetzt als Blaupausen fungieren, wenn nachgerüstet wird.“

Gläser ist auch bewusst, dass nicht immer alles so einfach umsetzbar ist, weswegen er auch mit Kompromissen leben könne, wie etwa bei der Stadtbücherei. Dort ist zwar nachträglich ein Aufzug an das Gebäude gebaut worden, dieser fährt aber nur bis zur ersten Ebene. Wer ein Buch aus dem ersten Stock braucht, ist daher noch immer auf Hilfe angewiesen. „Aber wenigstens werden die Behinderten nicht im Regen stehen gelassen.“ Zu tun gibt es aber noch genug, findet Gläser: Auch bei den Kitas, bei denen laut Stadt keine barrierefreie Ausstattung möglich sei, müsse beeinträchtigten Eltern die Möglichkeit gegeben werden, die Einrichtung gemeinsam mit ihren Kindern zu besuchen.  col

„Generationenfreundliches Einkaufen“

Die Stadt bereitet gerade eine Rezertifizierungsrunde für Einzelhändler bei der Aktion „Generationenfreundliches Einkaufen“ vor – initiiert vom Handelsverband Deutschland und vor Ort von Stadt, Stadtmarketing (SMS) und Seniorenbeirat umgesetzt. Zertifiziert waren 51 Geschäfte, Händler und Einrichtungen. Die Zertifikate haben eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren. Bei 25 ist das Zertifikat aktuell abgelaufen. Diese 25 sind vor einigen Wochen angeschrieben worden, um sich wieder zu einer Prüfung mit dem Ziel der Rezertifizierung anzumelden. Die Begehung erfolgt durch den Seniorenbeirat. Stadthäger Händler, die sich gern erstmals zertifizieren lassen wollen, können sich gern bei der Wirtschaftsförderung der Stadt, Kathrin Beck, E-Mail: k.beck@stadthagen.de melden. Die Geschäfte werden dann anhand einer standardisierten Check-Liste überprüft, ob Barrierefreiheit in vielfacher Hinsicht – zum Beispiel Stufen, Breite der Gänge, Lesbarkeit von Schildern – gegeben ist. Falls Verbesserungsbedarf besteht, werden durch die extra dafür geschulten Prüfteams des Seniorenbeirates konkrete Vorschläge unterbreitet.   r

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