Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Behindertenbeauftragte zu Gast beim Inklusionsnetzwerk

Barrieren im Kopf Behindertenbeauftragte zu Gast beim Inklusionsnetzwerk

Beim gemeinsamen Besuch der Behindertenbeauftragten des Landes mit dem hiesigen SPD-Landtagsabgeordneteten Karsten Becker im Inklusionsbüro in Stadthagen haben die SN-Berichte der vergangenen Tage zum Thema für ordentlich Diskussionsstoff gesorgt.

Voriger Artikel
Polizei erlebt kuriosen Einsatz an Jahnstraße
Nächster Artikel
Erinnerungen an die Brauerei

Stadthagen (tbh). Die oft auch ihm gegenüber „völlig zurecht“ bemängelte Situation am Amtsgericht sieht Becker einem ausgrenzenden Umgang mit behinderten Menschen geschuldet. Das System habe sich über viele Jahre in der Gesellschaft etabliert. Das gelte es nun, aufzubrechen. Solche Barrieren „vor allem in den Köpfen“ abzubauen ist der gemeinsame Nenner und das Ziel der Arbeit von Wontorra und der des Inklusionsnetzwerkes Schaumburg.
Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderung den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Arbeitgeber sollen über die Möglichkeiten und das Potenzial der Beschäftigung von Menschen mit Handicap aufgeklärt werden.
Nach Worten von Netzwerkkoordinatorin Sunita Schwarz ist mangelnde Information eines der größten Probleme. Ihre Frage an Wontorra und Becker: „Was kann die Politik tun, um Arbeit für alle zu schaffen?“ Aus Sicht von Becker muss Inklusion bereits in der Schule beginnen, wo Talente entdeckt und gefördert werden könnten.
In dem Zusammenhang sprach Andreas Landmann, Geschäftsführer des Inklusionsnetzes, von einem „Dilemma der Werkstätten“. Einerseits seien Menschen mit Behinderung auf die Möglichkeit angewiesen, nach der Schule zum Beispiel in einer Behindertenwerkstatt Arbeit zu finden. „Andererseits sind solche Sondereinrichtungen nicht Inklusion.“ Schließlich fände keine Qualifikation statt, wenn Menschen direkt von der Schule in die Werkstatt wechseln.
„Die Anreize sind falsch gesetzt“, betonte Wontorra. Es könne nicht sein, dass Menschen, die 20 Jahre in der Werkstatt arbeiten, eine Rente erhalten, die sie auf dem Arbeitsmarkt nicht erreichen würden. Es sei aber ein langer Prozess, bis Firmen bereit seien, Menschen mit Behinderung einzustellen.

Interview

Petra Wontorra, Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen

Inwieweit kann die Politik Schulen und Arbeitgeber bei der Inklusion unterstützen?
Politik muss gute Entscheidungen treffen für ausreichend und vor allem gut ausgebildetes und vorbereitetes Personal in den Kindertageseinrichtungen sowie an den Schulen. Der Übergang von Schule zum Beruf muss auch für Schüler mit Behinderungen genauso offen gestaltet sein, wie für alle anderen auch. Unternehmen brauchen verlässliche Systeme, wie Menschen auch mit größerem Unterstützungsbedarf zeitnah aber auch langfristig eingestellt werden können.
Warum sind immer noch so viele Unternehmen bereit, Ausgleichszahlungen zu leisten, statt einen Menschen mit Behinderung einzustellen?
Arbeitsplätze müssen sich für Unternehmen wirtschaftlich rechnen. Bescheide über Hilfen abzuwarten, dauert oft zu lang. Die Unternehmen brauchen mehr Wissen über Hilfen und Leistungen, sie müssen schnell an Informationen und Hilfezusagen kommen. Wir brauchen eine bessere Vernetzung zwischen freien Stellen und ins Profil passenden Arbeitssuchenden mit Behinderungen.
Barrierefreiheit ist häufig ein Problem. Wie kommt es, dass Rollstuhlfahrer auch heute oft noch keinen Zugang zum Beispiel zum Amtsgericht Stadthagen oder vielen Rathäusern in Schaumburg haben?
Mangelnde Barrierefreiheit wird meist mit Kosten begründet. Das gilt für alle Arten von Barrieren, wie auch der Zugang zu Informationen. Eine barrierefrei zugängliche Umwelt ist ein Qualitätsmerkmal – sie ist für zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich, für 30 bis 40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel. Schlimm sind Fehler bei Um- und Neubauten, wenn zugunsten von Design-Entscheidungen gegen Barrierefreiheit gefällt werden. Das Bewusstsein der Notwendigkeit bei allen Akteuren ist wichtig, wie auch die rechtzeitige Beteiligung der Menschen mit Behinderungen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg