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00:16 06.02.2017
Ihr Gartenhäuschen ist für Irmgard und Rudolf Seiger ein kleines Urlaubsparadies. Wenn es nicht so bedeckt ist, können sie von dort bis Landesbergen schauen.  Quelle: col
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Wendthagen

„Wir möchten hier nicht weg.“ Da sind sich Irmgard Seiger und ihr Mann Rudolf einig. 1998 haben sie zusammen mit ihrer Tochter Nicole das Haus am Höltjebrink gebaut. Aber ihr Herz hängt schon viel länger an dem Ort, in dem Irmgard Seiger vor 77 Jahren zur Welt gekommen ist. 1947 haben die Eltern ihres Mannes ein Haus in Wendthagen-Ehlen gebaut – und somit den Grundstein für das gemeinsame Leben des Paares gelegt.

In den vergangenen Jahren haben sie zugesehen, wie sich die Bergkette verwandelt hat. „Ich habe mal nachgezählt“, sagt Rudolf Seiger. „Wir hatten früher 15 Gasthäuser und Kneipen von Liekwegen bis Reinsen.“ Nun hat vergangenen Sonntag das letzte Restaurant seine Pforten geschlossen. Immerhin gebe es noch die Waldklause, das Vereinsheim des TSV Liekwegen.

In diesem Stadthäger Ortsteil hat das Paar 20 Jahre lang gewohnt. „Obwohl wir nur über die Straße gezogen sind, mussten wir das Auto ummelden“, erinnert sich der Senior und schüttelt lachend den Kopf. Damals habe es ja noch die beiden Landkreise Schaumburg-Lippe und Schaumburg gegeben, erklärt er. Und damals gab es auch noch Lebensmittel- und Möbelgeschäfte, Fleischereien, eine Post und einen Getränkemarkt. „Bei Otto Kramer in Langenbruch hat man vom Nagel bis zum Topf alles bekommen, sogar Fahrräder“, erinnert sich Irmgard Seiger. Nach und nach sei all das verschwunden.

Sie und ihr Mann glauben nicht, dass sich heute für einen Betreiber ein Supermarkt lohnen würde. „Die meisten Leute erledigen ihre Einkäufe nach dem Feierabend oder wenn sie sowieso unterwegs sind“, sagt der 79-Jährige. Aber dass die Volksbank Hameln-Stadthagen sogar den Kontoauszugsdrucker in der Filiale abgebaut hat, stößt dem Rentner sauer auf. So sei es auch kein Wunder, dass „noch ältere Leute als wir“ ihre Häuser verkauften. „Wenn man niemanden hat, der einem die Besorgungen abnimmt, gibt man auf und zieht in ein Pflegeheim“, sagt Rudolf Seiger.

Doch der Wandel bringe nicht nur Schlechtes. „Wir freuen uns, dass in den letzten Jahren viele junge Familien mit kleinen Kindern in die Nachbarschaft gezogen sind und Leben in den Ort bringen“, sagt die 77-jährige begeisterte Schwimmerin. Viele ältere Bewohner haben ihre Häuser verkaufen müssen, weil sie sich nicht mehr alleine haben versorgen können. „Ohne fahrbaren Untersatz ist man hier aufgeschmissen“, wissen die Eheleute. Dafür habe die Bergkette mit der Grundschule und dem Kindergarten für Familien einiges zu bieten. Und der fußballbegeisterte Rudolf Seiger fügt hinzu: „Außerdem sind die Bauplätze und Häuser hier vergleichsweise günstig. Und natürlich macht der TSV Bückeberge ganz viel.“

Die Tochter der beiden ist Übungsleiterun und bietet für Senioren Turnen an. Außerdem bedeute hier das Wort „Nachbarschaft“ noch etwas. „Wenn bei der Nachbarin die Rollos nicht hochgehen, ruft man und fragt nach, ob alles in Ordnung ist“, erzählt der 79-Jährige. Hier passe einer auf den anderen auf. Und die Aussicht erst. „Wir haben hier jeden Tag Urlaub.“

Auf einem 1200 Quadratmeter großen Grundstück hat sich das Ehepaar zusammen mit Tochter Nicole und dem Schwiegersohn ein kleines Paradies auf Erden geschaffen. So schön wie jetzt, hatte es Rudolf Seiger auch in seiner Kindheit. Dass seine Eltern ihr Haus damals am Mühlenbachstadion gebaut haben, hat Rudolf Seigers Leben geprägt. „Meine Brüder und ich konnten aus dem Garten auf den Sportplatz“, erinnert sich der rüstige Rentner, der sein ganzes Leben dem TSV Eintracht Bückeberge gewidmet hat. 1948 ist er in den Verein eingetreten, war 30 Jahre lang Jugendleiter. Heute blickt er auf 50 Jahre Vorstandsarbeit zurück. Und auch seine Frau hat sich in all den Jahren ehrenamtlich mitgearbeitet. Für beide steht fest: „Solange wir noch gesund sind, bleiben wir hier.“

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