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Betriebsrat: Gewerkschaft als Arbeitgeber „skandalös“

Stadthagen / „Arbeit und Leben“ Betriebsrat: Gewerkschaft als Arbeitgeber „skandalös“

In der Sache „unnötig“ und in der Vorgehensweise gar „beschämend“. So hat Betriebsratsvorsitzender Ralf Kempe die Schließung der Stadthäger Filiale der gewerkschaftseigenen Bildungsvereinigung „Arbeit und Leben“ Niedersachsen-Mitte gGmbH kritisiert.

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Wird bis Ende September „abgewickelt“: der Standort von „Arbeit und Leben“ an der Fröbelstraße.

Quelle: rg

Stadthagen (ssr). Wie ausgerechnet eine Gewerkschaftseinrichtung sich hier als Arbeitgeber verhalte, sei „skandalös“, empörte sich der Arbeitnehmervertreter.

Der Standort an der Fröbelstraße ist zum 31. August geschlossen worden, wie Martina Laschke, Geschäftsführerin von „Arbeit und Leben“ Niedersachsen-Mitte, gestern auf Anfrage bestätigte. 13 der 17 Mitarbeiter sei mit Wirkung zum 31. August gekündigt worden, vier hätten andernorts Stellen bei „Arbeit und Leben“ erhalten, führte Laschke aus. Noch bis Ende September werde der Standort „abgewickelt“.

Die Schließung sei „völlig unvermeidbar“, sagte Laschke, Schon seit Jahren habe die Geschäftsstelle in Stadthagen „hoch defizitär“ gewirtschaftet. Jahrelang sei sie durch andere Unternehmensteile „quersubventioniert“ worden. Das habe nun beendet werden müssen, „um Arbeit und Leben Niedersachsen Mitte nicht in Gänze existentiell zu gefährden“.

Am Standort Fröbelstraße seien Maßnahmen zur überbetrieblichen und berufsorientierenden Ausbildung vor allem in den Berufsbereichen Metall, Maler, Zerspaner und Gartenbau geleistet worden, schilderte Laschke. Es sei gelungen, die insgesamt 54 Teilnehmer in Kursen anderer Anbieter unterzubringen.

Speziell in den genannten Bereichen habe sich die Auftragslage vor allem durch die Agentur für Arbeit und das Job-Center in jüngerer Zeit immer mehr verschlechtert, umriss Laschke den Hintergrund der Schließung. Zudem gebe es zunehmend Konkurrenz durch „Billiganbieter“. Es sei für die Lage in der Weiterbildungsbranche „bezeichnend, dass über einen Mindestlohn verhandelt wird“. Wer bei seinem Personal eine althergebrachte Tarifstruktur mit guten Löhnen habe wie „Arbeit und Leben“, der habe es auf diesem Markt ungemein schwer.

Genau dieses Personal, das chon erhebliche Zugeständnisse geleistet habe, bei jeder sich bietenden Gelegenheit los zu werden, darauf lege es „Arbeit und Leben“ offenbar an, hält Kempe dagegen. Der Betriebsrat habe „mehrere realistische Varianten“ für eine Fortführung des Stadthäger Standortes vorgelegt. Im Kern hätte das ein abgespecktes Angebot in verkleinerten Räumlichkeiten bedeutet, das ein mittelfristiges Auslaufen der Filiale unter für die Mitarbeiter sozialverträglichen Bedingungen ermöglicht hätte, so Kempe. Das sei von Laschke aber „brüsk als unseriös“ abgetan und nicht weiter beachtet worden.

Stattdessen habe sich die gewerkschaftsnahe Firma „Soziale und berufliche Weiterbildung in der Region Hannover gGmbH“ (SBW) um Aufträge für überbetriebliche Ausbildung in den Bereichen Metall und Maler am Standort Stadthagen beworben. SBW-Geschäftsführerin ist – Martina Laschke. Das habe unter den früheren Mitarbeitern „zu Kopfschütteln und auch Wut“ geführt, so Kempe. Laschke bestätigte den Vorgang. Die SBW verfüge „halt über eine andere, reduzierte Tarifstruktur“. Allerdings seien die Aufträge letztlich nicht zur Geltung gekommen, weil die SBW jüngst einen Insolvenzantrag habe stellen müssen.

Kempe berichtete weiter, bei der Filialschließung habe „Arbeit und Leben“ Kündigungsfristen nicht eingehalten und sogar „unrechtens“ ein Betriebsratsmitglied gekündigt. Alldas mache die Arbeitnehmervertretung „wütend“.

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