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Betriebsrat: Lohnkosten vier Prozent

Stadthagen / Faurecia Betriebsrat: Lohnkosten vier Prozent

Stephan Weil und Olaf Lies sehen dringenden Erklärungsbedarf: Der SPD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten und dessen Wirtschaftsexperte haben am Freitag Gespräche mit dem Betriebsrat von Faurecia geführt. „Wir fordern die Geschäftsführung auf, der Arbeitnehmervertretung endlich alle Daten und Zahlen vorzulegen, die für die geplante Streichung der 200 Jobs maßgeblich sind“, sagte Lies.

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Erwarten vom Faurecia-Management Begründungen und Zahlen: Der niedersächsische SPD-Chef Olaf Lies (links) und der Schaumburger SPD-Vorsitzende Karsten Becker.

Quelle: rg

Stadthagen (ssr). SPD-Landeschef Lies, der „Schatten-Wirtschaftsminister“ im „Team Weil“, trat im Anschluss zusammen mit dem Schaumburger SPD-Vorsitzenden Karsten Becker, der die spontane Zusammenkunft koordiniert hatte, vor die Presse. Weil hingegen musste direkt zu einem Anschlusstermin aufbrechen.
Beeindruckt zeigte sich Lies über die Information aus dem Betriebsrat, dass der Anteil der Personalkosten in der von der Stellenstreichung hauptsächlich betroffenen Sitzbeschlagfertigung nur bei vier Prozent liege. Es handele sich also um „eine hoch automatisierte Fertigung“, die zudem „wirtschaftlich sehr effizient“ arbeite. Dazu trügen „hervorragend ausgebildete Fachkräfte“ bei, schilderte der Wirtschaftsexperte seine Eindrücke von einer Werksbesichtigung: „Das ist hier ein profitabler Standort.“
Ganz offenkundig handele es sich „hier nicht um einen klassischen Fall von Verlagerung eines zu lohnkostenintensiven Standortes, der sich nicht mehr rechnet“, sagte Wirtschaftsexperte Lies: „Ich sehe überhaupt kein Indiz, dass diese Produkte hier nicht weiter wirtschaftlich zu fertigen sein sollen.“ Insofern müsse von der Geschäftsleitung erwartet werden, „dass sie dem Betriebsrat schnell alle Zahlen zur Verfügung stellt“. Denn die Arbeitnehmervertretung wolle „nicht meckern, sondern ganz im Gegenteil konstruktiv an der Erarbeitung einer Perspektive für die Erhaltung des Werkes arbeiten“.
Dazu müsse das Management aber seinen bisherigen Stil ändern, den Lies „schäbig“ nannte. Den Betriebsrat eine Stunde vor der Betriebsversammlung über die Absicht zu informieren und dies alles kurz vor Weihnachten, „so geht man in Deutschland nicht miteinander um“, kritisierte der SPD-Politiker in Richtung der französischen Konzernzentrale.
Lies zeigte sich froh über die parteiübergreifende Solidaritätserklärung der Landtagsfraktionen. „Das zeigt, hier wird auch im Wahlkampf kein Spaltpilz greifen, insofern ist dieses gemeinsame Auftreten durchaus ein politisches Druckmittel“, so Lies. Er sehe Möglichkeiten für das Land, über den für Faurecia überaus wichtigen Auftraggeber VW Einfluss auf die Vorgänge zu nehmen.
Becker zeigte sich dankbar für die spontane Visite von Weil und Lies. Es gehe darum, „alle Chancen auszuloten, die Produktion hier im Werk zu halten“. Aufgabe der Landespolitik müsse es stärker als in jüngerer Zeit sein, sich mit der „Strukturpolitik gezielt um die einzelnen Regionen zu kümmern“.

McAllister fordert „klares Bekenntnis“

Die IG Metall und der Betriebsrat haben Ministerpräsident David McAllister (CDU) bei einem Gespräch in der Staatskanzlei über die Lage bei Faurecia informiert. Das hat die IG Metall in einer Pressenotiz mitgeteilt. Beteiligt waren Hartmut Meine, IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, der örtliche IG-Metall-Chef Thorsten Gröger sowie die Betriebsratschefs Fred Hartmann und Jürgen Bittner.
Meine sagte, die Probleme des Sitzherstellers seien „hausgemacht“ und der Abbau von Arbeitsplätzen sei „betriebswirtschaftlich unsinnig“. „Wird die Produktion von Sitzen verlagert, hat mittelfristig der gesamte Standort keine Perspektive. Produktion und Entwicklung gehören zusammen“, warnte Meine.
Auf Anfrage sagte IG-Metall-Sprecher Uwe Stoffregen, über Details des Gesprächs könne „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts gesagt werden“. IG Metall und Betriebsrat würden jetzt beraten, „welche Schritte nach der Weihnachtspause erfolgen sollen“.
Eine Sprecherin der Staatskanzlei sagte am Freitag auf Anfrage, McAllister „erwartet von der Faurecia-Geschäftsführung ein klares Bekenntnis zum Produktions-Standort Stadthagen“. Er fordere das Management auf, „die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu überdenken“. Details aus dem Treffen wollte die Sprecherin nicht nennen.

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