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Betrüger reißt Freundin mit rein

Stadthagen / Vor Gericht Betrüger reißt Freundin mit rein

Spielsucht hat einen Stadthäger zum Betrüger werden lassen. Im Gefängnis, wo er zurzeit eine frühere Strafe verbüßt, erweist sich der 29-Jährige indes als Muster-Gefangener.

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Quelle: dpa

Stadthagen (ly). Er verdient Geld, hat allen Opfern Briefe geschrieben und begonnen, den Schaden abzuzahlen. Auch deshalb hat das Amtsgericht Stadthagen ihn gestern zwar wegen gewerbsmäßigen Betruges zu 22 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt.
Die Haft habe „erzieherische Wirkung“ gehabt, stellte Richterin Gönna Freifrau von Blomberg fest. Staatsanwalt Timo Goldmann attestierte dem früheren Kellner, dieser habe sich „außerordentlich bemüht“, die Schulden zu begleichen. Eine von mehreren Bewährungsauflagen: Der Angeklagte muss seine Spielsucht therapieren lassen.
In insgesamt 16 Fällen hatte der Betrüger Mobilfunkverträge abgeschlossen, Handys eingesackt und auf die Gebühren gepfiffen, dann wieder Bestellungen bei Internet-Apotheken oder Versandhäusern aufgegeben, ohne später die Rechnungen zu bezahlen. Der Schaden: etwa 2500 Euro. Die Beute: Mobiltelefone, elektrische Zahnbürsten, Kosmetika, Küchengeräte, ein DVD-Player und andere Artikel.
Gleichzeitig hatte der 29-Jährige seine Lebensgefährtin in die Sache reingezogen, indem er bei Bestellungen im Internet stets den Namen der Frau angab. Gestern konnte die 39-Jährige aufatmen: Das Gericht sprach sie vom Vorwurf der Beihilfe frei. „Die Angeklagte war blind vor Liebe und wurde von ihm über den Tisch gezogen“, glaubt Staatsanwalt Goldmann. Der Mann habe sie in dem Glauben gelassen, er betreibe einen Handel mit Mobilfunkgeräten.
„Ich war auf der Arbeit“, erklärte die Stadthägerin selbst. „Was er so lange am Computer machte, wusste ich nicht. Und von den Bestellungen erfuhr ich erst, als die Päckchen bei mir ankamen.“ Nachdem die ersten Mahnungen eingetroffen waren, versicherte der Mann stets: „Das wird auf jeden Fall von meinem Konto bezahlt.“
Vor Gericht bekannte sich der Angeklagte gestern schuldig, Zeugen mussten nicht mehr vernommen werden. Im Gefängnis ist der Stadthäger nachdenklich geworden. „Ich habe damals nur ans Spielen gedacht“, versuchte er eine Erklärung und entlastete die Frau neben ihm: „Sie wusste von nichts.“
Die nicht vorbestrafte Stadthägerin war selbst zur Polizei gegangen. Dem Vernehmen nach hatte sich der Betrüger von ihr Geld geliehen, ohne es zurückzuzahlen. Damit könnte sie ebenfalls zum Opfer geworden sein – ganz abgesehen von der Zitterpartie vor Gericht.
Wegen Betrugs in 13 Fällen sitzt der Mann seit Oktober vergangenen Jahres in der Justizvollzugsanstalt. Auf freien Fuß kommt er voraussichtlich im Sommer 2013. Dann wird sich zeigen, ob er an einer Spielhalle vorbeigehen kann, ohne diese zu betreten.

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