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Bier ist aus

Schaumburger Brauerei Bier ist aus

„In Stadthagen wird viel gutes Bier gebraut.“ Die Zeile im Heimatlied vom Weserbogen muss wegfallen oder in die Vergangenheit gesetzt werden. Montag sind bei der Schaumburger Brauerei die Lichter ausgegangen. Die 143-jährige Geschichte des Familienunternehmens geht mit der Insolvenz zu Ende.

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Unser Land – unser Bier.“ Der Werbeslogan der Schaumburger Privatbrauerei – nach der ersten Insolvenz als Schaumburger private Braumanufaktur firmierend – prangte seit den neunziger Jahren auf riesigen Werbeplakaten vor Supermärkten und an den Hauptstraßen, fand sich im Internet und in Zeitungsannocen. Auf kaum einem Fest, auf keiner Veranstaltung im Schaumburger Land fehlte der süffige Gerstensaft.

Die Geschichte der Brauerei, die ihre Produkte vorwiegend in Stadthagen und im Umkreis von 50 Kilometern der Kreisstadt verkaufte, begann im 19. Jahrhundert. 1873 wurde die Schaumburger Brauerei von drei Unternehmern gegründet: dem Glasfabrikanten August Lagershausen, Ziegeleibesitzer Heinrich Möller und Mühlenbesitzer Wilhelm Lambrecht. Auf dessen Grundstück an St. Annen blieb die Brauerei ansässig.

Die erste Lieferung der frisch gegründeten Bierherstellung erfolgte jedoch nicht an Stadthäger Gastronomen. Das Bier ging zum Bergarbeiterfest auf der Lieth in Obernkirchen. In Stadt und Land gewann das Stadthäger Produkt schnell viele Freunde.

Die Brauerei ging mit der Zeit: 1897 wurde eine mit Dampfkraft betriebene Eismaschine zur Kühlung der Bierkeller und zur Eiserzeugung angeschafft.

1905 schieden die Familien Möller und Lagershausen aus der Firmengesellschaft aus. Ein Jahr später hieß die neue Gesellschaft Koch, Ahlmer und Lambrecht II. Durch den Aufschwung im Bergbau und den Bau des Mittellandkanals, bei dem viele durstige Arbeitskräfte eingesetzt waren, kam es zu einem starken Umsatzzuwachs. Erstmals wurden 20 000 Hektoliter Bier ausgestoßen, in den besten Jahren waren es schließlich 70 000 Hektoliter.

Immer mehr Gasthäuser und Restaurants verlangten um 1900 das Schaumburger Bier. Große pferdebespannte Planwagen brachten den Gerstensaft weit ins Schaumburger Land. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden sie zum großen Teil durch Kraftfahrzeuge ersetzt. Der letzte Pferdewagen war jedoch bis 1952 im Einsatz.

1934 traten die Gesellschafter Koch und Ahlmer aus der Firma aus. Als neue Gesellschafter fungierten Emmy Wiksner, geborene Lambrecht, und deren Ehemann Heinrich Wiksner sowie Wilhelm Lambrecht III. Ein wichtiger Schritt zur Qualität des Schaumburger Bieres war der Anschluss an die Bornauquelle im Jahr 1936.

Der Zweite Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt in die Geschäftstätigkeit. Es gab kaum Rohstoffe. Molkebier überbrückte die bierarme Zeit. 1950 kam es dann zu einem starken Umsatzanstieg. In allen Abteilungen der Brauerei wurden Erweiterungen notwendig. 1956 entstanden das Bürogebäude, und ein Gärkeller wurde gebaut.
Nach dem Tode von Heinrich Wiksner im Jahre 1957 wurde die Firma von Emmy Wiksner und Wilhelm Lambrecht III weitergeführt. Das Duo ließ den Lagerkeller ausbauen und einen Öldampfkessel aufstellen. 1962 traten Stephan Wiksner und Wilhelm Lambrecht IV in die Firma ein. Wiederum wurde in allen Betriebsbereichen kräftig investiert, besonders in den Jahren 1966 bis 1972.

1973 feierte die Brauerei ihr 100-jähriges Bestehen auf dem Firmengelände. Die nächsten Jahre waren geprägt von weiteren Umbaumaßnahmen. 1981 entstand ein vollautomatisches Sudwerk mit Würzekühlung.

1987 wurde eine neue Fassfüllanlage installiert. 1991 folgte der Neubau eines Flaschenkellers. Gegen Ende des Jahrtausends musste der Filterkeller ausgebaut werden, um Abfüllaufträgen gerecht zu werden. In eigener Herstellung wurden die Biersorten Pils und Edelherb gebraut, das Kellerbier, das Landbier und im Winter das Bockbier. Alkoholfreies Bier und Weizenbier wurden laut Stephan Wiksner von der Brauerei Maisel in Bayreuth dazugekauft.

Nicht nur die Produktpalette erweiterte sich. Mitte der achtziger Jahre änderte sich das Erscheinungsbild des Unternehmens. Die Firmenfarbe wechselte von Rostrot zu Weiß. Auf die neue Farblinie wurde die gesamte Werbung umgestellt, vom Bierdeckel bis zur Fahrzeugbeschriftung.

Ende 2002 verließ Stephan Wiksner das Unternehmen. 2003 übergab Wilhelm Lambrecht, der Ende 2015 verstarb, die Geschäftsführung an seinen Sohn Friedrich-Wilhelm. Dieser führte neue Produkte ein, Bierbrände und eine Senfsorte zum Beispiel.

Im Sommer 2013 meldete Friedrich-Wilhelm Lambrecht für die Privatbrauerei erstmals Insolvenz an – ein Schock für die Stadthäger. Zwei Jahre später schien es, als könne das Unternehmen weitergeführt werden. Eine zweite Insolvenz endete nun mit dem Aus für den traditionsreichen Stadthäger Betrieb.

sk

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