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Stadthagen Stadt Blut von Fadi S. an Hammer, Jacke und Hose
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Blut von Fadi S. an Hammer, Jacke und Hose
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00:21 14.10.2018
Quelle: pr.
Stadthagen/Hille

Laut Dr. Christoph Leuker habe er an beiden Maurerfäusteln Blut des ermordeten Familienvaters aus Stadthagen gefunden.

Das Blut von Fadi S. stellte der Gutachter außerdem auf einer Jacke von Kevin R. und auf einer Hose von Jörg W. fest. Auch auf einer Kappe für einen Hammer sowie auf einer Klebebandrolle gibt es DNA-Spuren des 30-Jährigen. Außerdem sicherte der Gutachter an einem Messer DNA-Spuren des ermordeten landwirtschaftlichen Helfers Jochen K. sowie des Angeklagten Jörg W. Das Messer hatte die Polizei im Haus des Angeklagten auf dem Dachboden gefunden.

Ein weiterer Zeuge im Prozess um den Dreifachmord ist der vermeintliche Geschäftspartner aus Spanien. Sein Name – Manuel S. – ist auf der Quittung vermerkt, die belegt, dass Fadi S. 5000 Euro für die gemeinsame Geschäftsbeziehung angezahlt hat. Der 58-Jährige sagte vor Gericht aus, dass er weder Geld bekommen noch etwas mit der Baubranche zu tun habe. Er kenne Jörg W. seit 1990 und der gemeinsamen Zeit in Duisburg. Es hätte sich eine Freundschaft entwickelt, die auch gehalten hat, als er zunächst nach Ostfriesland und später nach Spanien gezogen sei.

Rolle der Ehefrau

Dort hätte auch Jörg W. für etwa ein Jahr gelebt, zunächst bei ihm, dann sei er in die Nähe gezogen. Als beide zurück in Deutschland waren – Jörg W. in Hille und er in Diepholz – hätte er seinen Freund mehrmals besucht, so Manuel S. Eines Tages hätte Jörgs Ehefrau Doris W. bei ihm angerufen und erklärt, dass ihr Mann verschwunden sei. Sie habe von Drohungen gegen ihre Person berichtet und dass sie glaube, dass ihr Mann in Schwierigkeiten sei.

Die Rolle von Doris W. ist nicht nur in diesem Zusammenhang Thema, sondern soll es auch grundsätzlich beleuchtet werden – zumindest wenn es nach den Anwälten der Nebenklage geht. „Hier fehlt eine dritte Angeklagte“, sagte Samir Omeirat, Anwalt der libanesischen Familie aus Stadthagen am Rand des Prozesses.

Das sieht auch Rechtsanwalt Christian Thüner so: „Wir müssen unterstellen, dass sie wusste, dass es Tote gibt.“ Immerhin habe der Richter offiziell den SMS-Verkehr verlesen, wo Jörg am 27. August schreibt: „Doris weiß Bescheid. Alles bestens.“ Daraufhin Kevin R.: „Worüber?“ Und die Antwort von Jörg W.: „Über die Kaputten.“

Pflegekind soll aussagen

Omeirat weist zudem darauf hin, dass das Ehepaar W. einen gemeinsamen Ebay-Account hatte. Doris W. müsse demnach gewusst haben, dass ihr Mann keine ernsthaften Geschäfte mit Fadi S. machen wollte. Wie der Rechtsanwalt weiter mitteilt, wolle er bei der Staatsanwaltschaft anregen, ein Ermittlungsverfahren gegen Doris W. einzuleiten.

Das Pflegekind von Jörg W. und seiner Frau, das während der drei Morde auf dem Hof in Hille lebte, soll vor Gericht aussagen. Das teilte der Vorsitzende Richter vor dem Landgericht Bielefeld mit. Das Ehepaar hatte die damals 15-Jährige im Frühjahr 2017 aufgenommen und insgesamt 36 000 Euro für die Betreuung kassiert.

Für das Gericht ist die heute 17-Jährige eine wichtige Zeugin. Sie hatte den Abend des 26. August – an dem der landwirtschaftliche Helfer Jochen K. laut Schätzungen der Ermittler ermordet wurde – mit den Angeklagten Jörg W. und Kevin R. verbracht. Alle Beteiligten sollen einen gemütlichen Grillabend vor einer Blockhütte im Garten des Hofes in Neuenbaum verbracht haben. In der Nähe wurden später die Leichen von Jochen K. sowie des weiteren Mordopfers Gerd F. gefunden. Offenbar will das Gericht klären, ob das Mädchen den Mord gesehen hat.
Auch Doris W. muss sich womöglich auf ein Verfahren einstellen. Die Nebenklage kündigte an, entsprechende Schritte einzuleiten. mt