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Brauerei: "Keine Managementfehler"

Kaputte Abfüllanlage soll Unternehmen den Rest gegeben haben Brauerei: "Keine Managementfehler"

Nur knapp drei Monate nach dem Neustart hat die Schaumburger Brauerei erneut einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das  Amtsgericht Bückeburg hat am Mittwoch eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet.

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Trübe Stimmung bei der Pressekonferenz.

Quelle: rg

Stadthagen. Zum Insolvenzverwalter wurde der Mindener Rechtsanwalt Matthias Lehmann bestellt. Die Sorge um den Standort und die damit verbundenen zwölf Arbeitsplätze sind damit so groß wie nie. Wie Lehmann am Donnerstag mitteilte, bleiben ihm nur drei Monate, um eine Lösung herbeizuführen. Andernfalls müsse die Firma abgewickelt werden.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Schaumburger Private Braumanufaktur GmbH, Friedrich-Wilhelm Lambrecht, machte unmissverständlich klar, dass er selber die Geschäfte unter keinen Umständen weiterführen will: „Ich steige aus, es ist definitiv so, dass ich kein Bier mehr brauen werde.“

Insofern kann eine Lösung nur in einem Kauf durch einen Übernehmer liegen, wie Lehmann bestätigte. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei noch kein Interessent vorhanden. Der Geschäftsbetrieb werde in den kommenden drei Monaten uneingeschränkt weiterlaufen, teilte er mit. Die Zahlung der Löhne und Gehälter sei durch eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gesichert.

Die Schaumburger Brauerei hatte im Juni 2013 schon einmal einen Insolvenzantrag gestellt und war mehr als zwei Jahre lang von einem Insolvenzverwalter gemanagt worden. Am 1. September hatte es einen Neustart unter Lambrechts Führung gegeben.

Der Neustart ist mit vielen Hoffnungen verbunden gewesen. Erst vor knapp drei Monaten hatte die Schaumburger Private Braumanufaktur unter der Regie des geschäftsführenden Gesellschafters Friedrich-Wilhelm Lambrecht losgelegt, nachdem eine zweijährige Insolvenzphase überwunden war.

Von einem „tragfähigen Geschäftsmodell“ war die Rede gewesen. Doch jetzt erneut eine Hiobsbotschaft: Die Brauerei hat wieder einen Insolvenzantrag gestellt.  Wie der vom Amtsgericht Bückeburg eingesetzte Insolvenzverwalter Matthias Lehmann am Donnerstag auf einer Pressekonferenz betonte, müsse nun mit aller Kraft versucht werden, einen Kaufinteressenten zu finden.

Ob es gelingen kann, für das Unternehmen schnell einen Übernehmer zu finden, sei völlig offen. Er wolle freilich bewusst „keine falschen Hoffnungen wecken“, sagte Lehmann: „Bei den Umständen, die wir hier vorfinden, ist keine zu sehr übertriebene Zuversicht angeraten.“ Gleichwohl fügte er mit Nachdruck hinzu: „Es gibt eine realistische Chance, und wir werden alles dafür tun, diese zu nutzen.“

An die Mitarbeiter appellierte Lehmann eindringlich, dabei mitzuziehen. „Ohne deren Unterstützung kann die Chance nicht aufrechterhalten werden.“ Er könne verstehen, „dass die Beschäftigten niedergeschlagen sind bei einer zweiten Insolvenz so kurz hintereinander“. Eine Übernahme müsse aber dadurch ermöglicht werden, „dass der Laden hier gut läuft“. In einer Mitarbeiterversammlung habe er den Beschäftigten gesagt: „Es lohnt sich zu kämpfen, es geht um den Erhalt der Arbeitsplätze.“ Er sei dabei, für die Zahlung der Löhne und Gehälter durch die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes zu sorgen, berichtete Lehmann, „damit die Mitarbeiter trotz der Situation noch einigermaßen motiviert bleiben“.

Nach der Ursache des erneuten Insolvenzantrags gefragt, gab Lambrecht die Ende September kaputt gegangene Abfüllanlage an. Der Schaden betrage „einige 100.000 Euro“. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagte Lambrecht. Das Geld für die nötige Investition in eine neue Anlage habe die Firma nämlich nicht aufbringen können.

Bei dem Versuch, für die Finanzierung einen Bankkredit zu bekommen, sei er gescheitert, berichtete Lambrecht: „Dabei haben wohl zu geringe Sicherheiten und die Vorgeschichte mit der ersten Insolvenz eine entscheidende Rolle gespielt.“ Ebenso habe er erfolglos versucht, eine neue Anlage per Leasing-Verfahren zu erwerben, potenzielle Anbieter hätten ihm abgesagt.

Als Folge davon habe er das Abfüllen der Flaschen und Fässer an die Westheimer Brauerei im Sauerland vergeben. Doch das sei teuer: „Wir müssen die Abfüllkosten tragen und die Spedition für den Transport bezahlen.“ Es habe sich herausgestellt, „dass wir diese Kosten nicht kompensieren können“, sagte Lambrecht. Dazu komme, dass einer der von der Stilllegung der Abfüllanlage durch Entlassung betroffenen Mitarbeiter eine Kündigungsschutzklage eingereicht habe. Dafür müsse eine Rückstellung gebildet werden, was die Liquidität weiter einschränke.

Zudem müsste die Firma eigentlich „die Personalkosten anpassen“, so Lambrecht: Für einen der aktuell noch zwölf Mitarbeiter gebe es keine Verwendung mehr. Doch aus rechtlichen Gründen sei eine Kündigung bei dem betreffenden Beschäftigten nicht möglich.

Ungünstig sei, dass die Situation zu Beginn strukturell eher umsatzschwächerer Monate eingetreten sei. Wäre das etwa Anfang des Sommers passiert, wäre die Lage durch höhere Einnahmen etwas entschärft gewesen, erläuterte Lambrecht. Insgesamt sei der Absatz aber nicht eingebrochen, betonte der Inhaber.

„Wenn ich vor drei Monaten gewusst hätte, dass dieser Schaden mit der Abfüllanlage entsteht, hätte ich das Geschäft nicht weitergeführt“, unterstrich Lambrecht, „aber das konnte ja keiner ahnen.“ Die Anlage ist mehr als 20 Jahre alt. Lambrecht fügte hinzu, dass generell in der Zeit der ersten Insolvenz wenig investiert worden und dadurch ein Investitionsstau entstanden sei.
Insolvenzverwalter Lehmann sagte zur Ursache der Misere: „Ich kann keinen Managementfehler erkennen, das ist einfach das Pech mit der Abfüllanlage gewesen.“

Insolvenzantrag gestellt hat die Schaumburger Private Braumanufaktur GmbH, die für das operative Geschäft, also für die Produktion, den Vertrieb und die Mitarbeiter zuständig ist. Lambrecht gehört außerdem die Schaumburger Brauerei Lambrecht GmbH & Co. KG, zu der die Immobilien, das Anlagevermögen und die Markenrechte zählen und die von der Insolvenz nicht betroffen ist. Er sei offen, diese Firma zu verkaufen, sagte Lambrecht. Dabei versicherte er, es werde weiterhin Schamburger Bier geben, da er die Markenrechte besitze.

Zusammengebraut

Von Marc Fügmann

Nicht einmal drei Monate hat Friedrich-Wilhelm Lambrecht durchgehalten. Der erneute Gang zum Insolvenzgericht passt dabei so gar nicht zu dem rosigen Bild, das der Brauereibesitzer in den vergangenen Wochen von der Zukunft seines Familienunternehmens gezeichnet hat. Ist es tatsächlich, wie von ihm dargelegt, eine Art Verkettung unglücklicher Umstände, die nun wieder zur drohenden Zahlungsunfähigkeit geführt hat? Zweifel sind auch diesmal erlaubt.

Die Halbierung der Mitarbeiterzahl innerhalb der vergangenen zwei Jahre, die Auslagerung des Vertriebsgeschäfts: Wo sind die Effekte dieses Gesundschrumpfens? Weshalb konnte der vormalige Insolvenzverwalter Sascha Bibiha das Unternehmen schon nach kurzer Zeit rentabel führen, was gerade mal ein Vierteljahr nach seinem Ausscheiden nicht mehr möglich sein soll? Warum ist die Abfüllanlage nun plötzlich „kaputt“, während vor drei Wochen nur von der Notwendigkeit einer Modernisierung die Rede war? Hat sich da wirklich so viel Unvorhersehbares zusammengebraut?

In welchem Maße Lambrecht die jüngste Entwicklung mit zu verantworten hat – darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Schon in der ersten Insolvenz hatte die Belegschaft die Sorge, dass ein Neubeginn unter alter Führung die Probleme nicht würde lösen können. Dieses ungute Gefühl hat sich nun bestätigt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Mitarbeiter schon damals die Übernahme durch einen externen Investor bevorzugt hätten.

Doch daran war schon Bibiha gescheitert. Der Mangel an kaufwilligen Interessenten hing nicht zuletzt mit den komplizierten Eigentumsverhältnissen zusammen. Markenrechte, Immobilien und Anlagevermögen gehören auch weiterhin Lambrecht. Wenn Bibihas Nachfolger Matthias Lehmann vor „übertriebener Zuversicht“ warnt, dann sicher nicht ohne Grund. Die Zukunft der Schaumburger Brauerei ist ungewisser denn je.

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Welches Ziel verfolgt Brauereibesitzer Friedrich-Wilhelm Lambrecht? Wie groß ist seine Verantwortung für die Misere? Steckt Kalkül dahinter, oder hat er sich schlicht übernommen? Fragen, die nicht nur die unter der erneuten Insolvenz leidende Belegschaft bewegen. Auch Branchenfachleute rätseln.

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