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Brauerei füllt mit „kaputter“ Anlage ab

Lambrecht widerspricht Betriebsrat Brauerei füllt mit „kaputter“ Anlage ab

„Kaputt“ – ein Begriff, der offenbar reichlich Interpretationsspielraum lässt. Tatsache ist: In der Schaumburger Brauerei wurden am Montag mit einer funktionierenden Maschine rund 30.000 Flaschen Bier abgefüllt. Und dass, obwohl Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht in der vergangenen Woche behauptet hatte, die Abfüllanlage sei „kaputt“.

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Am Montagvormittag: Auf den Förderbändern der Schaumburger Brauerei rotieren die Bierflaschen. Abgefüllt wird eine sogenannte Handelsmarke. Firmenchef Friedrich-Wilhelm Lambrecht bezeichnet die Abfüllanlage dennoch als „kaputt“.

Quelle: pr.

Stadthagen. Nach SN-Informationen sind am Montag zwei Sorten Bier produziert worden, beides Lohnaufträge. In einem Fall handelte es sich um die Biersorte „Kirschenholz“ einer kleineren Hausbrauerei in Schleswig-Holstein. Das zweite abgefüllte Bier war das dunkle Landbier „Steinhuder Hecht“ im Auftrag einer regionalen Einzelhandelskette. Dem Vernehmen nach hat es im November bereits zwei weitere vergleichbare Abfülltage gegeben.

Wie berichtet lässt Lambrecht die Abfüllung seit Anfang November in der Westheimer Brauerei im Sauerland erledigen, da die hiesige Anlage nach seiner Darstellung „kaputt“ ist. Dass am Montag hier abgefüllt worden ist, stelle dazu keinen Widerspruch dar, sagte Lambrecht am Montag auf SN-Anfrage. Die Auslastung habe lediglich „60 bis 70 Prozent“ betragen. Und es habe sich „um eine Ausnahme“ gehandelt. Er habe vertraglich vereinbarte Lieferzeiten einhalten und deswegen mit einem gewissen Risiko hier abfüllen müssen.

Grundsätzlich sei die hiesige Abfüllanlage aber kaputt, bekräftigte Lambrecht. „Sie kann jeden Tag stehen bleiben, jeden Moment kann ein Teil ausfallen.“ Daher habe die Anlage „nicht die Substanz, auf Dauer zu funktionieren“. Die Abfüllmenge, die für die Schaumburger Brauerei nötig sei, könne diese Anlage nicht risikofrei bewältigen. „Ich muss aber Produktionssicherheit haben und die Qualität garantieren – und das kann ich mit dieser Abfüllanlage auf Dauer nicht“, macht Lambrecht deutlich.

In Reaktion auf die im SN-Gespräch von Betriebsratschef Fritz Sölter getroffene Aussage, die Anlage sei nicht kaputt, sagte Lambrecht: „Ich bin als Inhaber der Einzige, der sich da auskennt und der es wissen kann.“ Wenn die Anlage nicht kaputt wäre, „würde ich die Abfüllung doch nicht fremdvergeben, das wäre ja betriebswirtschaftlicher Nonsens“. Am morgigen Mittwoch werde im Übrigen die Etikettieranlage zur Westheimer Brauerei gebracht, dann sei mit dem Abfüllen in Stadthagen definitiv und vollends Schluss, kündigte der Brauerei-Geschäftsführer an.

Um hier wieder eine funktionsfähige Abfüllanlage stehen zu haben, müsste Lambrecht nach eigenen Angaben mindestens 400.000 Euro investieren. Dieses Geld sei von der Schaumburger Privaten Braumanufaktur im Moment nicht aufzubringen. Mit den finanziellen Folgen der Fremdvergabe der Abfüllung hatte Lambrecht begründet, warum die Braumanufaktur einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Lambrecht hatte Ende vergangener Woche für die Brauerei einen Insolvenzantrag gestellt, den zweiten innerhalb von 30 Monaten. Nach der ersten Insolvenz hatte er den Betrieb vor gerade erst drei Monaten wieder übernommen. ssr

Preiswerte Handelsmarke

Nach Branchenschätzungen produziert die Schaumburger Brauerei jährlich rund 35.000 Hektoliter Bier, wovon nur 20.000 Liter auf Eigenmarken entfallen. Bei den restlichen 15.000 Hektolitern handelt es sich um Handelsmarken, die in Stadthagen abgefüllt werden. Dazu gehört auch der „Steinhuder Hecht“, hergestellt im Auftrag von Coop Kiel. SN-Leser Uwe Marwell entdeckte die dunkle Sorte in einem Supermarkt in Ahlbeck auf Usedom. „Es schmeckt sogar wie unser Landbier“, so sein Urteil. Im Gegensatz zur Originalabfüllung ist der Kistenpreis mit 7,99 Euro aber deutlich billiger. Das Handelsmarkengeschäft mit Produkten zum Discounterpreis ist in der Brau-Branche recht verbreitet. Marwell ist darüber trotzdem sauer. „Ich bin fertig damit. Die Belegschaft tut mir leid, für Herrn Lambrecht habe ich kein Verständnis.“ mf

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