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Briefträger entsorgt drei Kisten Post

Stadthagen / Gefeuert Briefträger entsorgt drei Kisten Post

Liebe Grüße von Verwandten, Einladungen zu Feiern, hier und da wohl auch ein Geldschein: Vergebens warten viele Menschen Anfang Februar auf ihre Post. Niemand ahnt, dass drei gelbe Kisten in Stadthagen an der Bahnlinie nach Minden stehen. Entsorgt hat die lästigen Sendungen dort der Briefträger persönlich. Richter Kai Oliver Stumpe geht davon aus, dass der Zusteller an jenem Wintertag schlicht „keinen Bock“ hatte. „Er fühlte sich überlastet“, glaubt Staatsanwalt Günter Wilkening.

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Stadthagen (ly). Wegen Verletzung des Postgeheimnisses hat das Amtsgericht Stadthagen den 24-Jährigen gestern zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt, umgerechnet 40 Tagessätze. Gegen die Entscheidung ist allerdings noch Berufung möglich. Parallel läuft ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht, nachdem die Post den Stadthäger gefeuert hat. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, betont der junge Mann selbst. Er will nicht bemerkt haben, dass auf seiner Tour ein Teil der Briefe und Paketsendungen fehlte, nach eigenen Angaben etwa ein Drittel.

Die Beweise sprechen eine andere Sprache. So waren die Kisten nicht weit von der Wohnung des Zustellers gefunden worden, rund anderthalb Kilometer entfernt, wie eine Polizistin schätzt. Außerdem hatte niemand Briefe aufgerissen oder auch nur die Behälter durchwühlt. „Kein Empfänger hat sich über den Verlust einer erwarteten Wertsendung beschwert“, erinnert Richter Stumpe. Hinzu kommt: Am Tag der Tat, dem 2. Februar, war der Zusteller auffallend zeitig zurück, obwohl er die Tour zuvor mehrfach nicht geschafft hatte. Unterm Strich steht für das Gericht zweifelsfrei fest, dass es nur der Angeklagte gewesen sein kann.

Die andere Version sieht so aus: Unterwegs stehen mehrere Abholkästen, damit Briefträger nicht alles auf einmal mitschleppen müssen. Obwohl der einzige unverschlossene Kasten auf der Tour ausschließlich für Postwurfsendungen reserviert war, hätte ausgerechnet an dem Tag ein Kurierfahrer Kisten mit unterschiedlicher Post darin deponiert haben müssen. Dann wäre ein Dieb gekommen, hätte diesen Kasten leergeräumt und seine Beute zufällig nahe der Wohnung des Briefträgers abgestellt. Natürlich - so ein Zufall - ohne die Kiste nach Wertsendungen zu durchsuchen. Richter Stumpe sind das ein paar Zufälle zuviel.

Fast wirkt die Tat, als habe es der Zusteller darauf angelegt, gefasst zu werden. Ein Blackout wäre ebenfalls denkbar. Denn: Erstens führt die Bahn in jenem Bereich regelmäßig Kontrollen durch. Nach einem Tag waren die Kisten einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes aufgefallen, versteckt hinter Röhren und Schwellen. Zweitens gehen Hundebesitzer dort gern mit ihren Vierbeinern Gassi, was der Briefträger wusste. Und drittens führte die Spur von der Anschrift auf den Briefen, alle aus dem damaligen Bezirk des 24-Jährigen, direkt zum Postboten. Leichter kann man es der Polizei nicht machen.

Verteidiger Michael Tusch sieht das anders. „Mein Mandant hat einen Ofen und hätte die Briefe verfeuern können“, gibt er zu bedenken. „Das wäre auf Nummer sicher gewesen.“

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