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Damke: Bier wird nicht schlechter werden

Brauerei-Insolvenz Damke: Bier wird nicht schlechter werden

Die Nienstädter Getränkeverleger Hans-Harm und Christian Damke wollen dafür sorgen, dass die Marke „Schaumburger Bier“ trotz der Brauerei-Schließung weiterlebt. Im SN-Interview erklären sie ihre Beweggründe und Strategie.

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Stadthagen. 143 Jahre nach ihrer Gründung steht die Schaumburger Brauerei vor dem Aus – das Ende der Produktionsstätte auf St. Annen dürfte am Montag vom Insolvenzgericht besiegelt werden. Die Marke „Schaumburger Bier“ soll indes weiterleben. Dafür wollen die Nienstädter Getränkeverleger Hans-Harm und Christian Damke sorgen. Nachdem sich Vater und Sohn die Marken-Nutzungsrechte gesichert haben, wollen sie das Bier künftig in der sauerländischen Westheimer Brauerei produzieren lassen und dann unter eigener Regie in Schaumburg vertreiben.

Ein Bier, das hier nicht hergestellt wird, ist für viele kein Schaumburger mehr. Glauben Sie, dass Ihre Rechnung aufgeht?
Hans-Harm Damke: Der Einwand ist berechtigt, weil das Bier tatsächlich nicht mehr aus Stadthagen kommen wird. Rezeptur und Zutaten bleiben aber weitgehend identisch. Das gilt insbesondere für die Hopfensorten als Hauptgeschmacksträger. Und mit Sicherheit wird die Qualität nicht schlechter werden. Da hat es zuletzt ja einige Probleme gegeben.
Das wird vielen Kunden womöglich nicht reichen …
Hans-Harm Damke: Ja, das ist ein sehr emotionales Thema. Da spielt der Kopf mit. „Meyers Bitter“ gilt auch noch immer als Stadthäger Schnaps und wird hier überall getrunken, obwohl die Marke seit Jahren einem Paderborner Spirituosenhersteller gehört und in einer westfälischen Brennerei entsteht.
Warum haben Sie dann nicht gleich die Schaumburger Brauerei aus der Insolvenz heraus gekauft?
Christian Damke: Die Frage ist uns in den letzten Wochen oft gestellt worden, aber wir wollten einen Neustart ohne Altlasten.
Hans-Harm-Damke: Zumal wir keine Brauer sind, sondern Händler. Die Braubranche ist ein knallhartes Geschäft geworden – das macht man nicht nebenbei. Außerdem wollen wir als Großhandel andere Brauereien, deren Produkte wir verkaufen, nicht verprellen.
Christian Damke: Wir werden deshalb auch keinen unserer Kunden zum Umstieg auf Schaumburger drängen.
Es gibt Spekulationen, Sie könnten möglicherweise als Strohmänner für Noch-Brauereichef Friedrich-Wilhelm Lambrecht fungieren, weil der weiß, dass er selbst von vielen Kunden nicht mehr akzeptiert wird.
Hans-Harm Damke: Das ist Unsinn. Herr Lambrecht spielt keine Rolle mehr, ist auch nicht an Umsätzen oder an der neuen Firma beteiligt.
Christian Damke: Die haben wir übrigens Donnerstag offiziell gegründet. Geschäftsführer und alleinige Gesellschafter sind mein Vater und ich. Wir haben bewusst eine ganz klare räumliche Trennung vollzogen, wollen deshalb auch das alte Brauerei-Gelände nicht nutzen. Stattdessen haben wir zusätzlich eine 1600 Quadratmeter große Halle im Nienstädter Gewerbegebiet angemietet.
Wie viel Geld haben Sie Herrn Lambrecht für die Nutzung der Markenrechte gezahlt, und welche Laufzeit hat der Vertrag?
Christian Damke: Der Vertrag läuft erst einmal über zehn Jahre – mit der Option auf mehr. Hans-Harm Damke: Im Gegenzug haben wir zunächst einmal die Reste der fertig lagernden Ware gekauft und darüber hinaus von Herrn Lambrecht alle Pfand-Verpflichtungen übernommen. Es sind ja massenweise Kisten und Fässer unterwegs, für die bei der Leergut-Rückgabe Geld gezahlt werden muss. Zusammengerechnet macht das sicher deutlich über 100 000 Euro aus.
 Und dann sind da noch die Verpflichtungen aus Bierlieferverträgen, in die wir eingetreten sind: In der Branche ist es üblich, dass Kunden – ob Gaststätten oder Vereine – von der Brauerei finanziell unterstützt werden, etwa um Mobiliar für den Schankraum anschaffen zu können. Diese Darlehen werden später über die Abnahme einer fest vereinbarten Menge Bier zurückgezahlt. Wenn die Brauerei nun kein Bier mehr liefert, würde dies eine Rückzahlungspflicht auslösen. Hier springen wir ein: Herr Lambrecht bekommt von uns das Geld, die Vereinbarungen mit den Vereinen gehen dafür auf uns über. Uns – das meint übrigens auch noch einige andere Getränkegroßhändler in Schaumburg.
Warum engagieren Sie sich überhaupt in dieser Weise?
Hans-Harm Damke: Unser Unternehmen war schon immer sehr eng mit der Schaumburger Brauerei und deren Bier verbunden. Die Insolvenz haben zwar auch wir nicht verhindern können, aber die Marke ist es wert, erhalten zu bleiben.
Aber es geht bestimmt nicht nur um Verbundenheit, sondern auch um Geld?
Hans-Harm Damke: Zunächst sind die Investitionen für uns sehr überschaubar, das unternehmerische Risiko ist folglich beschränkt. Darüber hinaus ist es für jeden Getränkegroßhändler interessant, eine exklusive Marke im Angebot zu haben. Das erhöht nicht nur die Attraktivität. Man unterliegt weniger dem Wettbewerb und hat mehr Möglichkeiten, den Marktauftritt zu gestalten.
Christian Damke: Was auch für den Kunden von Vorteil sein kann: Wir werden beispielsweise zum Start über alle Sorten hinweg den Kistenpreis um einen Euro reduzieren, um gegenüber den großen nationalen Marken konkurrenzfähiger sein zu können und den Absatz zu stabilisieren.
Wie billig soll’s denn werden? Das Schaumburger war jüngst in den Regalen von Coop in Kiel für 6,99 Euro aufgetaucht – unter dem Namen „Steinhuder Hecht“. Das kam hier nicht gut an.
Christian Damke: Ein solches Verramschen als Zweitmarke wird es mit uns nicht geben. Macht auch keinen Sinn, weil wir ja nicht selbst eine Brauerei betreiben und auf diese Weise Überkapazitäten in den Markt drücken müssen. Das Schaumburger wird in Zukunft ausschließlich als Schaumburger zu kaufen sein.
Wann kommt die erste unter Ihrer Regie produzierte Flasche Schaumburger Bier in den Handel?
Hans-Harm Damke: Wir gehen davon aus, dass die Vorbereitungen bald abgeschlossen und es in etwa sechs Wochen so weit sein wird.

Interview: Marc Fügmann

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