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Stadthagen Stadt „Das gleicht einem Beschäftigungsverbot“
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Das gleicht einem Beschäftigungsverbot“
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00:16 23.07.2016
Symbolbild Quelle: dpa
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STADTHAGEN

Bisher hatten Bankhäuser bei der Vergabe von Baukrediten einen großen Spielraum, weil das Pfandrecht an der Immobilie als Sicherheit galt. Das neue Gesetz sieht aber nun vor, dass die Bank einen Kredit nur noch vergeben darf, wenn sicher ist, dass der Kunde die Darlehensraten während der gesamten Laufzeit des Kredites bezahlen kann. Verbände von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Handwerkskammern in Niedersachsen gehen davon aus, dass es besonders für Personen mit geringerem Einkommen schwieriger wird, an einen solchen Kredit zu kommen.

Rückgang von Aufträgen wird befürchtet

Die hiesige Bauwirtschaft befürchtet laut Pape, dass es infolge von weniger Baukrediten mittelfristig zu einem Rückgang an Aufträgen kommt. „Hier wird die Konjunktur abgewürgt, das gleicht einem Beschäftigungsverbot“, findet Pape deutliche Worte. Ob ein Kreditnehmer „30 Jahre lang seine Raten zu zahlen in der Lage ist, kann doch sowieso keiner vorhersagen“, argumentiert der Geschäftsführer. Die Banken hätten auch bisher schon ausreichend Instrumente zur Sicherheit gehabt.

Mit Blick darauf, dass das Gesetz eine EU-Vorgabe erfüllt, sagt Pape: „Wenn die EU laufend solche Sachen macht, muss sie sich nicht wundern, wenn Staaten austreten.“ Die Kreishandwerkerschaft werde in den kommenden Wochen ihre kritische Position bei Gesprächen mit dem hiesigen EU-Abgeordneten Burkhard Balz, dem Bundestagsabgeordneten Maik Beermann und dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies kundtun, kündigt Pape an.

Zu früh um Auswirkungen abzuschätzen

Gelassen hingegen beurteilen Vertreter der hiesigen Sparkassen und Volksbanken die Gesetzesneuerung. Diese führe tatsächlich zu einer Verschärfung der Vergaberichtlinien, räumt Paul Knauthe, Leiter des Vertriebsmanagements der Sparkasse Schaumburg, ein. Es sei aber noch zu früh, Auswirkungen abzuschätzen. Allerdings kann Knauthe noch nicht ausschließen, dass es zu weniger Kreditvergaben kommt. Der Experte der Sparkasse betonte aber, „dass wir auch bisher schon darauf geachtet haben, ob der Kunde sich den Kredit leisten kann, ob das passt – schließlich wollen wir den Kunden ein Leben lang begleiten“.

Ähnlich sieht das Juliane Djouimai, Sprecherin der Volksbank Hameln-Stadthagen. Die Praxis der Beratung und der Kreditvergabe müsse nicht geändert werden, „weil wir immer schon eine sorgfältige Risikoberatung durchgeführt haben“. Auch bisher schon seien Kredite bei zu hohem Risiko abgelehnt worden. Insofern sehe sie nicht, dass künftig weniger Kredite vergeben werden.
Allerdings führe das neue Gesetz „zu viel mehr Aufwand für alle Beteiligten, es entsteht jede Menge Papierkram“, schildert Djouimai. Der Kunde müsse sehr viel mehr offenlegen, die Beratung sei umfassender und müsse akribischer dokumentiert werden. ssr

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