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Stadthagen Stadt Den Geist der Renaissance zitieren
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Den Geist der Renaissance zitieren
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19:11 26.07.2011
Neues und Altes kobinieren: Theodor Vollmer (links) und Udo Jobst haben viele Ideen für die Umgestaltung des Stadtgartens.
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Stadthagen (kil). „Wir wollen einen attraktiven Garten zum Flanieren und Picknicken gestalten, der an historische Strukturen erinnert“, berichtet der Vereinsvorsitzende Udo Jobst. Die Ideen betreffen unter anderem die Rekonstruktion von „türkischen Zelten“ (eine Art Pavillon), die Kombination von Rasen- und Kiesflächen sowie die Installation von ornamentalen Wasserspielen.

Dabei gehe es dem Verein nicht um eine originalgetreue Rekonstruktion des damaligen Lust- oder Schlossgartens aus dem 16. Jahrhundert, betont der Historiker Theodor Vollmer. Der Grundgedanke bestehe vielmehr in der Synthese aus den Ideen der Renaissance und den heutigen Nutzungsansprüchen.

„Wir wollen den Geist der Renaissance zitieren.“ Das heißt, der Verein möchte einzelne Aspekte des ursprünglichen Lustgartens aufgreifen und mit barocken wie modernen Elementen kombinieren. Eine Kopie des ersten Gartens wäre nicht nur zu teuer und wenig pflegeleicht, sondern auch gar nicht umsetzbar, weil keine ausführlichen Pläne der einstigen Gartengestaltung vorlägen und der Lustgarten in der Barockzeit und den Folgejahren mehrfachen Veränderungen unterzogen worden sei.

Die Visionen des Vereins basieren auf der Grundlage von Vollmers Forschungen zur Historie des Stadtgartens. „Den Auftrag hat die Stadt nach der Stilllegung der Brunnen erteilt“, berichtet Vollmer.

Was macht einen Park eigentlich zum Renaissancegarten? Typisch für den Stil ist die geometrische Struktur. Der Stadtgarten war und ist durch Wege, die eine Mittel- und Querachse bilden, aufgeteilt. Die aktuelle Gestaltung gehe auf die sechziger Jahre zurück. „Die Wege waren ursprünglich dreimal so breit wie heute“, weiß Vollmer. Folglich stehe auch die Verbreiterung der Kieswege auf der Wunschliste.

„Außerdem wollen wir das Wasserthema wieder aufgreifen“, erzählt Jobst. „Aus früheren Beschreibungen wissen wir, dass es einmal drei Fontänen gegeben hat.“ Vollmer ergänzt: „Eine ungewöhnliche Fülle, auf die wir wieder Bezug nehmen wollen.“ Der Gedanke bestehe darin, Wasserspiele im Bereich der einstigen Grotte umzusetzen. Diese habe damals am anderen Ende der Mittelachse gegenüber des Lusthauses (heute Stadtgartencafé) gelegen. Weil nicht klar sei, wie die Grotte im Einzelnen ausgesehen hat, könne man sich an stilähnlichen Grotten der Zeit orientieren.

Weitere Pläne betreffen die früheren „türkischen Zelte“, die wohl im 18. Jahrhundert an den Außenseiten des Gartens, rechts und links der Grotte, gestanden haben sollen. Auch da gehe es nicht um eine Nachbildung im Detail, sondern um die Anknüpfung an historische Aspekte.

Bei allen Vorhaben spiele zudem die Renaissance-Idee der Ornamentik eine wichtige Rolle, so Vollmer. Eiben und Buchs könnten den Seitenbereich ornamental bereichern, ebenso wie weitere exotische, zeittypische Pflanzen. „Die Bäume sollen natürlich bleiben“, betont Jobst.

Die Stadt als wichtige Finanzierungsquelle habe das Vorhaben noch nicht abgenickt, beschäftige sich aber bereits mit dem Thema. Einblicke in die Ideen sollen die Bürger während der „Tage der Weserrenaissance“ bekommen. Zusammen mit der Stadtverwaltung und dem Gartenbauverein plant der Verein eine Ausstellung zur Historie des Stadtgartens in der Zehntscheune.

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