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„Den Leuten ein Stück Heimat bieten“

Interview mit Jürgen Ahrens „Den Leuten ein Stück Heimat bieten“

Das Modehaus Hagemeyer gilt neben der Marktpassage als letzter großer Innenstadt-Magnet. Im Gespräch mit den SN macht der geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Ahrens deutlich, welche unternehmerischen Ziele er verfolgt und welche Erwartungen an Politik und Verwaltung hat.

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Jürgen Ahrens fordert im SN-Redaktionsgespräch eine bessere Verkehrsführung in Stadthagen.

Quelle: rg

Stadthagen. Herr Ahrens, hat sich für Hagemeyer das Konzept „weg vom Kaufhaus, hin zum Modehaus“ bewährt?

Ja, das Konzept funktioniert in Stadthagen sehr gut. Die Ansprüche der Kunden an die einzelnen Sortimentsteile sind gestiegen und nur durch die Konzentration waren diese Ansprüche zu erfüllen. Man kann nicht überall gleich gut sein, da muss man sich konzentrieren. Wichtig war auch, dass wir uns noch speziellere Kompetenz angeeignet haben.

Planen Sie weitere Veränderungen?

Irgendwann werden wir sicher noch einmal die erste Etage umbauen, vor allem mit Blick auf die Damenoberbekleidung. Denkbar ist auch eine Ausweitung des ergänzenden gastronomischen Angebots.

Wie wichtig wäre für Hagemeyer eine Ausdehnung der Fußgängerzone bis vor die Eingangstür?

In einem klassischen Einkaufscenter ist die beste Fläche die zwischen zwei großflächigen Ankermietern. In diesem Fall wäre das die Verbindung zwischen Marktpassage und Hagemeyer. Es täte der Stadt als Einkaufszentrum gut, wenn dieser Bereich aufgewertet würde: frei von Autos und ohne ein Kopfsteinpflaster, auf dem sich jede Frau mit höheren Absätzen irgendwas abbricht. Doch selbst wenn der Verkehr bliebe, könnte die Situation durch eine Verschiebung des vorhandenen Walldurchbruchs nach Norden entschärft werden. Es bliebe der kreuzende Verkehr von der Wallstraße zum Viehmarkt. Aber das wäre in Ordnung. Wichtig ist am Ende, dass der Autofahrer über die Schwelle muss und nicht der Fußgänger.

Was ist mit Ihren Plänen, zwischen Volksbank und Hagemeyer Einzelhandelsflächen zu entwickeln, um eine attraktivere Anbindung an den Markt zu erreichen? Das Eckgrundstück gehört Ihnen ja zumindest schon…

Das sind Pläne, die wir weiterhin verfolgen. Wir befinden uns auch in Gesprächen mit Interessenten, aber konkrete Ergebnisse gibt noch es nicht.

Was erwarten Sie von der Stadtverwaltung im Hinblick auf eine Attraktivitätssteigerung des Einzelhandelsstandortes?

Wenn die Verwaltung einem unter die Arme greift, wenn man sie braucht, ist das schon in Ordnung. Und das macht die örtliche Stadtverwaltung eigentlich ganz gut. Ich habe den Vergleich zu Minden – und da kann ich nur sagen: In Stadthagen ist man sehr bemüht, zu helfen.

Gibt es auch Kritik?

Das Einzige, was hier nie geklappt hat, ist eine vernünftige Verkehrsführung rund um die Altstadt. Wenn man beispielsweise von der Vornhäger Straße zu Hagemeyer will, ist das sehr kompliziert. Und man kann Kunden nicht so erziehen, dass man sagt: Parkt doch hier und lauft quer durch die Altstadt zu eurem Ziel! Hier würde ich mir wünschen, dass man dieses Thema endlich angeht. Es gibt genügend Pläne in der Schublade, wir haben schon mal gemeinsam sinnvolle Alternativen ausgearbeitet. Und man kann bei der jetzigen Konjunktur auch nicht sagen, die Stadt hätte für so etwas kein Geld.

Wie gefällt Ihnen die Parkplatz-Situation?

Unter der Woche sehe ich da in Stadthagen kein Problem. Vielleicht ein wenig an Sonnabenden.

Gibt es Dinge, die Stadthagen von Minden, wo sich das Hagemeyer-Stammhaus befindet, lernen könnte?

Wenn Sie so wollen, könnte man von Minden lernen, dass man so etwas wie die Porta-Zentrum-Ansiedlung zehn Autominuten vor den Stadttoren nicht zulassen darf. Das hat Stadthagen richtigerweise lange Zeit mit den Flächen auf der grünen Wiese sehr restriktiv gehandhabt. Daher gibt es hier am Stadtrand keine gebündelten Angebote. Nur deswegen funktioniert der innerstädtische Einzelhandel in Stadthagen überhaupt so gut. Ansiedlungen auf der grünen Wiese ziehen Leute aus der Innenstadt heraus. Das kann man in Minden leider beobachten.

Wie schätzen Sie die Lage von Stadthagen als Einkaufsstadt allgemein ein?

Eine Leerstandsproblematik gibt es auch in anderen Städten. Selbst die Großstädte sind alle am Jammern. Denn das Problem mit der Digitalisierung trifft den Einzelhandel überall gleich. Wir werden die Kunden nur halten können, wenn die den Einkauf auch mit einem Erlebnis verbinden können. Aber das wird sich langfristig auf wenige Orte konzentrieren. Es kommt darauf an, dass Stadthagen da durchhält. Da hat die Stadt aus meiner Sicht aber gute Chancen, dabei zu sein.

Stadthagen schafft das, wenn…

…zum Beispiel der Wochenmarkt erhalten bleibt. Das ist ein wichtiger Treffpunkt, da können sich die Leute austauschen und etwas erleben. Das bringt Kundenfrequenz. Auch die Gastronomie ist ein ganz wesentlicher Faktor. Da wird sich Stadthagen sicherlich noch etwas mehr einfallen lassen müssen. Man muss den Leuten in der Stadt ein Stück Heimat bieten, die finden sie nicht im Internet. Der Online-Handel spielt eine immer größere Rolle.

Für Hagemeyer Gefahr oder Chance?

Ich betrachte Dinge gerne als Chance, aber an diesem Punkt fällt mir das schwer. Für einen funktionierenden Online-Handel brauche ich eine extreme Größe. Die Leute würden denselben Service verlangen wie bei Amazon. Das alles in einem unvergleichlich größeren Absatzgebiet, für das ich viel Werbung bräuchte. Das alles würde enormes Kapital verschlingen. Eine Chance sehe ich durchaus im Bereich einer besseren 1:1-Kommunikation mit den Kunden. Über digitale Kanäle kann man individuelle Angebote machen und gleich Feedback von Kunden bekommen. Diese Möglichkeiten könnten wir in Zukunft noch besser nutzen.

Interview: Marc Fügmann und Stefan Rothe

In dem Magazin „Zukunft braucht Herkunft“, das morgen den Schaumburger Nachrichten beiliegt, lesen Sie unter anderem einen Bericht über ein ausführliches Gespräch mit den früheren und heutigen Stadthäger Geschäftsleuten Jürgen Ahrens, Günter Kreft, Wilhelm Niemitz und Peter Schilling.

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