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Diskussionen um Denkmalschutz

Stadthagen Diskussionen um Denkmalschutz

Die sogenannten Kreft Häuser, die denkmalgeschützten Gebäude der Familie Hauß an der Klosterstraße oder das ehemalige Bahnhofshotel – ihr Zustand und ihre Zukunft sorgen für lebhafte Diskussionen. Hauseigentümer, Stadtverwaltung und Denkmalschutzbehörde geraten immer wieder in Konflikt.

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Im ehemaligen Bahnhofshotel soll Wohnraum entstehen.

Quelle: rg

Stadthagen. Das Stadthäger Stadtbild ist geprägt von mehr oder minder prächtigen Fachwerk- und Renaissancebauten. Doch an vielen der unter Denkmalschutz stehenden Gemäuer hat der Zahn der Zeit schon kräftig genagt. Sie einfach abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen – für Karl-Heinz Wittenberg von der Unteren Denkmalschutzbehörde ist das keine Option.

Früher sei man da großzügiger gewesen, sagt er. Noch bis vor zehn Jahren seien Abbruchgenehmigungen recht fix erteilt worden. Aus Sicht von Wittenberg bedauerlich, weil dadurch ein Stück Stadtgeschichte verloren gegangen sei. Auch wenn viele historische Häuser modernen Nutzungserfordernissen nicht mehr genügen, dürfe nicht vorschnell und pauschal über Erhalt oder Neubau entschieden werden.

„Eigentümer denkmalgeschützter Immobilien haben oft Angst vor den Kosten“, weiß Wittenberg. Dabei gäbe es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten für eine Sanierung. Bei der Beantragung von Zuschüssen sei die Denkmalschutzbehörde gerne behilflich – nach einer individuellen Begutachtung des jeweiligen Objekts.

Wie ein Baudenkmal gerettet werden kann, indem man es wieder nutzbar macht, zeige das Beispiel der heutigen „Avita“-Seniorenresidenz an der Straße Am Stadtpark. Um den heutigen Wohnansprüchen gerecht zu werden, wurden dort zwei historische Komplexe durch einen Neubau verbunden.

„Man kämpft oft gegen Windmühlen“

Eher schwierig gestalte sich die Nachnutzung und damit auch die Sanierung der Kohlenkirche am Georgschacht. Laut Wittenberg „ein Beispiel dafür, wie eines der schönsten und kulturell bedeutsamsten Gebäude zerfällt“. Als die großen Hallen, in denen sich früher die Bergleute nach ihrem Unter-Tage-Einsatz wuschen, in den sechziger Jahren stillgelegt wurden, habe sich leider noch niemand für Denkmalschutz interessiert. Später versuchte die Stadt, das kulturell wertvolle Bauwerk zu retten, scheiterte aber. „Man kämpft da oft gegen Windmühlen“, weiß Wittenberg aus Erfahrung.

Zumal es viele Gebäude gebe, die von außen zunächst gar nicht den Anschein machten, ob man sie überhaupt erhalten könne. Bei genauerer Betrachtung zeige sich jedoch eine gute Substanz. Als Beispiel nennt Wittenberg Fachwerkhäuser an der Klosterstraße. „Die Balken sind nicht verfault, sie sind nicht einsturzgefährdet und entsprechend des Denkmalschutzes gut erhalten.“

Eigentümer Günter Kreft sieht das anders. Er will sie abreißen, um dort zusätzliche Parkplätze zu bauen. Die Stadt machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Für Wittenberg gibt es wenig Spielraum: Man könne „unter Umständen über den Abriss des Eckhauses nachdenken“ und nur das eigentliche Denkmal, das Haus Klosterstraße 27, sanieren und nutzbar machen.

Die Auflagen für den Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes sind streng

Unstrittig ist: Die Auflagen für den Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes sind streng und komplex. Unter anderem müssen Eigentümer den Nachweis erbringen, dass eine Sanierung unwirtschaftlich ist. Auch dürften Immobilien nicht mit dem Vorsatz erworben werden, sie anschließend abzureißen, so Wittenberg.

Nicht nur Kreft, auch Peter Hauß hält diese Argumentation der Behörden für weltfremd. Ihm gehört ein marodes Gebäude-Ensemble auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ginge es nach Hauß, würden die drei alten Fachwerkhäuser abgerissen und durch einen modernen, ansehnlichen Wohnkomplex ersetzt. Mit der Stadt ist das nicht zu machen. In einem den SN vorliegenden, dreiseitigen Schreiben macht die Baubehörde deutlich, dass zumindest zwei der drei Gebäude erhaltenswerte Kulturdenkmale seien. Hauß habe sie vor fünf Jahren als solche und damit „sehenden Auges erworben. Eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit kommt hier nicht zum Tragen“, heißt es.

Hauß widerspricht energisch und verweist auf ein Architekten-Gutachten, das er für eines der Häuser hat erstellen lassen. „Demnach würde die Sanierung nur hierfür zwischen 500.000 und 600.000 Euro kosten. Den Immobilienerwerb noch gar nicht eingerechnet. Das bekomme ich nie wieder herein“, schüttelt er verständnislos den Kopf. Dass er grundsätzlich bereit sei, viel Geld in die Sanierung historischer Bausubstanz zu investieren, habe er in der Vergangenheit mehrfach an anderen Stellen seiner Heimatstadt bewiesen, sagt Hauß. „Mir mangelt es also bestimmt nicht an guter Absicht – aber irgendwie muss das finanziell auch darstellbar sein“, ärgert er sich. Die Konsequenz aus der ablehnenden Haltung der Stadt sei für ihn nun, dass er gar kein Geld in die Hand nehme und die alten Häuser weiter vor sich hin gammelten. mf/tbh

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