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Der Krammarkt krankt

Weniger Buden, steigende Preise Der Krammarkt krankt

 Der Stadthäger Krammarkt ist eine Institution – eine, die bröckelt. Jedes Jahr wird das bunte Treiben überschaubarer. Besucher schimpfen über hohe Preise. Ist der einstige Pflichttermin für Vergnügungswillige noch zu retten?

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Keine rosigen Zeiten für den Krammarkt.

Quelle: Archiv

Stadthagen. Gar nicht mal so alte Stadthäger erinnern sich an Zeiten, in denen die Stände zwischen Hagemeyer und Festplatz dicht an dicht standen. Wer sich da den heutigen Flickenteppich anschaut – hier mal eine Bude, da mal ein Karussell – der könnte den Eindruck gewinnen, der gut gefüllte und besuchte Krammarkt sei eine Erinnerung aus Großmutters Zeiten.

 Die Stadt zeigt sich noch zufrieden. Nicht alle Schausteller teilen diese Einschätzung. Die SN haben mit den Beschickern und der Verwaltung gesprochen.

 „Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen dem Krammarkt am Festplatz und an der Enzer Straße“, erläutert Oliver Theiß. Der Bürgermeister gibt zu: An der Enzer Straße sind es weniger Beschicker geworden. Dies liege daran, dass viele der dort gehandelten Artikel inzwischen auch online oder in Kaufhäusern angeboten werden – teilweise zu günstigeren Preisen.

 Ein weiteres Problem seien die Beschwerden der Anlieger gewesen, erklärt Theiß. Für die Anwohner sei die Sperrung der Straße ein Ärgernis gewesen, weshalb nun nur noch am Sonnabend und Sonntag für die Beschicker die Straße blockiert werde.

 „Der Festplatz ist in diesem Jahr gut besucht und hat schöne Fahrgeschäfte anzubieten“, meint Theiß. Der Bürgermeister ist zufrieden mit dem Krammarkt und auch mit der Situation an der Enzer Straße.

 Bei den Überlegungen der Stadt, die Standgebühren für die Krammarktbeschicker eventuell zu erhöhen (wir berichteten) ist Theiß wichtig, die Meinungen der Schausteller mit einzubeziehen: „Wir müssen da eine gute Mischung finden, um es für alle akzeptabel zu gestalten.“ Eine Erhöhung habe es länger nicht gegeben. Derzeit befänden sich die Gebühren im unteren Bereich.

 Noch findet Tino Noack die Höhe des Standgeldes in Ordnung. Für den Vorsitzenden der Schausteller-Vertreter ist Stadthagen ein fester Termin. Er weiß, dass es einige Beschicker nicht leicht haben. „Gerade neue Stände mit Essen und Trinken müssen die Besucher erst kennenlernen.“

 In Bezug auf die mögliche Gebührenerhöhung hofft Noack, dass die Stadt noch Einsicht zeige, und ist für eine gerechtere Aufteilung der Kosten unter den Beschickern. Wichtig ist ihm, dass die Stadt weiterhin gute Werbung für den Krammarkt macht und auch das Feuerwerk beibehält. Noack: „Die Stadt kann sich den Krammarkt ruhig etwas kosten lassen.“

 SN-Leser bei Facebook sind geteilter Meinung. So schreibt Sandra Krone: „Wir hatten Spaß. Und die Enzer Straße muss bleiben.“ Jaqueline Körber ist enttäuscht: „Es ist nicht mehr das, was es mal war.“ Auch in Bezug auf die Preise müsse sich laut Körber etwas ändern. Viele Facebook-Nutzer sind der Auffassung, dass der Krammarkt zu teuer geworden ist. So schreibt Deli Debbi Rust: „Die meisten können sich das kaum noch leisten.“ Und Nicole Fischer sieht es so: „Dafür gebe ich kein Geld mehr aus – viel zu teuer geworden.“

 Gefühlte Werte – aber was sagen die konkreten Zahlen?

 2007 gab es 54 Beschicker allein an der Enzer Straße und zusätzlich 73 auf dem Festplatz. 2013waren es dann insgesamt nur noch 106. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt weniger als 100 Beschicker, davon 16 an der Enzer Straße. Ein Jahr zuvor standen in diesem Bereich sogar nur Buden.

 „Ein Markt muss so bestückt sein, dass die einzelnen Beschicker auch mit einem guten Umsatz den Markt wieder verlassen können“, argumentiert Iris Freimann vom Fachbereich Bürgerdienste. So gebe es nur noch einen Autoscooter und Verlosungen gar nicht mehr, die Schwerpunkte vieler Beschicker hätten sich verschoben. Größere Lücken habe es auf dem Festplatz in den vergangenen Jahren aber nicht gegeben.

 Aus Gesprächen mit Schaustellern wisse Freimann, dass die erzielten Einnahmen früher deutlich besser waren. Das umfangreiche Freizeitangebot, das Menschen immer vielfältiger zur Verfügung steht, mache sich hier bemerkbar. „Wir freuen uns, dass wir als Stadt trotzdem die traditionellen Veranstaltungen im Frühjahr und Herbst gemeinsam mit den Schaustellern immer wieder attraktiv gestalten können“, sagt Freimann. Die Frage ist nur, wie lange noch.  vr

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