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Detektivarbeit für eine Dampflok

Sammler bringt Licht in Eisenbahn-Geschichte Detektivarbeit für eine Dampflok

Eine Ansichtskarte, die über eine Versteigerung den Weg von Kanada nach Europa findet – und hier an ein fast vergessenes Kapitel der Schaumburger Industriegeschichte erinnert. Erinnerungen an die Rinteln-Stadthagener Eisenbahn (RStE), die heute von vielen Menschen nur noch mit nostalgischen Dampfzugfahrten in Verbindung gebracht wird – aber einmal viel mehr war.

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Das Motiv zeigt eine Lok, die vor über hundert Jahren auf der Strecke zwischen Rinteln und Stadthagen verkehrte.

Quelle: pr.

Stadthagen (mf). Wenn Günther Klebes Feierabend macht, tauscht er den Schulbus, den er in seiner Heimtstadt Erlangen lenkt, am liebsten sofort gegen ein anderes Gefährt. Eines, für das sein Herz schon seit Kindertagen schlägt: die Eisenbahn. Als Jugendlicher begann seine Sammelleidenschaft, heute ist die ganze Wohnung voll mit Modelleisenbahnen, Fachbüchern, von denen er einige selbst verfasst hat, und Fotos mit entsprechenden Motiven. An den Wänden hängen „Rotkäppchen“. So nennen Sammler die meist roten Uniformmützen der Eisenbahner. „Nur echte Lokomotiven fehlen mir noch“, sagt der 66-Jährige schmunzelnd. Natürlich fährt er auch selbst Bahn, wann immer sich ihm die Möglichkeit bietet. Seine Hochzeitsreise machte der dreifache Familienvater vor über 30 Jahren an Bord des berühmten Glacier-Express.

 Als Klebes nun wieder einmal im Internet nach Dingen stöberte, die mit seinem Hobby zu tun haben, wurde er fündig: Bei einer luxemburgischen Internet-Auktion stieß er auf eine Postkarte mit einem nicht näher beschriebenen Eisenbahnmotiv. Der Anbieter lebt in Kanada. Als einziger Bieter bekam Klebes den Zuschlag für gerade mal 1,50 Euro. Das Porto für den eingeschriebenen Brief aus Übersee war damit teurer als die ersteigerte Karte selbst.
 Nach kurzer Recherche fand Klebes dann heraus: Das Bild zeigt eine Dampflokomotive der ehemaligen Rinteln-Stadthagener Eisenbahn, die 1901 in der Stettiner Maschinenbau-AG Vulcan gebaut wurde. Bei der seltenen Lok mit der Bezeichnung 5 hg BSE handelte es sich um eine Maschine der Bauart Hagans-Leitzmann. Geliefert wurde sie zunächst an die Braunschweig-Schöninger Eisenbahn, wo sie bis ins Jahr 1907 eingesetzt wurde, um dann ins Schaumburgische zur RStE zu wechseln. Diese gehörte wie auch die BSE der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft AG, und die Lok behielt dort dieselbe Betriebs-nummer.  Während des Ersten Weltkriegs wurde die Lok nach Gleiwitz zur Sandbahngesellschaft der Gräfl. von Ballestrem’schen und A. Borsig’schen Steinkohlenwerke überstellt. Um 1925 folgte dann abermals ein Wechsel – „diesmal zur Halle-Hettstedter Eisenbahn, wo schließlich 1933 die Verschrottung stattfand“, wie Eisenbahn-Fan Günther Klebes herausgefunden hat. Das endgültige Aus für eine der insgesamt 21 Dampflokomotiven, die sich in der wechselvollen Geschichte im Besitz der Rinteln-Stadthagener Eisenbahn befunden haben.

Für ihn dreht sich alles um die Eisenbahn: Günther Klebes

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