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Die Angst vor Übergriffen wächst

Stadthagen Die Angst vor Übergriffen wächst

Der Absatz von Pfefferspray ist rasant gestiegen. Innerhalb weniger Tage waren die Lagerbestände in Stadthagen vergriffen. Nach den Übergriffen in Köln, Hamburg, Minden und Stadthagen wächst in Schaumburg die Angst.

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Britta Vierke (links) und Imre Schmolla möchten sich im Ernstfall wehren können.

Quelle: tbh

Stadthagen. Frank Marx, der Inhaber des Waffengeschäftes an der Obernstraße, musste nachordern. Die Nachfrage nach den frei verkäuflichen Abwehrsprays ist riesig. Der Grund: Vor allem Frauen scheinen sich nach den sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln und Hamburg nicht mehr sicher zu fühlen.

Auch fern ab der Metropolen wächst die Angst. „Mir machen die Vorfälle in Stadthagen und Minden mehr Sorgen“, sagt Sven Herrmann (41), der für seine Lebensgefährtin nun auch eine Dose CS-Gas gekauft hat. Die Meldungen reißen nicht ab: Am Montag wurde eine 18-jährige Frau in Minden von zwei Männern aus Nigeria angegriffen und mehrfach unsittlich berührt. Ebenfalls eine 18-Jährige wurde vergangenen Donnerstag in Stadthagen nach eigenen Angaben von drei arabisch sprechenden Männern bedrängt. Kurz nach Weihnachten wurde eine 31-jährige Frau in Minden nach einem Besuch in einer Gaststätte von mehreren Männern überfallen. Und auch in Bückeburg hatte ein Mann, nach dem mit Phantombild gefahndet wurde, vergangenes Jahr mehrere Frauen sexuell belästigt.

Imre Schmolla (44) aus Bückeburg und Ihre Schwester Britta Vierke (50) aus Stadthagen haben sich auch Spraydosen zur Selbstverteidigung gekauft. „Wir arbeiten bis spät am Abend“, erklärt Schmolla, die sich nach den Vorfällen an Silvester nun auch nicht mehr sicher fühlt.

Jeden Kunden klärt Marx vor dem Verkauf auf. Im Gegensatz zu Pfefferspray (Wirkstoff: Capsicum), das eigentlich nur für die Abwehr von Tieren gedacht ist, soll das sogenannte Reizgas oder CS-Spray (2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril) zur Selbstverteidigung dienen. Marx betont: Abwehrspray ist nur im Notfall einzusetzen. „Die Verhältnismäßigkeit muss gegeben sein.“ Und immer sollte auch die Polizei alarmiert werden.

„Nicht jede Situation erlaubt jede Form der Abwehr“, betont Axel Bergmann, Präventionsbeauftragter bei der Polizei Stadthagen. Auch solche frei verkäuflichen und nicht waffenscheinpflichtigen Sprays dürfen laut Bergmann nur eingesetzt werden, wenn Gefahr für Leben oder Leib bestehe, wie es im Gesetz heißt.

Eine andere Möglichkeit sich bei Angriffen zu wehren sind Selbstverteidigungskurse. Auch diese stehen offenbar hoch im Kurs. „Eigentlich schon seit den Anschlägen in Paris haben wir vermehrt Anfragen“, sagt Bernd Höhle-Kleinertz, Inhaber des Kampfkunstcenters in Stadthagen. Er rechnet damit, dass die Teilnehmerzahl für die Selbstverteidigungskurse schnell steigen wird. Im Gegensatz zum Kampfsport, wo man sich auf gleicher Ebene begegnet, gehe es im Ernstfall nicht fair zu. In den Selbstverteidigungskursen erklärt Höhle-Kleinertz, wie sich Opfer auch gegen körperlich überlegene Gegner wehren können. Er räumt jedoch ein, dass in extremen Situationen, wie bei den Massenübergriffen in Köln, sowohl Selbstverteidigungstechniken als auch Abwehrspray keine wirksamen Mittel seien. tbh

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