Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Die Einzelteile des Davidsterns

Ehemalige Synagoge Die Einzelteile des Davidsterns

Geraume Zeit hat der Glaskünstler Frieder Korff nach einer Form gesucht, die Fenster der früheren Stadthäger Synagoge künstlerisch zu gestalten. Nun hat er mit der Arbeit begonnen. Die Fenster soll der Davidstern zieren, den Korff künstlerisch „zerlegt“.

Voriger Artikel
Klugmann bittet um „vollen Einsatz“
Nächster Artikel
Barrierefreiheit: Es hat sich einiges getan

Frieder Korff gestaltet in seiner Werkstatt die Glasfenster, die in die Wände der früheren Synagoge eingesetzt werden.

Quelle: rg

STADTHAGEN. Die zündende Idee durchfuhr ihn dann ganz plötzlich bei einem Waldspaziergang: „Da kam ich darauf, den Davidstern, das religiöse Symbol des Judentums, in seine geometrischen Teile zu zerlegen“, erzählt er: „Durch die variable Anordnung dieser Einzelteile auf den Fensterscheiben will ich die jahrtausendelange Zerstreuung des jüdischen Volkes in der ganzen Welt symbolisieren“.

Seit einem Monat ist der Niedernwöhrener dabei, den Auftrag des Fördervereins ehemalige Synagoge Stadthagen zur künstlerischen Gestaltung der acht Fenster des Gebäudes in diesem Sinne umzusetzen. Die Eröffnung des Lern- und Erinnerungsortes in der früheren Synagoge, die seit mehreren Jahren saniert wird, ist für den Herbst geplant.

Vier Farben und viele Formen

Wie geht Korff vor? Zunächst schneidet der 80-jährige Künstler spezielle Glasplatten millimetergenau in Scheiben, die exakt in das Geflecht der Stahlrahmen der 20-teiligen Fenster passen. Die vier großen Fenster der früheren Synagoge sind 2,85 Meter hoch und 1,65 Meter breit und schließen oben mit einem Halbrund ab. Dazu kommen vier kleinere, teils ebenfalls aus mehreren Scheiben bestehende Fenster.

Für die geometrischen Formen nutzt Korff Glas in den Farben rot, blau, gelb und grün: „Ich habe mich bewusst für diese vier Grundfarben entschieden.“ Wie viele geometrische Formen im Davidstern verborgen sind, „davon war ich wirklich überrascht“, bekennt der Künstler: Dreiecke, Rauten, Rechtecke und Quadrate.

Für die Glasmuster auf jedem der vier großen Fenster wählt Korff eine der vier Grundfarben. Er zerschneidet entsprechendes transparentes Farbglas mit einem Viger – einem superscharfen Stahlrädchen – in die geometrischen Formen. Diese legt er in wohlüberlegter Anordnung auf die 20 Teile der Fenster. Dazu kommen sogenannte Stringer, zarte Glasfäden, „mit denen ich den Eindruck der Zerstreutheit noch verstärken will“, verdeutlicht Korff. Die Anordnung der Einzelteile hat Korff schon vor längerer Zeit entworfen und auf Zeichnungen festgehalten, die er jetzt als Vorlage nutzt.

Farbenspiel im Innenraum

Ist er mit der Anordnung der Davidstern-Teile zufrieden, kommen die einzelnen Scheiben in den Ofen seiner Glaskunst-Werkstatt im Niederwöhrener Ortsteil Mittelbrink. Bei bis zu 760 Grad Hitze verschmelzen die Glasformen mit der Scheibe. Mindestens 18 Stunden braucht das Material, um abzukühlen, dann sind die farbigen geometrischen Teile untrennbar mit der Scheibe verbunden. „Diese sogenannte ,Fusing-Technik‘ ermöglicht es, mit Glasmaterial scharf abgegrenzte Farbflächen auf größeren freien Flächen herzustellen“, erklärt Korff. Je nach Lichteinfall werden die bunten Fenster unterschiedlich intensive Farbspiele im Innenraum der früheren Synagoge erzeugen.

Auch einen intakten gelben Davidstern auf blauem Grund wird Korff präsentieren, in einem runden Fenster an der Ostseite der ehemaligen Synagoge.

Als Glaskünstler betätigt sich Korff nach eigenen Angaben seit gut 30 Jahren. Hauptberuflich war er nach einem Studium an der Glasfachschule im bayerischen Zwiesel bis 1990 in Rinteln als Glashüttentechniker tätig gewesen. ssr

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr