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Stadthagen Stadt „Die Presse darf kein Glaskinn haben“
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Die Presse darf kein Glaskinn haben“
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21:20 28.02.2012
Zu Gast in der VHS: „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo (links) mit Alfred Reckmann. Quelle: rg
Stadthagen (jpw)

Der in Obernkirchen als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters aufgewachsene Mascolo, der in den achtziger Jahren als Reporter der Schaumburger Zeitung in Rinteln den Grundstein für seine Karriere legte, war VHS-Fachbereichsleiter Alfred Reckmann „noch einen Besuch schuldig“. Diesen absolvierte der „Spiegel“-Chef und gebürtige Stadthäger nach eigenem Bekunden gerne in der alten Heimat, zunächst in der IGS Schaumburg und anschließend in der Volkshochschule.

 Mascolo, dessen Eltern auch gekommen waren, hielt die Auskünfte zu seiner Person knapp, lud vielmehr sein Publikum zu Fragen ein.

 „Die Presse hat eine besondere Verantwortung“, sagte er als Antwort auf die Frage, ob gegenwärtig bei den Medien eine Phase der Selbstreflexion einsetzen müsse. Sie sei „stets Teil des Diskurses“ und dürfe kein Glaskinn haben.

 Ein Journalist lebe stets vom Vertrauen, dürfe kein Geld für Informationen zahlen: „Das erfüllt den Tatbestand der Bestechung.“ Den Einfluss der Medien empfindet Mascolo derzeit als zu groß. Das liege aber auch an Politikern, „die sich der Beschleunigung nicht entziehen“. Absprachen unter den Medien – wie von einem Zuhörer vermutet – gebe es nicht.

 „Viele haben beim Rechtsterrorismus diesen Organisationsgrad nicht erwartet“, meinte der „Spiegel“-Chefredakteur zum nächsten Thema – und schloss sich selber ausdrücklich ein. Die Lektion daraus könne für Journalisten nur lauten, dass solche Dinge stets für möglich gehalten werden müssten. Die Geschichte mit der NSU sei „für alle kein Ruhmesblatt“.

 Für das nächste Wochenende erhofft sich Mascolo zumindest in den großen russischen Städten einen Widerstand gegen die „seit 20 Jahren eher zynische Herrschaft von Putin“. Der ehemalige KGB-Offizier verspüre angesichts der russischen Rolle in der Welt „immer noch einen großen Phantomschmerz“.

 Einen Verkauf des „Spiegel“-Magazins schloss Mascolo – vom gegenwärtigen Standpunkt gesehen – nahezu aus, und das nicht nur, weil 50,5 Prozent der Anteile im Besitz der Mitarbeiter sind.

 Der „Spiegel“-Chefredakteur ist der Meinung, dass es „Papier als Überträger des gedruckten Wortes“ noch viel länger geben wird, als viele es glauben. Wichtig sei, dass der Leser selber entscheiden darf, auf welchem Weg er den vollen Inhalt der Zeitung oder Zeitschrift bekommen will – als gedruckte Ausgabe, oder eben digital.