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Die Vorteile liegen auf der Hand

Einzelhändler in Stadthagen Die Vorteile liegen auf der Hand

Hinter Elke Rippe-Fegel sieht man einige Umschläge mit entwickelten Fotos, die auf ihre Abholung warten. Jedoch geben immer weniger Kunden ihre Filmrollen im Fotoladen ab, weil es letztendlich doch einfacher ist, sie bloß zwischenzuspeichern.

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Marie Popandopulo freut sich über die große Auswahl an leihbaren DVDs und Filmen, welche die World of Video seinen Kunden bietet.

Quelle: mpv

Stadthagen. Von Marie Vogt

Im Allgemeinen liefert das Internet schon seit längerer Zeit beinahe jede Möglichkeit, Produkte und auch Dienstleistungen auf einfache Art und Weise nach Hause zu bestellen. Online-Foren ersetzen scheinbar eine ausführliche Beratung, und Smartphonebilder haben eine bessere Fotoqualität, als so manche Kompaktkamera. Das merkt auch Rippe-Fegel: „Der Verkauf von Kleingeräten geht zurück“, sagt sie. Zwar kämen die Kunden weiterhin auf sie zu, wenn der Kauf einer teuren Kamera anstände, da sei „eine Beratung halt noch immer gefragt“, trotzdem merke man etwas von der Rundumverfügbarkeit des bequemen Internets.

So ist das Foto durch das ständige Bereitstehen einer passablen Smartphonekamera zum Massenprodukt geworden. Gerade junge Leute nutzen lieber die umfassende Speicherfunktion ihres Handys oder Computers.

Die Frage aber, ob Smartphones die Kamera gerade verdrängen, verneint sie. Deren Vorteil sei weiterhin der optische Zoom. Auch Fotoläden werde es weiterhin geben, man habe sich im Laufe der Jahre bloß mehr und mehr auf Dienstleistungen spezialisiert.

Björn Hitzemann vom Spieleladen Gamers Paradise in Stadthagen beobachtet eine ähnliche Entwicklung. Er verkauft seit einiger Zeit weniger Computerspiele als zuvor. „Die Nachfrage sinkt, meiner Meinung nach aufgrund der Verfügbarkeit der Spiele im Internet“, so Hitzemann. Über Online-Plattformen wie Steam können Spielbegeisterte ihr Wunschspiel downloaden und müssen dazu keinen Schritt vor die Tür setzen.

Die kompetente und ehrliche Beratung ist wichtiger denn je

Das Ausschlaggebende, so Hitzemann, sei die Beratung. Diese unterscheide den stationären Verkauf von Computer- und Konsolenspielen von den kostenlosen Download-Plattformen. „Noch wichtiger als früher ist es, Ahnung zu haben und fair und ehrlich zu beraten“. Außerdem seien die Neuerscheinungen des Marktes im Spieleladen meist aktueller als bei Bestell-Plattformen wie Amazon.

Der Einfluss des Internets ist jedoch auch für Björn Hitzemann spürbar. Es fände ein digitaler Handel statt, die Downloads verdrängten das klassische Spiel aus dem Laden.

Den Grund dafür sieht auch der Verkäufer in der Bequemlichkeit der Kundschaft: „Das Gamers Paradise befindet sich in der Fußgängerzone. Wer hier Spiele kaufen möchte, muss sein Auto abstellen, einen Parkschein ziehen, zu Fuß zu uns kommen und anschließend wieder zurückgehen.“ Das sei vielen zu umständlich, weshalb besondere Maßnahmen zu ergreifen seien. „Das Internet hat uns bequem gemacht. Wir überlegen, den Kunden eventuell bald die Parkgebühr zu erstatten.“

Um auch künftig immer aktuell zu bleiben, sei vor allem Onlinepräsenz wichtig. Hitzemann verweist dabei besonders auf die Facebookseite des Gamers Paradise. „Das Internet und der Online-Download lassen sich nun mal nicht aufhalten.“

Die Frage, ob das Smartphone sich auf den Verkauf von mobilen Spielekonsolen auswirke, bejaht der Spielebegeisterte: „Wenn die Konsolen nicht gerade einen derartigen Kultstatus besitzen, wie beispielsweise die Konsolen von Nintendo, so werden die Smartphones vorgezogen.“

Trotz alledem sieht Hitzemann kein Aussterben des Einzelhandelsverkaufs. „Es ist etwas anderes, wenn man das Spiel in der Hand hält. Wenn man extra in den Laden kommt, hofft, dass es noch nicht vergriffen ist, und sich dann noch gedulden muss, bis man es zuhause spielen kann, dann ist die Freude daran einfach größer.“

Zusätzlich zur Möglichkeit, Dateien im Internet zu downloaden, gibt es seit einigen Jahren die Variante, Filme zwar gratis, dafür aber illegal im Internet sehen zu können.

Dieses „Streamen“ von Filmen und Serien führte in den Jahren 2003 und 2004 zu einem jähen Einbruch der Kundenzahlen, wie Marie Popandopulo von der Videothek World of Video aus Stadthagen berichtet. „Etliche Kunden sind einfach nicht mehr gekommen“, erinnert sie sich.

Viele Menschen seien nicht mehr gewillt, sich einen Film für ein einmaliges Anschauen gleich zu kaufen. Die Videothek biete in diesemFalle eine praktische Alternative.

„Unser Angebot ist stets aktuell gehalten und wir legen Wert darauf, unseren Kunden Neuerscheinungen sofort zugänglich zu machen.“, so Popandopulo. Spiele könnten außerdem ausprobiert werden, was ein Direktkauf nicht biete. Und bei mehr als 12.000 Leihartikeln sei die Auswahl wirklich groß.

Die Kunden seien jedoch immer seltener dazu bereit, die Wege zur Videothek und den anschließenden Rückweg auf sich zu nehmen, so die Verkäuferin. Das Internet mit seinen fehlenden Öffnungszeiten und Anfahrtswegen sei auch hier der Grund für ausbleibende Kundschaft gewesen. Inzwischen nähmen aber wieder mehr Kunden die Fahrt aus dem Umkreis auf sich.

Unter anderem aus diesem Grund ist sich die Verkäuferin sicher, dass es auch in Zukunft Videotheken geben wird. Seit dem „Einbruch der Kundenzahlen in den Jahren 2004 und 2005 hat sich das Ganze eingependelt.“ Sollte dies auch weiterhin so bleiben, bräuchte man sich keine Sorgen zu machen.

Das Internet und die Möglichkeiten, welche es mit sich bringt, mögen also die Nachfrage von Foto, Film und Spiel verändern. Als Kunde im stationären Einzelhandel hat man aber trotzdem noch einige Vorteile.

Oder, wie es Björn Hitzemann ausdrückt: „Wer in unseren Laden kommt, der hat was Handfestes.“

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