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Stadthagen Stadt Diese Spurensuche reicht bis ins Mittelalter
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Diese Spurensuche reicht bis ins Mittelalter
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14:12 28.09.2018
Eine Inschrift am Marktplatz, an der Ecke Echternstraße. Quelle: tro
Stadthagen

Die Inschriften sind mal ganz offensichtlich, in anderen Fällen liegen sie ein wenig versteckter. Manche von ihnen sind gut lesbar, andere kaum zu entziffern.

Zeugen aus Mittelalter und Neuzeit

Der aufmerksame Passant findet sie an alten Häusern und Kirchen, aber auch an ganz unvermuteter Stelle. Die Göttinger Philologin Katharina Kagerer hat sich im Detail mit den Botschaften und Lehrsätzen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit auseinandergesetzt.

Kürzlich hat Kagerer ihre Ergebnisse im Marie-Anna-Stift vorgestellt. Für „Die Inschriften des Landkreises Schaumburg“ hat Kagerer frühere Arbeiten mit ihrer Kollegin Inga Finck fortgesetzt. „Inschriften sind wichtige Zeugen der Vergangenheit“, sagt Kagerer.

Das Projekt lief von 2008 bis 2017. „In diesem Zeitraum sind wir auf die große Vielfalt von 740 inschriftentragenden Objekten gestoßen“ – in Steinen, in Holz, in Metall und auf Textilien. Damit sei Stadthagen Schaumburger Spitzenreiter beim Thema Inschriften.

Was steckt hinter den Inschriften?

Kagerer: „Eine Inschrift sollte dafür sorgen, dass man der Nachwelt im Gedächtnis bleibt.“ Darum wurden sie oft so angelegt, dass sie möglichst lange von möglichst vielen Menschen gelesen werden konnten. Ein Vorteil für ihre Arbeit, auch wenn sie trotzdem stellenweise mit Verwitterungen oder Fehlrestaurierungen zu kämpfen hatte.

Manchmal wurde beim Anlegen vielleicht die Wahrheit über die Gottesfurcht des Betreffenden ein wenig zurechtgebogen – Öffentlichkeitsarbeit im Spätmittelalter. Jedoch lässt sich auch Handfestes aus den Inschriften ableiten. „Sie sind zum Beispiel ein Beleg dafür, dass sich reformatorische Bestrebungen hier schon vor der eigentlichen Reformation äußerten“, erklärt Kagerer.

Katharina Kagerer hat mehrere hundert Schriftsätze entdeckt und entziffert - vor allem in Stadthagen.

Speziell Hausinschriften lieferten dafür Belege und Informationen, ebenso wie für die exakte Bauzeit (im Falle von Hausinschriften) oder über die Personen (im Falle von Grabinschriften).

Vorgehensweise und Auswirkungen ihrer Arbeit sind sehr kleinteilig und mühselig, sagt Kagerer. Das gelte zum Beispiel für die Suche nach einzelnen, fast bis zur Unkenntlichkeit abgeänderten oder beschädigten Zitaten in lateinischer Sprache, die die Wissenschaftlerin zu rekonstruieren versucht. Die älteste deutschsprachige Inschrift Schaumburgs findet sich ihr zufolge auf einem Kelch, der um das Jahr 1400 entstanden und im Museum Amtspforte zu sehen ist.

Potenzial für das Smartphone-Zeitalter?

Neben den Inhalten sind Kagerer auch Formalitäten wichtig. Schrift- und Buchstabenform liefern ihr zum Beispiel Hinweise auf die Entstehungszeit, den Bildhauer und mehr. Darüber hinaus erkennt sie auch ein ganz modernes Potenzial in den Inschriften: „Sobald die Informationen dazu im Internet stehen, könnte man an den Häusern zum Beispiel kleine QR-Codes anbringen und einen weiteren touristischen Nutzen aus der Stadtgeschichte ziehen“, regt die Forscherin an.

von Thomas Rocho

Erkenntnisse in Buchform

Das Fachbuch „Die Inschriften des Landkreises Schaumburg“ widmet sich, kommentiert auf 1032 Seiten, 664 Inschriften sowie 76 Jahreszahlen und Initialen auf Objekten aus der Zeit vom zwölften Jahrhundert bis zum Jahr 1650.

Der Schwerpunkt der Autorinnen Katharina Kagerer und Inga Finck liegt im Umfeld der früheren Residenzstädte und des Landadels, aber auch Bürger kommen in den zahlreichen Hausinschriften zu Wort. Erschienen ist das Werk im Reichert-Verlag (ISBN 978-3-95490-250-7). Im Fachhandel kostet es 99 Euro. Einen Einblick in die Welt der Inschriften erhalten Interessierte aber auch unter www.inschriften.net. Dort werden die untersuchten Objekte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings erst nach einer Frist von zwei Jahren ab Buchveröffentlichung. Der Schaumburger Teil ist dort demnach ab 2020 zu sehen.