Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Diskussion mit türkischer Gewerkschafterin

Talk-Runde eskaliert Diskussion mit türkischer Gewerkschafterin

Tumultartige Szenen bei einem Gesprächsabend in der Alten Polizei in Stadthagen. Weil die Situation eskalierte, wurden einige Zuschauer rausgeschmissen. Anlass war ein Besuch von Sakine Esen Yilmaz, die auf Einladung der GEW in die Kreisstadt gekommen war. Yilmaz ist aus der Türkei geflohen, weil sie – nach eigenen Angaben – ihre Meinung nicht vertreten konnte.

Voriger Artikel
Erstmals zu Gast auf dem Marktplatz
Nächster Artikel
Lehrer streiken Donnerstag wieder

Süleman Ates vom GEW-Hauptvorstand übersetzt für die türkische Gewerkschafterin Sakine Esen Yilmaz. 

Quelle: göt

Stadthagen. Sie kam im Frühjahr 2016 nach Deutschland. Um ihre Sicht auf die politischen Umstände in der Türkei unter Recep Tayyip Erdogan zu schildern, hielt sie einen Vortrag – und wurde dabei derbe niedergebrüllt.

„So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagte Süleman Ates vom GEW-Hauptvorstand nach der Veranstaltung erschüttert. Er begleitet Yilmaz seit geraumer Zeit und fungiert bei Veranstaltungen als Übersetzer. Yilmaz drohen in der Türkei 22 Jahre Haft, weil sie sich als Generalsekretärin der Lehrergewerkschaft Egitim Sen für die Interessen ihrer Kollegen einsetzte.

Türkischstämmige Zuhörer beschimpfen Gäste

Nach Worten von Friedrich Lenz, Vorsitzender des GEW-Kreisverbandes, habe die Veranstaltung fast abgebrochen werden müssen. Von einer Gruppe von etwa zwölf bis 14 türkischstämmigen Zuhörern, die sich nach Meinung von Lenz offenbar „geschickt als Gruppe formiert und als Block auf die hinteren Plätze gesetzt hatte“, sind die Gäste wüst beschimpft worden. Schon nach rund zehn Minuten brach ein erster lautstarker Streit aus. „Sie lügt“, riefen mehrere Frauen. Yilmaz hatte gerade die mangelnde Meinungsfreiheit in der Türkei beklagt. Ihrem Übersetzer zufolge äußerte sie, dass Menschen die ihre abweichende Meinung vertreten oder ihre Religion offen zeigen, auf der Straße verbal angegriffen werden.

Meist ließen die Erdogan-Anhänger den Übersetzer aber gar nicht erst zu Wort kommen, sondern schossen direkt auf Türkisch zurück, sodass die übrigen etwa 45 Zuhörer nicht folgen konnten. „Das dokumentiert, dass ein bestimmter Teil der türkischstämmigen Gesellschaft gar nicht für einen demokratischen Dialog geeignet ist“, sagte Gastgeber Lenz, am nächsten Tag noch sichtlich erschüttert.

Buchholz: Gruppe wollte Veranstaltung sabotieren

Dietmar Buchholz, ebenfalls Mitglied der GEW, der die Erdogan-Anhänger hinauskomplementiert hatte, wurde sogar bedroht – „sinngemäß mit den Worten: ,komm Du in die Türkei’“. Auch er ist der Überzeugung, dass die türkischstämmige Gruppe nur gekommen war, um die Veranstaltung zu sabotieren. Unter den Zuhörern war auch Rabia Yasar, Vorsitzende des Integrationsbeirates Stadthagen. Während sich Buchholz empört zeigte, „dass ein Mitglied des Integrationsbeirates so hemmungslos vom Leder gezogen hat“, erklärte Yasar, sie habe lediglich versucht zu beschwichtigen. Aus ihrer Sicht haben einige ihrer Landsleute aufgrund der „überwiegend negativen Äußerungen und Beschuldigungen gegen die Türkei“ vonseiten Yilmaz in dieser Form reagiert.

Yasar habe versucht, die Leute zu beruhigen

„Was mir weh tut“, sagte ein Mann auf Deutsch, „sind solche Leute, die die Regierung in der Türkei schlecht machen, hier Asyl beantragen, und ich als deutscher Steuerzahler soll das finanzieren“. Dafür erntete er Applaus. „So hätte die Diskussion aber nicht laufen sollen“, räumte Yasar ein. Sie habe wiederholt versucht, die Gruppe zu beruhigen.
Yilmaz ging mit der Situation gefasst um und ließ sich kaum provozieren. Wie viel Angst Yilmaz auch in Deutschland noch verspürt, wurde deutlich, als ihr Dolmetscher einen jungen Mann, der augenscheinlich Videoaufnahmen machte, lautstark zur Löschung des Videos aufforderte. „Wenn uns etwas passiert, mache ich Sie persönlich dafür verantwortlich!“

Auch die Veranstalter sorgten sich um die Sicherheit der Referentin und ihres Begleiters . Sie informierten vorsorglich die Rezeption des Hotels, in der die beiden übernachtet haben, über die Situation. göt, tbh

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr zum Artikel
Nach Gesprächsabend

Mit Ablehnung hat der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Stadthagen auf die Tumulte bei einem Gesprächsabend in der Alten Polizei reagiert. „Das ist nicht in Ordnung“, sagte Mehmet Yabas auf Anfrage der SN.

mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr