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Ein Experiment über drei Dekaden

40 Jahre - 40 Köpfe: Friedrich Lenz im Porträt Ein Experiment über drei Dekaden

Piet Klocke, Götz Alsmann und Dieter Hildebrandt – die Liste an bekannten Kabarettisten und Künstlern, die Friedrich Lenz, Vorsitzender des GEW-Kreisverbandes, nach Schaumburg geholt hat, ließe sich beliebig erweitern. Doch Lenz geriet in seinen mehr als drei Jahrzehnten als Vorsitzender des Kreisverbandes nicht nur wegen seiner kulturellen Anstrengungen in den Blickpunkt der Schaumburger Nachrichten.

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Friedrich Lenz ist immer um den Dialog bemüht.

Quelle: js

Stadthagen (js). Der 62-jährige Lehrer für Englisch und Geschichte ist eine Institution am Ratsgymnasium. Seit über 30 Jahren vermittelt er Jungen und Mädchen die angelsächsische Sprache und organisierte zahlreiche Austauschprogramme, die auch heute noch die breite Zustimmung der Schülerschaft erhalten. Doch beinah wäre es ganz anders gekommen. „Ohne die Empfehlung meines damaligen Grundschullehrers wäre ich wohl nie am Gymnasium gelandet“, sagt Lenz. Seine Oma hätte ihn später gar geraten, zur Post zu gehen. Aber Lenz entschied sich nach dem Erlangen der Hochschulreife für ein Pädagogik-Studium, dass er Anfang der 80er Jahre abschloss.
„Das Interesse an der angelsächsischen Kultur entstand während der 60er Jahre“, sagt Lenz. Gerade die vielfältige Musik aus England habe ihn damals angesprochen. Es sei eine „aufwühlende Zeit“ gewesen. „Die politischen Debatten waren damals deutlich heftiger als heute“, ist sich Lenz sicher. Er selbst sei zwar politisch interessiert, doch für ihn habe sehr schnell festgestanden, dass sich seine Interessen nur über Organisationen – und nicht über Parteien – wahrnehmen lassen würden. Also trat er schon während seiner Referendariatszeit anfang der achtziger Jahre in Osnabrück der GEW bei. „Die Vorstellungen von Chancengleichheit im Schulsystem deckten sich ziemlich“, kommentiert Lenz.
Der Kontakt in seine Heimat nach Stadthagen ging aber auch während des Studiums nicht verloren. Als Mittelfeldspieler wirkte er regelmäßig beim FC Stadthagen mit, auch privat fand er sein Glück in der Kreisstadt. Als er über einen Kontakt gehört hatte, dass das Ratsgymnasium nach Lehrern suchen würde, war schnell klar, wohin die Reise geht. „Es ist ein unorthodoxes Gymnasium. Man konnte und kann viele Dinge machen, die mir als Lehrer wichtig sind“, sagt Lenz. Außerdem habe die Schule eine starke GEW-Gruppe gehabt.
Schon kurz nach seiner Ankunft am Ratsgymnasium musste ein Nachfolger für den damaligen Kreisverbandsvorsitzenden Richard Wilmers gefunden werden, der später in den Landesvorstand aufgestiegen ist. Alle anderen möglichen Kandidaten hielten sich zurück, sodass schließlich dem 30-jährigen Lenz der Posten angeboten wurde. „Ich hab es als Experiment gesehen“, erinnert sich der Stadthäger. Ebenso haben auch die SN die Übernahme des Postens damals tituliert. „Ich wollte aber nie hoch hinaus oder sonst was“, beteuert der heute 62-Jährige. Und das er den ehrenamtlichen Job auch noch 32 Jahre später ausführt, habe er „nie gedacht.“ Es folgten viele Jahre gewerkschaftlicher Tätigkeit. Ein persönliches Highlight dieser Zeit war für Lenz die Gründung der heutigen IGS Schaumburg im Jahr 1990. „Dafür verdient der Landkreis Anerkennung“, sagt er. Er selbst habe nur Handlangerdienste übernommen.
Der Stadthäger begreift Gewerkschaften als gesellschaftliche Kraft und nicht nur als Interessengemeinschaft von Einrichtungen. Sie seien damit Teil der Öffentlichkeit „und weitestgehend zählt die Kultur da mit hinein“, erklärt Lenz. Und sowohl in der Gewerkschaft als auch in der Kultur sei „Vernetzung von elementarer Bedeutung“. Bereits im Jahr 1984 lud er Hans Dieter Hüsch in die Kreisstadt, es folgten weitere Größen wie Dietrich Kittner, Erich Fried oder Götz Alsmann. „Die kommen immer wieder gerne her“, weiß Lenz. Alleine Alzmann war seit 2002 schon sechs Mal in der Kreisstadt zu Gast. Besonders in Erinnerung geblieben ist Lenz Dieter Hildebrand. „Er war ein bedeutender Kabarettist und ein sehr heller Kopf“, sagt Lenz, der nach Hildebrandts Tod im Jahr 2013 einen Nachruf für die SN schrieb. 1993 war Lenz außerdem maßgeblich an der Schaffung der Kleinkunsttage beteiligt.
Der GEW-Kreisvorsitzende wurde nicht müde, Stadthagens Kultur zu fördern „Meine Rolle sollte man dahin gehend aber nicht überbewerten“, sagt er. „Das geht nur, weil ich Ansprechpartner habe, die ähnlich ticken wie ich, und eine Umgebung vorfinde, wo ich so etwas machen kann.“ Auch zum Ende seiner Amtszeit hat es Lenz wieder geschafft, für das Jahr 2016 13 Hochkaräter, darunter Jochen Malmsheimer und Abdelkarim Zemhoute in die Kreisstadt zu locken.
Im Herbst 2018 soll für Lenz Schluss sein, sowohl als Lehrer am Ratsgymnasium als auch im Verband. „Dann habe ich 35 Jahre hinter mir. Das ist immerhin weit mehr, als Helmut Kohl Kanzler war“, sagt er lachend.

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